Die Spieler und Verantwortlichen des HSC 2000 Coburg waren bei der Meisterehrung der 2. Handball-Bundesliga dabei - allerdings nur als Zaungäste nach der Partie beim Aufsteiger Bergischer HC. "Wenn man das hier so miterlebt, kommt die Lust auf mehr. Wir wissen aber auch, dass es dahin ein harter Weg ist." Coburgs Trainer Jan Gorr stand am vergangenen Samstagabend zu diesem Zeitpunkt neben dem Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), Frank Bohmann, und es war zu spüren, dass er mit seinem Team gerne an der Stelle des souveränen Meisters gewesen wäre. Doch bis zu seinem dritten Aufstieg muss sich der Hobbyangler noch gedulden.

Während der letztjährige Mitabsteiger sofort wieder ins Handball-Oberhaus zurückkehrt, bleibt für Coburg der Trost, das vorgegebene Saisonziel erreicht zu haben. Ausgegeben war ein Platz unter den Top 4 - am Ende eine Punktlandung. Mehr war für die Coburger nicht drin, denn dafür lief die gesamte Saison einfach zu unrund. "Wir wurden von vielen Rückschlägen personeller Art gebeutelt, haben es jedoch immer wieder verstanden, uns zu berappen, wieder aufzustehen und uns nicht geschlagen zu geben. Das war wichtig, auch wenn wir so kein Top-Ergebnis erzielen konnten." Gorr analysierte zwar folgerichtig, aber insgeheim hatte Handball-Coburg auf den direkten Wiederaufstieg gehofft. Doch dafür war sein Team eben zu selten komplett. Kein Spieler hat alle 38 Saisonspiele absolviert. Dem am nächsten kam Florian Billek (37 Einsätze), gefolgt von Markus Hagelin, Stefan Lex und Romas Kirveliavicius mit je 36 absolvierten Partien.

Es war bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Saison offensichtlich, dass es mit der Rückkehr in die 1. Liga wohl nichts werden würde - zu groß waren die Ausreißer nach unten, um oben mitzumischen. Die Derby-Niederlagen gegen Rimpar schlagen da genauso zu Buche, wie die zwei Niederlagen gegen Neuling HC Elbflorenz, die Niederlage beim Absteiger Hildesheim oder die Pleite in eigener Halle gegen Eisenach. Auch der erste Sieg in Eisenach überhaupt und der erste Erfolg in Aue seit zehn Jahren konnten das nicht aufwiegen. Auffällig ist, dass zumindest Platz 3 in eigener Halle verspielt wurde. Zwölf Punkte haben die Coburger in der HUK-Arena liegen gelassen, zu viel für ein Team mit Aufstiegsambitionen.

Vielleicht liegt das auch am deutlich zurückgegangenen Zuschauerinteresse in Coburg. In die Arena kamen 900 Besucher weniger als in der Erstliga-Saison und 700 weniger als in der Aufstiegssaison vor zwei Jahren, selbst die Derbys gegen Eisenach und Rimpar waren nicht ausverkauft. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Saison bereits mehr oder weniger gelaufen.
Coburg hat den attraktiven Handball, den sie zu spielen in der Lage sind, oft nur angedeutet und hat immer wieder dicke Patzer in sein Aufbauspiel "eingestreut". "Ich habe mir von handballerischer Seite schon ein bisschen mehr erwartet. Das muss auch unser Plan für die kommende Saison sein, auf einem anderen, höheren Level zu spielen", blickt Gorr bereits wieder nach vorne.


Die Saison des HSC 2000 Coburg in Zahlen


Saisonbilanz: 22 Siege, 4 Unentschieden, 12 Niederlagen - 48:28 Punkte, Platz 4
Heim: 12 Siege, 2 Unentschieden, 5 Niederlagen - 26:12 Punkte, Platz 7
Auswärts: 10 Siege, 2 Unentschieden, 7 Niederlagen - 22:16 Punkte, Platz 3

Höchster Sieg: 27:13 beim HC Rhein Vikings; 32:18 gegen den HC Rhein Vikings

Höchste Niederlage: 22:29 gegen Bergischer HC
Meiste Einsätze: Florian Billek (37), Stefan Lex (36), Romas Kirveliavicius (36), Markus Hagelin (36), Felix Sproß (35), Sebastian Weber (35), Dominic Kelm (35), Tobias Varvne (34), Oliver Krechel (34), Till Riehn (32)

Meiste Tore: Florian Billek (243), Tobias Varvne (154), Stefan Lex (118), Felix Sproß (103), Romas Kirveliavicius (90), Till Riehn (68), Sebastian Weber (53), Lukas Wucherpfennig (47)

Meiste Assists: Stefan Lex (63), Tobias Varvne (44), Till Riehn (42), Romas Kirveliavicius (32), Florian Billek (24), Sebastian Weber (16)

Torhüter: Oliver Krechel (34 Spiele, 292 Paraden, 32% gehaltene Bälle), Jan Kulhanek (21 Spiele, 183 Paraden, 37% gehaltene Bälle), Patryk Foluszny (11 Spiele, 6 Paraden, 29% gehaltene Bälle)

Zuschauer:
40 803 Zuschauer insgesamt, 2147 im Durchschnitt (Platz 2 hinter Nordhorn-Lingen)




Von Jan Kulhanek bis Tobias Varvne: Die HSC-Spieler in der Einzelkritik


Jan Kulhanek: Der Ruhepol hinter der Abwehr, kommt in der "Eisblockskala" direkt hinter Markus Hagelin.

Oliver Krechel: Der "emotionale Leader" zwischen den Pfosten, pushte sich und die Fans immer mal wieder zu Höchstleistungen.

Patryk Foluszny: Der Perspektiv-Torwart aus Polen war immer dann zur Stelle, wenn er gebraucht wurde.

Philipp Barsties: Hatte immer wieder mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. War nur in einem Drittel der Spiele dabei und dann ausschließlich in der Abwehr eingesetzt.
Markus Hagelin: Der Abwehrchef: an ihm prallte hinten vieles ab wie an einem skandinavischen Eisblock.

Lukas Wucherpfennig:
Mehr als nur ein zuverlässiger "Back-up" für Florian Billek. Die Rechtsaußenposition machte den Coburgern am wenigsten Sorgen.

Felix Sproß: Im ersten Saisonabschnitt mit kleinen Anlaufschwierigkeiten, dann fand er sich immer besser zurecht und war der Dauerläufer auf der linken Seite.

Dominic Kelm: Die Leidenschaft in Person, egal ob hinten oder vorne. Er scheute in keiner Partie den Abnutzungskampf mit seinen Gegenspielern.
Petr Linhart: Auch ihn bremste eine Verletzung früh aus - gerade als er so richtig Anlauf genommen hatte.

Sebastian Weber: Ob mit oder ohne Bart (am liebsten aber mit) - der Co-Spielführer rackerte am Kreis mehr als seinen Gegenspielern lieb war.

Stefan Lex: Ging oft dahin wo es richtig wehtut und drückte sich nie davor Verantwortung zu übernehmen, manchmal aber mit Leichtsinnigkeiten im Passspiel.

Benedikt Kellner: Sein Potenzial und die enorme Übersicht in jüngsten Handballjahren hat er mehrfach unter Beweis gestellt.

Florian Billek: Der Torgarant: 243 Tore, davon 111 Strafwürfe, zudem noch zwei Dutzend Assists. Der Rechtsaußen hat seinen langfristigen Vertrag einmal mehr gerechtfertigt.

Till Riehn: Als Spielführer der Mann für alle Fälle, manchmal mit einem Patzer zu viel, über den er sich dann selbst am meisten ärgerte. Er war vielseitig gefordert, erstmals in dieser Saison auch als Siebenmeterwerfer.

Marko Neloski: Ein Kreuzband- und Innenmeniskusriss bremste ihn, als er gerade richtig in Fahrt gekommen war, nach 13 Spielen aus.

Jakob Knauer: Ließ seine Gegenspieler mehrmals auf dem "Bierfilz" stehen und ist auf dem Weg zu einer stabilen Größe auf der rechten Seite. In der Abwehr noch Luft nach oben.

Girts Lilienfelds: Hatte in der gesamten Saison verletzungsbedingt keinen Einsatz.

Tom Wetzel: Stand lediglich in einer Partie auf dem Spielberichtsbogen, kam nicht zum Einsatz.

Romas Kirveliavicius: In der Abwehr in Ordnung, im Angriff blieb der Österreicher aber oft unter seinen Möglichkeiten und zeigte mehr Schatten als Licht.

Tobias Varvne: Der Lenker und Denker im Spiel des HSC mit einem sehr guten Auge für die Lücke in der gegnerischen Abwehr. Der Schwede war erfolgreichster Feldtorschütze (154 Treffer)