BambergHüpfende Fans Arm in Arm in der Kurve, rhythmische Trommelklänge am Spielfeldrand oder spektakuläre Choreografien während des Spielereinlaufs: Bilder, die man in der Vergangenheit Woche für Woche als etwas absolut Gewöhnliches wahrgenommen hat, in Zeiten des Coronavirus aber gefühlt bereits eine Ewigkeit her sind. In sämtlichen deutschen Profiligen wird aktuell an Hygiene- und Sicherheitskonzepten gearbeitet, um zum Start der neuen Spielzeiten zumindest einem gewissen Prozentsatz an Zuschauern den Zutritt in die Stadien und Hallen zu gewähren.

Doch feststehen dürfte bereits jetzt: An die gewohnten Zuschauerzahlen wird in der Saison 2020/21 kein Profiverein herankommen. Besonders für die Klubs in den Hallensportarten ein zukunftsbedrohender Umstand, da sich der Etat vieler Klubs zu mehr als der Hälfte aus Zuschauereinnahmen zusammensetzt. Immerhin darf vielerorts nun etwas aufgeatmet werden. In einem Nothilfspaket sagt der Bund Vereinen in den Profiligen im Basketball, Handball, Eishockey und Volleyball sowie der 3. Fußball-Liga insgesamt ein Volumen von 200 Millionen Euro zu.

Im zweiten Teil unserer neuen Serie "Top 10" listen wir die fränkischen Sportvereine mit den höchsten Zuschauerzahlen der vergangenen Saison auf - etwaige Geisterspiele wurden nicht in den Zuschauerschnitt eingerechnet.

Vor Geisterkulisse kämpfte der 1. FC Nürnberg in der Relegation um den Verbleib in der 2. Bundesliga. Beim Hinspiel im heimischen Max-Morlock-Stadion hätten sicherlich zahlreiche Club-Fans ihren Herzensverein gerne dabei unterstützt, den Abstieg in die 3. Liga zu vermeiden. Sonst wäre er sportlich gesehen nur noch die Nummer 3 in Franken gewesen. Beinahe wäre diese Horrorvorstellung für die "Glubberer" sogar eingetreten. Doch Fabian Schleusener sorgte in letzter Sekunde für ein emotionales Happy End.

Vierkampf um Platz 3

Knapp 30 000 Zuschauer (siehe Übersicht unten) pilgerten in der vergangenen Runde zu den 13 Zweitliga-Heimspielen. Ein Schnitt, der ohne die Corona-Krise vermutlich noch in die Höhe geschnellt wäre, schließlich empfingen die Nürnberger in den letzten beiden Heimpartien den Aufsteiger VfB Stuttgart und den Lokalrivalen SpVgg Greuther Fürth.

Letzterer folgt in unserer Rangliste auf dem zweiten Platz - mit 10 054 Zuschauern pro Spiel gerade noch im fünfstelligen Bereich. Eng geht es auf den Rängen 3 bis 6 zu. Den Drittplatzierten Brose Bamberg (5659) und den Sechsten HC Erlangen (4870) trennen gerade einmal knapp 800 Fans im Durchschnitt.

Bei den Bamberger Basketballern schlägt sich die sportliche Talfahrt der vergangenen drei Jahre auch in den Zuschauerzahlen nieder. War das "Ausverkauft" mit 6800 Zuschauern über viele Jahre in der Brose-Arena quasi Gesetz, wurden in der abgelaufenen Saison nur gegen den FC Bayern München alle 6150 Tickets (Kapazität mittlerweile verringert) verkauft. Gab es im Sommer 2017 sogar Überlegungen für einen Neubau einer 10 000 Zuschauer fassenden Arena, sind derartige Überlegungen längst überholt.

Würzburg und Bayreuth am Limit

Die größte Mehrzweckhalle in Franken steht in Nürnberg. Die auf Eishockey ausgelegte Arena Nürnberger Versicherung hat sich in den vergangenen Jahren auch zu einer Handball-Hochburg entwickelt. Der HC Erlangen trägt seit 2014 seine Heimspiele in der Norisstadt aus und bewegte sich in den vergangenen vier Spielzeiten bei einem respektablen Schnitt von etwa 4500 Zuschauern. Im Dezember 2019 gegen die Füchse Berlin strömten sogar 8111 Handballfreunde in die Arena.

Nahezu das komplette Fassungsvermögen ihrer in die Jahre gekommenen Hallen nutzen die beiden Basketball-Bundesligisten s.Oliver Würzburg und Medi Bayreuth aus. Obwohl es in beiden Städten hochklassige sportliche Konkurrenz gibt (Würzburg: Kickers, Bayreuth: Tigers und SpVgg) kommt es selten vor, dass Sitze leer bleiben.

Beide Klubs sind aber auf einen Hallenneubau angewiesen, um perspektivisch voranzukommen. In Würzburg gibt es bereits konkrete Pläne für eine 6000 Zuschauer fassende Multifunktionsarena in Nähe des Hauptbahnhofs. Der anfängliche Zeitplan, nach dem der Spatenstich bereits in diesem Jahr erfolgen und die Halle im Herbst 2021 eröffnen sollte, ist allerdings in Verzug.

Die fränkischen Sportvereine mit den höchsten Zuschauerzahlen in der Saison 2019/20

1.1. FC Nürnberg (2. Fußball-Bundesliga) Zuschauerschnitt 19/20: 29 618 Kapazität: 50 000 Auslastung in Prozent: 59,2 Saisonrekord: 44 497 (gegen Hamburger SV) Höchster Zuschauerschnitt: 43 691 (Saison 2007/08, 1. Liga) 2.SpVgg Greuther Fürth (2. Fußball-Bundesliga) Zuschauerschnitt 19/20: 10 054 Kapazität: 15 606 Auslastung in Prozent: 64,4 Saisonrekord: 15 606 (gegen 1. FC Nürnberg) Höchster Zuschauerschnitt: 16 843 (2012/13, 1. Liga) 3.Brose Bamberg (Basketball-Bundesliga) Zuschauerschnitt 19/20: 5659 Kapazität: 6150 Auslastung in Prozent: 92,0 Saisonrekord: 6150 (gegen FC Bayern München) Höchster Zuschauerschnitt: 6800 (zuletzt 2015/16, 1. Liga) 4.FC Würzburger Kickers (3. Fußball-Liga) Zuschauerschnitt 19/20: 5402 Kapazität: 13 090 Auslastung in Prozent: 41,3 Saisonrekord: 8346 (gegen TSV 1860 München) Höchster Zuschauerschnitt: 11 145 (2016/17, 2. Liga) 5.Nürnberg Ice Tigers (DEL, Eishockey) Zuschauerschnitt 19/20: 5104 Kapazität: 7672 Auslastung in Prozent: 66,5 Saisonrekord: 7672 (gegen EHC Red Bull München) Höchster Zuschauerschnitt: 6081 (2012/13, DEL) 6.HC Erlangen (Handball-Bundesliga) Zuschauerschnitt 19/20: 4870 Kapazität: 7850 (regulär) Auslastung in Prozent: 62,0 Saisonrekord: 8111 (gegen Füchse Berlin) Höchster Zuschauerschnitt: 4870 (2019/20, 1. Liga) 7.Medi Bayreuth (Basketball-Bundesliga) Zuschauerschnitt 19/20: 3314 Kapazität: 3400 Auslastung in Prozent: 97,5 Saisonrekord: 3400 (sechs Heimspiele) Höchster Zuschauerschnitt: 3314 (2019/20, 1. Liga) 8.s. Oliver Würzburg (Basketball-Bundesliga) Zuschauerschnitt 19/20: 3053 Kapazität: 3140 Auslastung in Prozent: 97,2 Saisonrekord: 3140 (sechs Heimspiele) Höchster Zuschauerschnitt: 3140 (2015/16, 1. Liga) 9.HSC 2000 Coburg (2. Handball-Liga) Zuschauerschnitt 19/20: 2435 Kapazität: 3530 Auslastung in Prozent: 69,0 Saisonrekord: 3316 (gegen ThSV Eisenach) Höchster Zuschauerschnitt: 2883 (2016/17, 1. Liga) 10.Bayreuth Tigers (DEL 2, Eishockey) Zuschauerschnitt 19/20: 1770 Kapazität: 4560 Auslastung in Prozent: 38,8 Saisonrekord: 3134 (gegen Eispiraten Crimmitschau) Höchster Zuschauerschnitt: 2157 (2015/16, Oberliga) 11. DJK Rimpar Wölfe (2. Handball-Liga): 1696 12. Selber Wölfe (Eishockey, Oberliga Süd): 1660 13. FC Schweinfurt (Fußball-Regionalliga) 1437 14. Viktoria Aschaffenburg (Fußball-Regionalliga): 1216 15. TV Großwallstadt (3. Handball-Liga): 1200 16. SpVgg Bayreuth (Fußball-Regionalliga): 910 17. Nürnberg Falcons (2. Basketball-Liga ProA): 906 18. Heitec Volleys Eltmann (Volleyball-Bundesliga): 853 19. TSV Aubstadt (Fußball-Regionalliga): 849 20. BBC Coburg (3. Basketball-Liga ProB): 769