Dass die Spritpreise explodieren, ist eines der großen Probleme der Spediteure auch in unserer Region. Aber vielfach zeigen sich nun auch andere Schwierigkeiten. Und die sind am Ende wohl weitaus schlimmer - besonders für die LKW-Fahrer.

Fast sieben Prozent der LKW in Deutschland werden nach Angaben des Bundesverbandes Güterkraftverkehr von ukrainischen Truckern gefahren. Auf den ersten Blick keine hohe Zahl, viele Osteuropäer arbeiten bei uns in der Branche. Polnische LKW hatten 2021 laut Mautstatistik des Bundesamtes für Güterverkehr einen Marktanteil in Deutschland von 17,5 Prozent, litauische einen von drei Prozent.

Von den Ukrainischen Fahrern sind aber nun viele in der Heimat. Und zwar zum Kämpfen. Der Ebersdorfer Unternehmer Björn Schumacher hat auch in Polen zehn Standorte, auch dort arbeiten viele Ukrainer, rund 25 Prozent machen sie dort aus. Und nicht alle sind freiwillig in den Krieg gegangen. Viele seien auch eingezogen worden.

Kommunikation abgebrochen

"Wir haben weiterhin versucht, mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Leider ist der Kontakt bei vielen aber abgerissen", sagt Schumacher. "Natürlich machen wir uns sorgen. Die Kommunikation ist in vielen Gebieten der Ukraine aber nicht mehr möglich und die Vermutung liegt leider nah, dass viele der eingezogenen Mitarbeiter gefallen sind."

Das Elend des Krieges bekommen aber auch die verbliebenen Mitarbeiter in den polnischen Standorten mit. Schumacher: "Viele liegen an der Grenze zur Ukraine. Die Geschäftsführerin eines Standorts hat mich kurz nach Kriegsbeginn angerufen. Sie hat beschrieben, wie Kinder und Frauen bei minus 15 Grad leicht bekleidet über die Grenze kommen. Auch viele Familien unserer Mitarbeiter sind aus der Ukraine geflohen."

Jetzt kann der Unternehmer also nur noch abwarten, ob er je wieder etwas von seinen Leuten hört.

Manche ukrainische Fahrer aus anderen Speditionen sind aber auch freiwillig in ihre Heimat gegangen, um sich den Truppen anzuschließen. Einer berichtet in einem Interview über seine Beweggründe. Seine Familie sein noch in seiner Heimatstadt Dnipro. Dahin ist er mitten im Krieg nun zurückgekehrt, obwohl er auch in Deutschland hätte bleiben können. Sein Chef habe ihm angeboten, hier zu bleiben und die Familie nachzuholen. Aber er habe hier Frau und ein Kind, das bald 18 Jahre alt werde. In Dnipro versuche er nun zu helfen, wo es geht. Er habe Schützengräben ausgehoben und Frauen kochten Essen für die Soldaten.

Nur noch die Straße

Da hören sich die wirtschaftlichen Probleme, die die Unternehmen haben, beinahe banal an. Aber das sind sie nicht. Durch Flugverbote über den russischen Luftraum und die Sperrung der Seidenstraße wird es ohnehin immer schwieriger Waren nach Asien zu liefern. Der Handel dort ist deshalb schon beinahe zum Erliegen gekommen. Einzige Transportalternativen bleiben nur noch Schiff und Straße. Da kommen die Spritpreise ins Spiel. Schumacher hat mehr als 200 LKW. Speditionen dieser Größe berichten mitunter von Mehrkosten von bis zu 50.000 Euro im Monat, die sie berappen müssen. In Berlin haben Trucker bereits mit mehreren Dutzend Lastzügen per Schleichfahrt auf Autobahnen demonstriert.

Düstere Prognose

Wie es in Zukunft mit der Branche weitergeht, kann auch Björn Schumacher nicht sagen. "Die logistischen Lieferketten sind schon durch Corona stark beschädigt worden. Durch die Ukrainekrise und die Kostensteigerungen stoßen die Logistikfirmen nun an ihre Grenzen." Die Coronapandemie habe bereits viele Unternehmen an die Grenzen gebracht und Reserven aufgezehrt. Die Logistikbranche werde weiterhin mit Problemen zu kämpfen haben. "Es wird viele Firmen geben, denen durch die hohen Preise und das fehlende Personal die Luft ausgeht. Wir stehen vor nie da gewesenen Herausforderungen", sagt Schumacher.