Die Bratwurstbuden auf dem Coburger Marktplatz sind so etwas Stimmungsbarometer: Die Zahl der Würste, die dort verkauft werden, sowie auch die Art der Kunden, die dort anzutreffen sind, lassen immer sehr gut Rückschlüsse auf die aktuelle Lage im Land zu. Beispiel, Anfang dieser Woche: "Heute sind ungewöhnlich viele Kunden aus Thüringen hier", sagt die Verkäuferin und wundert sich: "Was ist denn da los?" Antwort: In Thüringen sind jetzt Winterferien!

In den vergangenen zwei Jahren war freilich ein anderes Szenario deutlich häufiger der Fall: Es wurden viel weniger Bratwürste verkauft als sonst. Denn aufgrund von Corona waren viel weniger (und in den Lockdowns gar keine!) Menschen in der Coburger Innenstadt unterwegs. Für eine Hilfsmaßnahme der Stadt Coburg, die 2021 auf einen Teil der Standgebühren verzichtete, sei man deshalb sehr dankbar gewesen, wie Claudia Hartan sagt. Claudia Hartan gehört nicht nur zu einem der insgesamt acht Bratwurstbrater-Teams, die sich mit dem Braten auf dem Marktplatz abwechseln, sondern sie ist auch deren Obfrau, also quasi die Sprecherin.

Seit einigen Wochen steigt zwar die Zahl der Besucher in der Innenstadt endlich wieder, doch zwei große Probleme gibt es noch immer. Erstens: "Die Touristen fehlen", sagt Claudia Hartan. Zwar verspeisen auch viele Einheimische gerne und regelmäßig eine Bratwurst. Doch auswärtige Besucher sind eben eine mindestens genauso wichtige Zielgruppe.

Zweitens: Die Veranstaltungen fehlen!" Sowohl die großen Events wie Samba oder CC sind den Bratern nun schon zweimal in Folge abhanden gekommen als auch zig kleinere Feste - und zuletzt auch noch der Weihnachtsmarkt.

Preiserhöhung im Dezember

Apropos: Im vergangenen Herbst haben sich die Coburger Bratwurstbrater zu einer Preiserhöhung auf 2,80 Euro pro Wurst entschieden - eigentlich hätte das mit Beginn des Weihnachtsmarktes gelten sollen. Dann wäre es zunächst gar nicht so aufgefallen, weil auch Anbieter anderer Speisen bei dieser Veranstaltung etwas höhere Preise verlangen.

Der Weihnachtsmarkt musste dann kurzfristig abgesagt werden - an der Preiserhöhung für die Bratwurst führte aber dennoch kein Weg vorbei, wie Claudia Hartan erklärt. Denn vieles sei zuletzt immer teurer geworden: Strom, Fleisch, Senf, Semmeln - und all das werde nun einmal benötigt, um den Kunden eine ordentliche Bratwurst auf dem Coburger Marktplatz servieren zu können.