In den sogenannten "sozialen Medien" geht es mitunter sehr rau zu. So wurde zum Beispiel im vergangenen Jahr auf diversen Facebookseiten heftig gelästert, als die auf Fisch spezialisierte Restaurantkette Nordsee die Schließung ihrer Filiale in der Spitalgasse 9 bekanntgab: Zum soundsovielten Mal wurde ein Abgesang auf die Coburger Innenstadt angestimmt. Viele übersahen dabei, dass die Nordsee-Filiale ja gar nicht wegen schlechter Geschäfte aufgegeben wurde, sondern weil es Unstimmigkeiten mit dem Vermieter gab. Die Ankündigung, dass die Nordsee Ausschau nach einem neuen Standort in der Vestestadt hält, wurde entweder komplett übersehen oder aber nicht geglaubt.

"Mich haben diese Kommentare geärgert", erinnert sich Rolf Krebs, der bei der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög) für das Ansiedlungsmanagement zuständig ist. "Aber wir haben uns dadurch nicht entmutigen lassen und sind am Ball geblieben." Heißt konkret: Man war in ständigem Kontakt mit der Nordsee-Zentrale in Bremerhaven und half bei der Suche nach einem neuen Standort so gut wie nur möglich mit. Ein knappes Jahr später folgte nun der Lohn für diese Beharrlichkeit: Am Montag dieser Woche hat Nordsee auf Tageblatt-Anfrage bestätigt, voraussichtlich bereits im August eine neue Filiale in der Spitalgasse 24 (Metzgerei Schnapp, ehemals Spielmann) zu eröffnen.


Nordsee dankt der Stadt

Die Freude bei Rolf Krebs ist groß. "Das ist ein weiteres gutes Zeichen für den Einzelhandelsstandort Coburg", sagt er und gerät dann fast ins Schwärmen: "Depot, Nanu-Nana, Schuh Knopf (ehemals Putschky; Anm. d. Red.), Hunkemöller, Rituals, Engbers, jetzt Nordsee und bald auch noch die Erweiterung von H&M zum Vollsortimenter - so viele tolle Zuwächse in kurzer Zeit verzeichnen sonst nur Großstädte!" Coburg sei aber nun mal - und das müsse man sich immer wieder vor Augen führe - eine Stadt mit gerade mal 41 000 Einwohnern.

Dass sich in die Suche nach einem neuen Standort auch Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) eingeschaltet hat, wurde in der Nordsee-Zentrale übrigens sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen. So gibt es ein Schreiben von Nordsee-Geschäftsführer Robert Jung, in dem er sich ausdrücklich für die "Unterstützung und aktive Vorgehensweise" der Stadtverwaltung und der Wifög bedankt. Norbert Tessmer, der das gerne hören dürfte, ließ sich am Dienstag in einer Pressemitteilung der Stadt wie folgt zitieren: "Ich freue mich, dass mit Unterstützung unserer Wirtschaftsförderungsgesellschaft ein neuer Standort gefunden wurde!"

Aber noch einmal zu den "sozialen Medien": Wie waren dort denn jetzt die Reaktionen auf das Comeback der Nordsee? Zunächst einmal ist festzustellen, dass die Meldung am Dienstag die Nachricht des Tages war. Auf der Facebookseite des Tageblatts wurde der Beitrag bereits bis zur Mittagsstunde über 10 000 mal angeklickt. Auch in der Facebook-Gruppe "Coburger Stadtgespräche" war der Tageblatt-Artikel ein großes Thema. Die dazugehörigen Kommentare waren durchweg positiv. "Sehr gut", schrieb etwa ein Leser, "schön, dass sich so ein Unternehmen zum Standort Coburg bekennt."


Und was ist mit der Ostsee?!

Dass diesmal offenbar gar keiner etwas zu meckern hat, kam dem einen oder anderen dann aber doch schon wieder seltsam vor. "Warum meckert hier diesmal keiner?", fragt einer prompt, woraufhin ein anderer sich augenzwinkernd dazu bereit erklärte, eben damit anzufangen: "Ich möchte lieber die Ostsee!"