Klein, dreckig, abgenutzt. Das ist der erste Eindruck, wenn man die Ausstellung "Echte Körper" in der alten Angerturnhalle in Coburg, erblickt. Dabei stellt sich die Frage, warum Menschen ausgestellte Leichen begutachten wollen?

Hauptsächlich aus Interesse. Die meisten Besucher interessieren sich für den menschlichen Körper und wollen diesen im Detail betrachten. Andere Besucher arbeiten in medizinischen Berufen und möchten "den menschlichen Körper nicht nur aus einem Buch lernen."


Beinahe verboten

Dabei wäre die Ausstellung beinahe von Seiten der Stadt abgesagt worden. Nach den Angaben des Pressesprechers der Stadt Coburg, David Schmitt, hätten die Verantwortlichen diese Veranstaltung abgesagt, "wenn sie der Auffassung sind, dass eine geplante Ausstellung den Anforderungen des Bestattungsrechts widerspricht."

Erst am Donnerstag, einen Tag vor der Eröffnung, entschied die Stadt, die Ausstellung stattfinden zu lassen, nachdem sie sich vor Ort ein Bild gemacht hatten. Die Ausstellung entspricht formal dem Bestattungsrecht und der Veranstalter hatte alle nötigen Unterlagen fristgerecht eingereicht. Zusätzlich legte er eine Ausstellungsbeschreibung vor.

Schon zu Beginn der Veranstaltung begutachteten rund zwei Dutzend Besucher die ausgestellten Körperteile.

Die Meinungen dieser Besucher sind zwiegespalten. Hinter jedem "es ist schon interessant", folgt ein dickes Aber. Es sehe nicht echt aus, es sei sehr klein, es wirke unecht, es gebe optische Mängel, die Körperwelten-Ausstellung sei deutlich besser.


Viele Details

Natürlich sehe man viele Details des menschlichen Körpers, die man unter alltäglichen Umständen nicht erkunden kann. "Die Raucherlunge ist beeindruckend" und es sei interessant, "eine Knieprothese zu sehen".

Auch die Infotafeln zu Aids oder zum Rauchen sprechen die Besucher an. Auf die Frage, wie sie diese Ausstellung finden, hört man von den meisten: "Ich habe mir das anders vorgestellt."

Ein Problem ergibt sich für Menschen, die nicht aus der Coburger Gegend stammen: Sie finden den Eingang nicht. Denn die angegebene Adresse schickt die Besucher vor die Sporthalle am Angerparkplatz. Verdutzte Blicke, fragende Gesten und verzweifelte Anrufe sind die Folge. Ein Angestellter der Ausstellung sah die Besucher und versprach, sich etwas einfallen zu lassen.

Der erste Blick richtet sich auf ein Exponat, ohne Schaukasten, in der Mitte des Raumes. Leicht bräunlich und glänzend steht dieser Körper im Raum. Rechts und links davon erstrecken sich Vitrinen, in der ganze Körper, Körperteile oder Knochen ausgestellt sind. Alle wirken bräunlich und wie aus Plastik. "Das sieht nicht echt aus", beschreiben einige Besucher die Ausstellungsstücke.


Kleine Ausstellung


Dazu sehen die Plakate verschmutzt und die schwarzen Kästen verschlissen aus. "Es gibt optische Mängel", kritisiert eine Besucherin. Dazu gehört auch, dass ein Plakat tatsächlich auf dem Kopf steht. Es wurde schlichtweg falsch herum aufgehängt. Auch die Tafeln, auf denen die menschlichen Organe und Muskeln erklärt werden, haben Risse, wurden geklebt - sind einfach verlebt.

Nach maximal 60 Minuten hat man alle Exponate inklusive Erklärungen gesehen. Einige Gäste waren im Schnelldurchlauf in 20 Minuten durch. Eine Altenpflegerin, die sich die Anatomie an einem Objekt ansehen wollte, und nicht nur aus Büchern, erlebte diese Ausstellung ohne Höhepunkte. Für medizinische Fachkräfte fehlen spezielle Krankheitsbilder. Dennoch war für sie insbesondere die Raucherlunge interessant. Zuletzt gab sie jedoch zu, dass sie auf jeden Fall in die "echte Körperwelten-Ausstellung" gehe.

Ein Sportlehrer des Alexandrinum Gymnasiums, fasste die Ausstellung typisch fränkisch zusammen: "Schaden tut es nicht." Er besucht die Ausstellung Samstag mit seinen Schülern, die sich die menschliche Anatomie für ihre Abiturprüfungen vor Augen führen sollen.