Jeder der hier lebenden Vögel hat eine persönliche Geschichte. Ulrich Leicht hat es perfekt verstanden, mit launigen Worten und sehr informativen Erläuterungen die vielen Besucher des Sommerfestes in der Vogelauffang- und Pflegestation in Neu- und Neershof nicht nur zu unterhalten, sondern sie zu begeistern. "Wir sind ein Krankenhaus für große Vögel, die größer als eine Taube sind", erklärte Ulrich Leicht zum Thema Greifvögel. "Ein Hühnerstall is net so good für eine Wiesenweihe", sagte der engagierte Tierpfleger und präsentierte das gefiederte Tier, das seit zwei Tagen in der Station ist - ein ganz seltenes Exemplar. Im Coburger Land brüteten bislang keine Wiesenweihen, ein solches Tier sei das erste Mal überhaupt bei ihm zur Pflege.

Ob gefunden oder verletzt, in Neu- und Neershof gibt es Obhut und fachkundige Pflege für Wildtiere. Die Vogelauffang- und Pflegestation besteht seit 1969 und hat zum Ziel, verletzte und flugunfähige Greifvögel, Eulen und andere Großvögel gesund zu pflegen. Jährlich werden zwischen 50 und 100 Vögel von Ulrich Leicht gerettet und wieder freigelassen.


Ein Appell

Es gebe aber auch Fälle, wo für das Tier nichts mehr getan werden könne. Diese Tiere müssten dann vom Tierarzt eingeschläfert werden, berichtete Leicht. Er verknüpfte seine Erzählungen mit einem Appell an vermeintliche Tierliebhaber. Gerade in diesen Tagen starteten junge Turmfalken die ersten Flugversuche und landeten dabei oft am Boden. Diese Tiere sollten dort belassen werden oder höchstens auf einen Busch oder auf etwas höhere liegende Bereich gelegt werden und nicht zu einem Tierarzt oder in die Auffangstation gebracht werden. "Sie klauen sonst dem Vater und der Mutter das Kind", warnte Leicht. Die Mutter könne ihr Junges nicht füttern, wenn Menschen dort blieben.

Einen seit gut drei Jahren in der Station lebenden, flügelbehinderten Turmfalken trickse er mit Adoptivkindern aus, denn beim Kontakt mit Menschen würden sie sehr schnell "fehlprogrammiert". Sie sollen den Menschen, der sie pflegt, nicht anbetteln. Sie sollen so schnell wie möglich wieder in die Freiheit entlassen werden.


Auch Vögeln ist es heiß

Was passiert, wenn der Vogel schwitzt? Er sperrt den Schnabel auf und atmet schnell, so die fachkundige Antwort des Experten. Auch sollte man einen Vogel nicht über den Kopf streicheln, denn dabei zerstöre man das eingefettete Gefieder.

Keine Minute war für die Sommerfestgäste langweilig und mit witzigen Worten und der hautnahen Präsentation seiner Schützlinge faszinierte der Tierpfleger die Besucher. Einen Mäusebussard aus wirklich nächster Nähe zu betrachten und ihn auch mal zu berühren, ist wohl nur in der Station und bei Ulrich Leicht möglich. Zwischen Grub am Forst hatte den Vogel ein Lkw erfasst und auf die Fahrbahn geschleudert. Eine nachfolgende Autofahrerin, so Leicht, habe das Tier aufgehoben und in die Station gebracht, wo es aufgepäppelt werde. "Er hat eine Superchance, in der Freiheit zu überleben", ist sich Ulrich Leicht sicher.


Einige bleiben für immer

In diesem Jahr wurden neun Mäusebussarde aufgenommen, von denen fünf gesund gepflegt und rückgesetzt werden konnten. Bei den Turmfalken kamen 18 in die Obhut von Ulrich Leicht. Acht konnten in die Freiheit entlassen werden und neun werden in Dauerpflege dort bleiben müssen. Auch von den sechs abgelieferten Uhus bleiben vier auf der Station.