Sie trägt einen schwarzen Talar und hält Federkiel und eine aufgeschlagene Bibel in den Händen: Die Playmobil-Figur von Martin Luther ist die bisher am meisten verkaufte Figur des deutschen Spielwarenherstellers. Beim Gottesdienst zum Gemeindefest der Kirchgemeinde Wildenheid-Meilschnitz spielt der kleine Spielzeug-Luther eine besondere Rolle, denn mit ihm wird die Lebensgeschichte von Martin Luther zu Beginn nacherzählt.
Schließlich zeigt die Figur ganz gut, wie wir uns Martin Luther heute vorstellen. Aber wie war er wirklich? "Einige Zeitgenossen meinen, er hätte eine hohe Fistelstimme gehabt, andere beschreiben ihn wiederum als einen Redner mit der Stimmkraft eines Schauspielers, der die Menschen mitreißt und begeistert", erklärt Pfarrer Jörg Herrmann.


Jedes Leben ist wertvoll

In allererster Linie sei Martin Luther ein Christ gewesen, der beim Studium der Bibel auf der Suche nach dem Sinn des Lebens gewesen sei. "Dabei kam er zu der Erkenntnis, dass Gott keine Hierarchien der Leitung und Anerkennung kennt, denn er sieht jedes Leben als wertvoll an", sagt Jörg Herrmann. Aus heutiger Sicht könne man sich das so vorstellen: "Niemand kann dein Lebenskonto in die roten Zahlen bringen oder deinen Lebenssinn verzocken, denn dein Konto ist schon im Plus, bevor du überhaupt geboren wirst."

Das Reformationsjubiläum bringt auch etwas Neues für die Kirchengemeinde: Beim Gottesdienst zum Gemeindefest wird die neue Lutherbibel in Gebrauch genommen, die die Evangelische Kirche Deutschland zum Reformationsjubiläum in Auftrag gegeben hat.

Nach dem Gottesdienst beginnt das bunte Treiben auf dem Gelände rund um Gemeindehaus und Friedenskirche. Ob bei herzhaften Köstlichkeiten wie Bratwurst und Steak oder bei Kaffee und Kuchen: Die Besucher kommen bei ihrer Kirche zusammen und lassen sich auch von einem kurzen Regenschauer nicht ins Bockshorn jagen. Für die Kinder hat der Kindergarten "Kindernest" ein spannendes Wurfspiel und einen Schokobrunnen organisiert und auch in einer Hüpfburg konnten sich die kleinen Gäste prima austoben.

Auch gab es die Möglichkeit, einen Playmobil-Luther gegen eine kleine Spende für die Sanierung der Friedenskirche zu erstehen. "Wir haben schon etwa 40 000 Euro für die Sanierung gesammelt, aber im Moment stagniert der Fortschritt", erklärt Eva Grempel, Vertrauensfrau des Kirchenvorstands. Woran das liegt, kann sich Pfarrer Jörg Herrmann erklären: "Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir noch nicht genau wissen, wie viel die Landeskirche in unser Bauvorhaben investieren möchte." Und da erst gebaut werden kann, wenn alle finanziellen Unterstützer den Umbauplan abgesegnet haben und die Sanierung auch finanziell gesichert ist, liegen auch die Projekte zur Spendensammlung größtenteils auf Eis.

Für Jörg Herrmann ist das allerdings kein Grund, um ungeduldig zu werden. "Die Landeskirche unterstützt viele Projekte, da ist das ganz normal, dass einzelne Entscheidungsprozesse länger dauern können. Wir sind nur froh, dass unser Projekt tatsächlich als ,unterstützungswürdig' eingestuft wurde", erklärt er. In der Wartezeit schauen sie sich noch danach um, wie man den Umbau noch kostengünstiger gestalten könnte. "Wir haben Kirchen besichtigt, an denen ähnliche Mängel festgestellt wurden und uns angeschaut, wie die Probleme dort gelöst wurden", erzählt er.

Für eine Umbaumaßnahme, die ihm besonders am Herzen liege, sei aber auf jeden Fall schon ausgesorgt: "Der Bau des behindertengerechten Eingangs ist auf jeden Fall schon gesichert."