Mehr als vier Millionen Leute in der Republik werden gerade langsam unruhig. So viele Motorradfahrer gibt es nämlich in Deutschland und der laue Winter lässt sie hoffen, dass der Beginn der neuen Saison nicht mehr lange auf sich warten lässt. Nicht wenige schielen auf den 1. März - den Tag, an dem ihr Saisonkennzeichen zumindest erlaubt, sich wieder aufs Moped zu schwingen. Aber ehe der Daumen auf den Anlasser darf gibt es schon noch ein bissl was zu tun. Auswintern ist angesagt. Jedenfalls für die meisten.

"Es gibt schon Fahrer, die stellen die Maschine im Herbst in die Garage und so bleibt sie stehen bis zum Frühjahr", sagt Reinhold Dippold, Chef von Dippold Motorrad in Untersiemau. Und natürlich gibt es auch einige, die das ganze Jahr fahren. Die Mehrheit aber hat der Maschine im Herbst noch etwas Gutes getan. Noch mal putzen, damit im Frühjahr nicht hart eingebrannte Insektenreste auf dem Lack pappen. "Wir empfehlen, entweder den Reifendruck zu erhöhen oder die Maschine mit extra dafür vorgesehenen Ständern aufzubocken", sagt Reinhold Dippold. Damit soll vermieden werden, dass die Reifen abgeflachte Stellen bekommen. Batterie abklemmen, Plane oder Tuch drüber - in ein paar Monaten sehen wir uns wieder. Volltanken ist nach Reinhold Dippolds Einschätzung nicht mehr so wichtig, seit viele Motorräder Kunststofftanks haben. Es ging darum, bei Metalltanks Kondenswasser im Inneren zu verhindern, das Korrosion verursachen könnte. "Wir geben zum Einwintern immer noch einen Zusatz in den Tank", sagt er. Solche Mittel soll ebenfalls verhindern, dass Kondenswasser zum Problem wird. Bei älteren Maschinen empfehlen Mechaniker oft noch einen Ölwechsel zu machen, ehe sie in die Winterpause gehen.

Das lange Stehen wird übrigens weniger zum Problem, wenn das Motorrad während der Wintermonate zur Durchsicht oder zum Frühjahrscheck gebracht wird. Wie viele Händler bietet Dippold dafür einen Hol- und Bringdienst an.

Und jetzt? Na, jetzt muss alles wieder rückgängig gemacht werden. Plane weg, runter von den Böcken, Batterie laden und wieder anklemmen und Reifendruck anpassen. Das übrigens auch, wenn der Druck im Herbst nicht erhöht wurde. Er könnte nämlich in der Standzeit geringer geworden sein. Richtiger Reifendruck ist aber ein Stück Sicherheit. Und wenn wir schon bei den Reifen sind: "Ruhig mal nach dem Profil schauen", rät Reinhold Dippold. Vielleicht hat man ja ganz vergessen, dass zum Saisonstart neue gebraucht werden.

Auswintern fürs Bike ist also nicht die größte Herausforderung. Aber was ist mit dem Fahrer. Der war zwar nicht eingewintert, aber er ist über Monate nicht gefahren und, nein, der Satz "Motorradfahren ist wie Radfahren, das verlernst du nicht" ist nicht richtig. Natürlich hat keiner alles vergessen. Aber: "Im Frühjahr haben wir immer besonders viele Unfälle", weiß Reinhold Dippold. Kalter Asphalt, kalte Reifen sind ein Problem, Autofahrer, die noch nicht wieder daran gewöhnt sind, auf Zweiradfahrer zu achten, die oft unterschätzt werden, sind ein anderes. "Es ist eigentlich zu empfehlen, ein Sicherheitstraining zu machen", sagt Reinhold Dippold. Seinen Kunden bietet er vor allem ein Kurventraining an, denn "geradeaus fahren kann jeder."

Solche Trainings gibt es von verschiedenen Verbänden oder Fahrschulen im Angebot - und so mancher hat sich schon gewundert, wie viel er nach soundsovielen Jahren Fahrpraxis dabei noch lernen konnte.

Wenn jetzt noch die Corona-Wampe in die Motorradklamotten passt, kann es echt los gehen, sobald die Wetterfrösche einigermaßen akzeptable Bedingungen verkünden. Und am besten immer getreu dem Motto, das einst bei den Motorradgottesdiensten in Hamburg ausgegeben wurde: "Fahr' nie schneller als dein Schutzengel fliegen kann."