3,67 Millionen Euro brutto: Diese Zahl nannte Architekt Veit Huber (Bamberg) am Ende seines gut 45-minütigen Vortrags am Dienstag vor dem Seßlacher Stadtrat. So viel würde es kosten, das Heilgersdorfer Schloss zu sanieren und eine neue Nutzung zu ermöglichen. Hubers Vorschlag: Im Obergeschoss einen Co-Working-Space einrichten, wo Hochschulabsolventen oder Firmengründer arbeiten können. Mit "Arbeiten in schöner Umgebung" könnten junge Talente motiviert werden, hier zu bleiben. "Wenn in drei Jahren nur einer eine Firma gründet und sich hier ansiedelt - eine bessere Wirtschaftsförderung kann es nicht geben", sagte Huber.

Beim Landesamt für Denkmalpflege wurde das Gutachten bereits vorgestellt. Dort hat es offenbar Anklang gefunden: Der Stadt wurde bereits mitgeteilt, dass 1,4 Millionen Euro denkmalpflegerischer Mehraufwand förderfähig wären, wenn es an die Sanierung geht. Aber da müssen erst Entscheidungen getroffen werden, und die waren am Dienstag nicht das Thema.

Erst mal ging es um Informationen: Nicht nur über den Zustand des Gebäudes und mögliche Nutzungen, sondern auch darum, welche Fördertöpfe sich anzapfen lassen könnten, ob der Bau in Abschnitte unterteilt werden kann (drei) und wie lange die Sanierung dauern würde (drei bis vier Jahre). Für bedeutsame Baudenkmäler gebe es Zuschüsse vom Bund, hatte Carsten Höllein (SPD) herausgefunden. Huber bestätigte das, wies aber auch darauf hin, dass dafür "Ihr Mann in Berlin richtig lästig werden" müsse.

Was die Nutzung des Schlosses angeht, hatte Huber mehrere Optionen geprüft: verkaufen, nutzen als Tagungsstätte, Hotel oder Seniorenheim. Doch er kam zu dem Schluss, dass das Schloss Eigentum der Stadt bleiben solle - nur anders genutzt. Im Erdgeschoss sollen weiterhin die Schützen (Schießbahn, Gemeinschaftsraum) ihren Platz haben sowie der Gesangverein (Probenraum). Den Mittelbau würde Huber umgestalten: Unten stellt er sich eine durchgehende Halle vor, über die man auf die Terrasse auf der Rückseite des Schlosses gelangt. Darüber hat er einen zweiten Saal eingezeichnet, der für alle möglichen Veranstaltungen dienen könnte. Im Erdgeschoss des linken Flügels wäre noch Platz für eine kleine Wohnung.

Im Obergeschoss würde Huber Büros und Besprechungsräume schaffen für ein kleines Gründerzentrum. "Seit der Corona-Krise ist es für viele attraktiv, an Orten zu arbeiten, wo es schön ist. Außerdem verbaut man sich damit nicht viel."

Schnell gebaut, nie vollendet

Das Heilgersdorfer Schloss sei als Baudenkmal bedeutsam genug, um dafür Fördermittel vom Bund zu erhalten, meint Architekt Veit Huber. Nicht obwohl, sondern weil es in der Region etliche vergleichbare Schlösser gebe: Birkenfeld, Burgpreppach, Eyrichshof, Rentweinsdorf, ... Alle eigentlich viel zu groß für die Dörfer, in denen sie stehen, aber Zeugnis für das Selbstverständnis der Reichsritter, die nur dem Kaiser unterstanden. "Sie alle haben sich damals verschuldet", sagte Huber. Schloss Heilgersdorf wurde 1717 bis etwa 1720 auf dem Platz eines ehemaligen Wasserschlosses errichtet, das ähnlich ausgesehen haben dürfte wie das etwa 30 Kilometer entfernte Schloss Brennhausen bei Sulzdorf an der Lederhecke, sagt Huber. Adam Heinrich Gottlob von Lichtenstein, damals in Lahm ansässig, plante das neue Schloss als Witwensitz für seine Mutter und ließ bei der Baugestaltung Anregungen einfließen, die er bei seiner Kavalierstour gewonnen hatte (junge Adlige reisten für einige Zeit durch Deutschland und das angrenzende Europa, bevor sie zuhause seßhaft wurden).

Wer Ritterhauptmann im Ritterkanton Baunach werden wollte, brauchte ein repräsentatives Schloss. Adam Heinrich Gottlob von Lichtenstein wurde 1746 tatsächlich Ritterhauptmann, starb aber im gleichen Jahr, und zum Renommieren konnte bestenfalls das Schloss in Lahm herhalten. Denn Heilgersdorf wurde nie vollendet.

Gebaut wurden zunächst die Außenwände, dann wurde das Dach aufgesetzt, um den Bau dicht zu haben. Innen ausgebaut wurde aber bis 1721 nur der linke Flügel. "Das Schloss stand eine Zeitlang halbfertig da", beschreibt es Huber. Auch der vorgesehene Dachausbau kam nie zustande. Die später im Obergeschoss eingebauten Wohnungen erhielten zudem niedrigere Decken, so dass sich zwischen der eigentlichen Decke und den Zimmern ungenutzter Raum befindet. Diese Umbauphase setzte in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ein, als das Haus für die Hitlerjugend genutzt werden sollte. Aber auch dieser Umbau wurde nie vollendet. In den 70er Jahren wurde das Schloss von außen renoviert.