Er hat im Wahlkampf mit dem Fahrrad für sich geworben. Er behauptet außerdem, dass er bislang einige Tausend Kilometer pro Jahr auf dem Fahrrad zurückgelegt hat. Ob Dominik Sauerteig das als Oberbürgermeister weiterhin gelingt? Für ein Gespräch übers Radfahren an und für sich war er jedenfalls sofort bereit.

Herr Sauerteig, welche Räder fahren Sie? Und was bei welcher Gelegenheit?

Mein "Rennstall" verfügt normalerweise über zwei Fahrräder. Ein Cross-Country-Mountainbike und ein Cyclocross (Cross-Rennrad). Das Mountainbike verwende ich, wenn ich Lust darauf habe, mich ambitioniert abseits befestigter Straßen zu bewegen. Das Cyclocross, wenn ich "noch" schneller radeln mag, aber auch mal kombiniert fernab befestigter Straßen.

Im Wahlkampf haben Sie - zumindest auf Plakaten - aufs Rad gesetzt: Sie waren als Alltagsradler zu sehen und im Trikot. Dazu jeweils der passende Spruch. Wie wichtig ist Ihnen das Radfahren im Alltag?

Ich benutze meine Räder zur sportlichen Betätigung und um kürzere Wegstrecken innerhalb Coburgs zurückzulegen, wenngleich ich innerstädtisch durchaus auch viel zu Fuß unterwegs bin. Der sportliche Aspekt kommt zugegebenermaßen aktuell eher zu kurz. Das soll sich aber ändern. Ein neues Cyclocross ist schon angeschafft. Der Wille ist jedenfalls nach wie vor vorhanden. Die Zeit wird sich hoffentlich auch finden.

Was bedeutete Radfahren in Ihrer Kindheit/Jugend? War es die einfachste und schnellste Möglichkeit, von A nach B zu kommen, haben Sie mal auf einem BMX-Rad Versuche gemacht, oder war Radfahren mehr notwendiges Übel?

In meiner Kindheit bin ich durchaus auch mit dem Rad zum Fußballtraining oder im Sommer in die Schule gefahren. Da war das Rad eher Mittel zum Zweck. Zum schnelleren Radfahren bin ich aber erst vor einigen Jahren gekommen.

Was gab den Anlass dazu?

Mit dem Einstieg ins Berufsleben habe ich damit angefangen, also Ende 2013. Als Ausgleich sozusagen. Und zugegebenermaßen war auch meine damalige Freundin nicht ganz unschuldig. Sie war Mountainbikerin. Das Mountainbike - ein Hardtail - ist zumindest noch vorhanden.

Fahren Sie meist allein oder in der Gruppe? Wenn ja, wie - eher sportlich oder als Ausflug in den Biergarten?

Jeweils sowohl als auch. Man kann auch beides kombinieren. Bei einer Tour nach Uetzing zum Metzgerbräu habe ich bergab mal 80 km/h erreicht. Dummerweise kam mir in diesem Moment eine Biene in den Weg. Das Gift war noch Tage später zu spüren und zu sehen. Zurückradeln musste ich trotzdem. Kein Spaß.

Was war Ihre bislang längste oder härteste Tour? Haben Sie schon mal Alpenpässe bezwungen oder sind von Coburg auf den Hauptkamm des Thüringer Walds gefahren? Haben Sie Mehrtagesfahrten gemacht?

Ganz so ambitioniert bin ich dann doch nicht. Ich zeichne aber fast alle Touren per GPS auf. Und kann die Frage daher ziemlich exakt beantworten. Die längste Tour am Stück waren knapp 80 Kilometer in drei Stunden quer durchs Coburger Land, über Rottenbach nach Seßlach. Standardtouren haben nur so um die 30 bis 40 Kilometer. Was Höhenmeter betrifft, ist das eine Spannbreite von null bis 1000 Höhenmeter pro Tour. Letzten Herbst wollte ich eigentlich mal mit dem Cyclocross und dem Oldtimerwohnmobil meiner Eltern in die Alpen. Leider kam mir ein Materialschaden am Rad dazwischen. Glücklicherweise ist mir die Gangschaltung bergauf in drei Teile gesprungen, samt blockierter Kette, und nicht bergab. Das hätte böse enden können. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Was haben Sie beim oder durchs Radfahren über sich selbst erfahren?

Der eigene Körper ist oft leistungsfähiger als man glaubt.

Könnten Sie dem Satz zustimmen: Radfahren ist auch Kopfsache? Warum? Bei welcher Gelegenheit wurde Ihnen das klar?

In der Tat: Spielt der Kopf mit, ist auch der Körper zu vielem fähig. Wenn Start- und Zielort identisch sind, wie meist auf meinen Touren, dann fühlt sich der Rückweg häufig länger als der Hinweg an. Das muss man immer bedenken. Insbesondere zu Beginn musste ich das ab und an leidvoll erfahren und bin auf der letzten Rille nach Hause gekommen.

Welche Eigenschaften braucht ein Radfahrer, die auch einem Politiker nicht schaden? Und: Wo und wie sind Radfahren und Politik vergleichbar? Und wo gar nicht?

Man muss Widerstände überwinden wollen, sowohl in der Politik als auch beim Radfahren. Und teamfähig zu sein schadet sicher auch nicht. Man kommt im Team mit gleicher Leistung nämlich deutlich weiter. Auf dem Rad und erst recht in der Politik. Das Gespräch führte Redaktionsmitglied Simone Bastian.