Coburg
Autoindustrie

Brose und Sitech arbeiten zusammen: So wollen sie den Markt dominieren

"Sitech", ein Tochterunternehmen der Volkswagen AG, will in naher Zukunft mit dem fränkischen Automobilzulieferer Brose zusammenarbeiten und den umkämpften Markt der Autositze dominieren.
In Zukunft wollen "Sitech" (Volkswagen) und "Brose" eng zusammenarbeiten. Daniel Loeb (Volkswagen AG)

Der zur Volkswagen AG gehörende Autositzhersteller Sitech will mit dem fränkischen Automobilzulieferer Brose ein Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) bilden. Volkswagen und die Brose-Gruppe sollen laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) jeweils die Hälfte der Anteile erhalten.

Die Absichtserklärung wurde am Montag (13. Juli 2020) in Coburg unterzeichnet. Die Verträge sollen zum Jahresende geschlossen und das Vorhaben durch die Kartellbehörden geprüft werden.

Zusammenarbeit könnte Befreiungsschlag für VW sein

Das Joint Venture könnte sich für die Volkswagen AG als echter Befreiungsschlag entpuppen. Die deutschen Standorte des VW-Sitzherstellers hatten 2019 große Verluste geschrieben, berichtet die Wirtschaftszeitschrift manager-magazin. Erst Anfang des Jahres habe der Vorstandsvorsitzende der "Volkswagen Konzern Komponente", Thomas Schmall, die Schließung eines Sitech-Werks in Hannover durchgesetzt.

Die Zusammenarbeit ist für beide Seiten durchaus lukrativ: VW könnte sich durch die Kooperation besseren Zugang zu Innovationen erhoffen. Für Brose führt das Joint Venture vor allem zu höheren Auftragskapazitäten und dem Nutzen der Volkswagen-Produktion von Komplettsitzen. Laut manager-magazin heißt es in Unternehmenskreisen, dass Brose und Sitech nicht nur Volkswagen sondern auch andere Autokonzerne mit Sitzen beliefern könnten.

Der Chef der Gesellschafterversammlung von Brose, Michael Stoschek, erklärte: "Ich bin zuversichtlich, dass Volkswagen und Brose eine solide Basis für das Joint-Venture erarbeiten werden, das auf dem hart umkämpften Markt für Fahrzeugsitze eine führende Position einnehmen wird." Im Zuge des autonomen Fahrens könnte die gemeinsame Entwicklung von neuer Sitztechnik wegweisend sein: "Das Interieur der Zukunft wird ein neu definierter Lebensraum sein, bei dem neben Komfort und Sicherheit die Flexibilität und Personalisierung des Innenraums im Vordergrund stehen", so VW-Komponentenchef Schmall.

Joint Venture zwischen VW und Brose: Jobgarantie bis 2029 für Arbeitnehmer

Die Vereinbarungen haben nicht nur wirtschaftliche Hintergründe, sondern sollen auch den Arbeitnehmern zugutekommen. Teil der Vereinbarungen seien laut VW-Konzernbetriebsratvizechefin  Daniela Cavallo auch eine Jobgarantie bis 2029 für alle Beschäftigten der deutschen Sitech-Standorte. Ziel sei es außerdem die Werke möglichst gut auszulasten.

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Das Tochterunternehmen wolle dennoch eng an VW angebunden bleiben. "Mit uns wird es im Falle einer Kooperation keine tariflichen Einschnitte geben", erklärte das Unternehmen gegenüber der dpa. 

Auch interessant: Von sicheren Arbeitsplätzen kann bei Brose nicht die Rede sein: Aufgrund des coronabedingten Markteinbruchs plant der Automobilzulieferer den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen.