Im Naturkundemuseum befasst sich derzeit die Sonderausstellung "Der König des Wassers kehrt zurück" mit Leben und Verbreitung des Fischotters. Die Ausstellung wirft ein recht positives Licht auf den flinken Jäger, der nach dem Dachs der zweitschwerste heimische Nager ist.

Eine andere Blickrichtung hat die Fachberatung für Fischerei des Bezirkes Oberfranken. Deren Leiter, Thomas Speierl, betonte im Gespräch mit dem CT, dass es gilt, den Spagat zu bewältigen, einerseits den Bestand der Fischotter im erforderlichen Umfang zu gewährleisten, anderseits die traditionelle kleinstrukturierte und regionale Teichwirtschaft sowie die naturnahe Fischereiwirtschaft zu schützen und zu erhalten.

Zurück in Franken

Speierl erklärte, dass der Otterbestand "massiv" zugenommen habe. War er vor einiger Zeit hauptsächlich im Bayerischen Wald nachzuweisen, findet er sich nun auch in den Landkreisen Wunsiedel, Hof, Bayreuth, Kulmbach und Lichtenfels wieder. Auch wenn derzeit keine fundierten Zahlen über die Population vorliegen, kann aus der Zunahme an Schadensanzeigen geschlossen werden, dass die Zahl der Otter gestiegen ist.

Reichten 2017 die Teichwirte eine Summe von 250 000 Euro an Schadensersatz ein, stieg dieser Betrag 2019 auf 1,1 Millionen Euro. Ausgezahlt wurden am Ende rund 800 000 Euro. Dass Entschädigungszahlungen nicht der Weisheit letzter Schluss sein können, macht Speierl deutlich.

Demnach können Teichwirte nur Entschädigung beantragen, wenn sie mehr als 5000 Quadratmeter Teichfläche bewirtschaften oder eine jährliche Fischproduktion von mehr als 750 Euro beziehungsweise 250 Kilogramm Fisch nachweisen. "Und dann werden nur zwischen 60 und 80 Prozent des entstandenen Schadens ausgezahlt", so der Amtsleiter.

Der Bund Naturschutz positioniert sich klar dafür, Teiche mittels Zäune zu schützen. Auch hier verwies Speierl auf gewisse Fallstricke.

Nach seiner Darlegung muss ein Schutzzaun 30 bis 50 Zentimeter in das Erdreich eingegraben werden, damit sich Otter nicht durchgraben, zudem muss er 2,30 Meter hoch sein und unter Strom stehen. Für einen Teich mit 400 bis 500 Metern Uferlänge rechnet Speierl mit Investitionskosten zwischen 30 000 und 35 000 Euro.

"Auch wenn die dies mit 50 Prozent gefördert wird, ist ein Zaun für die meisten der zirka 10 000 bayerischen Fischereibetriebe, die bis auf rund 200 alle Nebenerwerbstätig sind, nicht rentabel", erläuterte Thomas Speierl. In Bayern gibt es rund 50 000 Fischteiche (Oberfranken: 14 000) mit einer Durchschnittsfläche zwischen 0,5 und einem Hektar.

"Um alle Teiche ottersicher zu machen, müssten rund 500 Millionen Euro aufgewendet werden", so der Fachmann. Dass der Fischotter den Teichbetreibern große Schäden zufügt und manchen sogar zur Aufgabe gezwungen hat, ist der Biologie des Tieres geschuldet.

Der Otter nagt Fische oft nur an

Der Otter muss etwa 15 Prozent seines Körpergewichts, von sieben bis zwölf Kilogramm, täglich zu sich nehmen. Das bedeutet eine Nahrungsaufnahme von einem bis 1,8 Kilogramm.

Der Otter besitzt keine Fettschicht, was dazu führt, dass er mehrmals am Tag fressen muss. "Dies hat zur Folge, dass der Fischotter den Fisch nur anfrisst und den Rest liegen lässt.

Manchmal bedient er sich auch nur an den mineralienhaltigen Innereien", erläuterte Thomas Speierl. Das Verhalten führt zum Ergebnis, dass der Otter mehr Fische tötet, als er vom Fischgewicht her zum Überleben braucht.

Auch hat sich nach Worten von Speierl die Vermehrung des Fischotters geändert. Geht der Bund Naturschutz von zwei bis drei Jungtieren pro Muttertier im Jahr aus, stellte die Fachbehörde schon sechs Jungtiere fest.

Für Speierl muss bei der gesamten Betrachtungsweise die Bedeutung der Teiche im Landschaftshaus als Wasserspeicher, Hochwasserrückhalt, Verbesserung des Mikroklimas, Artenvielfalt in und am Gewässer in den Focus gestellt werden.

Eine herausragende Bedeutung räumte er der Karpfenwirtschaft ein. Auch sprach er sich deutlich dafür aus, Sorge zu tragen, dass der Schutz anderer ebenfalls geschützter und vom Aussterben bedrohter Arten in und an unseren Gewässern berücksichtigt wird. "Hier sind besonders die heimischen Fischkrebse und Muschelarten zu nennen", betonte Speierl.

Wie er zum Ausdruck brachte, wird von staatlicher Seite eine effektive und pragmatische Umsetzung des Fischottermanagementplans angestrebt, um einen Interessensausgleich zwischen den Zielsetzungen zu erreichen.

Monitoring ist wichtig

Speierl weiter: "Die Wirksamkeit der Managementmaßnahme für die genannten Ziele ist durch ein geeignetes Monitoring zu begleiten. Es ist dringend notwendig, eine akkurate Bewertungsgrundlage für die Einstufung des Erhaltungszustandes in Bayern zu erhalten. Ein guter Erhaltungszustand in Bayern ist für die heimische Teichwirtschaft maßgeblich, nicht der bundes- oder europaweite Erhaltungszustand". Die "Entnahme", das heißt die gezielte Tötung von männlichen Fischottern, darf nach seinem Dafürhalten daher kein Tabu mehr sein.

Abschließend zeigte er sich sicher: "Wenn die Population des Fischotters weiter wie bisher zunimmt, brauchen wir uns über den Biber nicht mehr zu unterhalten."