igentlich sollte die Dreifachsporthalle am Anger ein zweites (kurzes) Leben als Interimsspielstätte erhalten. Doch nun ist das Globe am Güterbahnhof beschlossene Sache - und es stellt sich die Frage, was am Anger passieren soll. Dort befindet sich neben der nicht mehr genutzten Sporthalle das Kongresshaus Rosengarten, das unbestritten Erneuerungsbedarf hat.
Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hatte den Stadtratsfraktionen vorgeschlagen, eine Arbeitsgruppe zum Thema Kongress- und Veranstaltungswesen einzurichten. Diese Arbeitsgruppe gab es schon, sagt Petra Schneider, Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion. "Der OB muss sie nur einberufen." Gegründet wurde die Arbeitsgruppe, nachdem ein großes Bündnis, bestehend aus den Fraktionen von SPD, CSB, Bündnis 90/Grüne und WPC sowie FDP-Stadtrat Hans-Heinrich Eidt im Dezember 2015 den Antrag gestellt hatte, die Machbarkeit und Finanzierbarkeit einer Stadthalle zu prüfen. Diese Stadthalle solle als "mehrfach nutzbare Konzert- und Kongress- beziehungsweise Veranstaltungshalle" dienen, hieß es in dem Antrag.


Neuer Standort Güterbahnhof?

Wegen der Diskussion um eine Interimsspielstätte sei das Thema zurückgestellt worden, sagt Petra Schneider. Was in dem Antrag nicht steht, aber seinerzeit sehr deutlich gesagt wurde: Dem Kongresshaus in seiner heutigen Form geben die Antragsteller keine Zukunft.
Für Petra Schneider und Gerhard Amend (CSB) liegt die Zukunft des Veranstaltungswesens am Güterbahnhof. Dort wird das Globe errichtet (ein Rundbau, der voraussichtlich ab 2020 für einige Jahre als Interimsspielstätte des Landestheaters dient), dort befindet sich mit der Alten Pakethalle schon ein Veranstaltungsort. Im nördlich davon gelegenen Schlachthof entsteht mit der "Creapolis" der Hochschule und dem ebenfalls zunächst dort angesiedelten Gründerzentrum "Zukunft.Coburg.Digital" ein weiterer Ort, der Seminar- und Tagungsräume bietet, sagt Amend. "Wozu braucht man dann noch die Tagungsräume im Kongresshaus?" Eigentlich, so Amend, fehle dann am Güterbahnhof nur ein zeitgemäßer Saal für Großveranstaltungen. Und so eine Stadthalle könne man dort auch errichten.
Jürgen Heeb (WPC), sieht allerdings mit solchen Diskussionen schon die Lösung vorweggenommen, "bevor wir das Problem identifiziert haben". Als idealer Standort für eine Stadthalle sei vor zehn Jahren noch der Anger bezeichnet worden, wegen der Innenstadtnähe, erinnert Heeb. Allerdings habe der Beschluss, das Globe am Güterbahnhof zu errichten, die Ausgangssituation verändert.
Das sagt auch Kurt Knoch, der sich - abgestimmt mit Fraktionsvorsitzenden Jürgen Oehm - namens der Fraktion von CSU und Jungen Coburgern zu Wort meldete. Es gehe nun um ein Gesamtkonzept, für das die CSU/JC-Fraktion demnächst Vorschläge vorlegen wolle. Ein Abriss des Kongresshauses indes sei schon aus Gründen der Nachhaltigkeit falsch, betont Knoch. "Dieser wäre eine unglaubliche Vermögensvernichtung und ein Hohn gegenüber allen Steuerzahlern!"
Jürgen Heeb verweist darauf, dass jetzt "fünf bis sechs Jahre" Zeit seien, um dieses geforderte Gesamtkonzept zu entwickeln. Denn in den ersten Jahren werde das Globe ohnehin als Theater dienen. Diese Zeit müsse man nutzen, um über die Zukunft des Kongresshauses und den etwaigen Bau einer Stadthalle zu entscheiden.


Betriebs-, nicht marktfähig

Dass am Kongresshaus etwas passieren muss, hatte im April 2017 dessen Leiterin Karin Schlecht im Stadtrat dargelegt. Mit einer Sanierung lasse sich das Haus betriebsfähig halten, aber nicht marktfähig, schrieb sie damals. Unter anderem sei das Haus nicht behindertengerecht, das Foyer zu klein für ein zeitgemäßes Catering, die Technik veraltet. Inzwischen steht nicht einmal mehr das Restaurant Rosengarten zur Verfügung, auch, weil die Küche umgebaut werden müsste.