Ein großes Etappenziel zur Aufrechterhaltung der hausärztlichen Betreuung in Seßlach ist erreicht. Gestern Mittag wurde das vom Regiomed-Gesundheitsverbund betriebene Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) am Marktplatz 96 offiziell eröffnet. Prof. Dr. Johannes Brachmann, Medizinischer Geschäftsführer von Regiomed, stellte mit Dr. Ingrid Löffler-Soriano eine der beiden Hausärzte vor. Mitte Mai ist die Zapfendorferin gemeinsam mit ihrem Bad Rodacher Kollegen Reinhard Faßhauer in die Räume der ehemaligen Praxis von Dr. Peter Falkenberg eingezogen. "Mit den MVZ gilt es wichtige Versorgungsstrukturen zu etablieren", sagte Prof. Brachmann. In Zeiten, in denen der Facharztmangel zunehme und viele Allgemeinärzte aus Altersgründen ihre Praxen nicht fortführen könnten, stelle sich Regiomed der Herausforderung. Die MVZ sicherten die Versorgung der Patienten auf dem Lande.


Praxis war verwaist

Es war ein Schock für die Seßlacher, als im vergangenen Jahr gleich drei Hausärzte im Stadtgebiet ihren Dienst quittierten: Seit Juli 2016 blieb die Praxis von Dr. Stefan Hänisch nach dessen Wegzug verwaist. Zum Jahresende ging dann Dr. Peter Falkenberg in Rente. Seine Kollegin in der Seßlacher Gemeinschaftspraxis, Dr. Rotraut Fels, mochte weder allein noch mit neuem Partner weitermachen. Um eine ausreichende hausärztliche Versorgung der Bürger zu gewährleisten, übernahm der Regiomed-Verbund die Praxis.

Mit Dr. Sabine Brunner-Hagazy wurde Anfang Januar 2017 zumindest eine Nachfolgerin gefunden. Allerdings konnte die Medizinerin aus Krankheitsgründen ihre Tätigkeit nicht aufnehmen, so dass Regiomed mit verschiedenen Ärzten die Versorgung aufrechterhalten musste. Nun präsentierte der Verbund die beiden Allgemeinmediziner Dr. Ingrid Löffler-Soriano und Reinhard Faßhauer als neue Ärzte für die Menschen in und um Seßlach herum.

Landrat Michael Busch (SPD), der gleichzeitig Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von Regiomed ist, betonte, dass sich der Gesundheitsverbund erfolgreich gegen den Trend des wachsenden Landärztemangels stelle, "auch wenn wir im Landkreis natürlich nicht vom Ärztemangel verschont bleiben".


Mittlerweile etabliert

Mit Genugtuung registrierte Busch, dass sich die anfangs skeptisch beäugten MVZs etablieren können. "Wenn wir in der Region die medizinische Versorgung unserer Bürger nicht sichern können, dann wird es schwierig werden, uns dem demografischen Wandel entgegenzustellen", betonte der Landrat. Zwar hätten der Landkreis, die Region und Regiomed ihre Hausaufgaben gemacht: Busch verwies erstens auf die "Medical School", deren Studenten in wenigen Jahren für den notwendigen Nachwuchs sorgen sollen, und bezeichnete deren Gründung als "großen Wurf". Zweitens nannte er das Stipendiaten-Programm, dessen erster Absolvent 2018 fertig werde. "Nichtsdestotrotz müssen wir um jeden Arzt kämpfen", hob der Landrat hervor.

"Erst wer selber krank wird und keinen Arzt mehr findet, begreift das Ausmaß des Problems", sagte Bürgermeister Martin Mittag (CSU). Der Doktor vor Ort sei nicht nur in einer Stadt mit einer so großen Fläche wie Seßlach wichtig, sondern auch für die hier ansässigen Einrichtungen, wie Altenheim und Diakoniestation. Viele Gespräche hatte der Bürgermeister mit Simone Müller und Matthias Kempf geführt. Müller ist bei der Regiomed-Zentralverwaltung für die ambulante Versorgung zuständig, Kempf hat die Bereichsleitung Recht inne. Als Ausbilder begleitete das Projekt Dr. Christian Pohlig.

Das erste halbe Jahr sei "sehr turbulent gewesen", räumte Müller ein. Ihr Dank galt zum einen Dr. Rotraud Fels, Dr. Germut Schubert und Dr. Michael Tröger, die vorübergehend die Praxis am Laufen hielten, vor allem aber dem medizinischen Fachpersonal der Praxis. Diana Dünisch, Christine Imhof, Anika Roth und Gabriele Stich hätten die Phase, in der "jeden Tag ein anderer Arzt in der Praxis seinen Dienst tat, prima mitgetragen". Mit dem Ärzte-Duo Löffler-Soriano und Faßhauer habe Regiomed nun eine gute Lösung gefunden: "Beide ergänzen sich prima", sagte Müller. Während Faßhauer die Praxis betreue, kümmere sich Löffler-Soriano um die Hausbesuche. Die neue Hausärztin zeigte sich mehr als angetan von ihrem neuen Arbeitsort: "Ich bin begeistert von Seßlach, überhaupt hat einfach alles gepasst", sagte Löffler-Soriano. "Sie finden hier alles, was Sie brauchen", bestätigte der Bürgermeister mit Blick auf die ebenfalls vorhandene Apotheke.
Gleichwohl stellt die jetzt gefundene Lösung für ihn nur ein "großes Etappenziel" dar. Mittag: "Wir sind weiterhin für jeden neuen Arzt offen."