Die 15. Regionale Museumsnacht zeigte am Samstagabend wieder einmal auf, wie vielseitig und facettenreich die Museumslandschaft in den Landkreisen Coburg, Kronach, Sonneberg und Hildburghausen ist. Insgesamt 15 Einrichtungen öffneten von 18 bis 23 Uhr ihre Pforten. Den Besuchern wurden dabei tiefe Einblicke in Geschichte, Kunst, Gewerbe und Wissenschaft geboten. Gern nahmen die Besucher auch die eigens für die Museumsnacht eingerichteten Buslinien an, die die Gäste von Seßlach bis nach Ludwigsstadt brachten. Die Museen öffneten aber nicht nur ihre Tore, sondern hatten sich oft etwas Spezielles einfallen lassen, das nicht jeden Tag präsentiert wird. So zeigte das Gerätemuseum Ahorn, dass zu einer Ausstellung weit mehr gehört, als Exponate zu präsentieren. Aus diesem Grund lud man die Besucher zu einer Exkursion nach Grub am Forst ein, wo sich ein 2000 Quadratmeter großes Außenlager befindet. Die Museumsleiterin Chris Loos und Johanna Fendel zeigten hier eindrucksvoll auf, mit welcher Akribie jedes Teil der Sammlung behandelt wird, um es nicht nur zu begutachten, zu fotografieren, in eine Datenbank aufzunehmen, sondern auch fach- und sachgerecht zu lagern.


Vom Kochtopf bis zur Kutsche

"Wir nehmen hier jedes Teil in die Hand", beschrieb Chris Loos den enormen Aufwand, der in die Sammlungsstücke investiert wird. Da es sich um Dinge des täglichen Lebens handelt, mit denen sich das Gerätemuseum beschäftigt, reicht das Spektrum vom Kochtopf bis zur Kutsche. "Gerade dieses breit gefächerte Spektrum der Sammlung macht unser Alleinstellungsmerkmal aus", betonte Chris
Loos.

Besonders die jüngeren Besucher waren im Europäischen Museum für modernes Glas eingeladen, ihre künstlerische Ader zu entdecken. Unter Anleitung von Karolin Wagner konnten die Gäste individuelle Glasperlen entstehen lassen. Dass Lehm durchaus Bezug zum Glas hat, stellte Nicola
Gottfried heraus, die Kinder und Erwachsene einlud, bei der Herstellung von Figuren aus Modelliermasse der Fantasie freien Lauf zu lassen. "Glas und Keramik sind verwandt, beide müssen durchs Feuer", meinte Nicola Gottfried zu den auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Materialien.

Im Friedensmuseum in Meeder warteten die "Annas" und der Landsknecht "Caspar Wank" auf die Besucher, um diese auch an das Wirken der großen Pazifistin Anna B. Eckstein heranzuführen, die am 14. Juni vor 150 Jahren geboren wurde. "Zu diesem Jubiläum wird am 15. Juni eine Biografie aus der Feder des ehemaligen Meederer Pfarrers Eberhard Spörl der Öffentlichkeit vorgestellt", kündigte die Vorsitzende des Vereins Friedensmuseum Meeder, Elke Bräutigam, an.

Wessen Weg mit dem Bus nach Bad Rodach führte, der wurde am Marktplatz vom Nachtwächter persönlich empfangen und sicher ins Heimatmuseum begleitet. Dort konnte man sich davon überzeugen, dass der Rückert-Kreis, der die Einrichtung betreut, in liebevoller Kleinarbeit das Museumskonzept umgesetzt hat, die Exponate mehr in den Vordergrund zu stellen. Jochen Grams zeigte sich stolz, dass man eine besondere Puppenküche mit Max-Roesler-Geschirr präsentieren konnte. "Es war Dr. Hans-Ulrich Rossée, der das Schmuckstück, mit dem seine Mutter nur nach Voranmeldung spielen durfte, dem Museum überlassen hat", ließ Grams wissen.

Zur Museumsnacht öffnete auch die Fürstenloge in der Johanniskirche ihre Türen und gab den Blick auf den "ältesten Stein" Bad Rodachs frei, einen behauenen und verzierten Würfel aus grünem Mainsandstein, der um das Jahr 1149 n. Chr. entstanden ist. Wer Lust und keine Angst vor Stiegen hatte, war eingeladen, dem Dachboden der Johanniskirche einen Besuch abzustatten und die imposante Balkenkonstruktion, die das Dach des Gotteshauses trägt, auf sich wirken zu lassen.