Es begann mit einem Buch. Antiquar Sigi Hirsch aus Coburg legte es in die Hände von Pfarrer Karl Eberhard Sperl. Es war ein Prachtband in dunkelrotem Leder. In Goldschrift glänzte der Titel "Appello Mondiale per la Pace". Ein weltweiter Friedensappell, versehen mit 9139 Unterschriften von Italienern, die diesen Appell unterstützten! Das Buch faszinierte Sperl sofort. Aber es kam noch mehr.
Die gesammelten Unterschriften wurden von einer Dame aus den USA zurück gefordert. Genauer von Miss Anna B. Eckstein aus Boston. Nahezu 10 000 Römer unterstützten das Anliegen einer Frau mit einem sehr fränkischen Namen? Dem musste Sperl nachgehen. Er tat es jahrelang. Wie er das Forschen zu einer fast vergessenen Friedensaktivistin von Weltruhm erlebte, schildert er sehr spannend in seinem Buch "Miss Eckstein und ihr Peace on Earth". Es ist vor kurzem erschienen.
Begonnen hat die Arbeit 1982. Der Name und dass der Appell mit den Unterschriften ausgerechnet in Coburg gelandet waren, ließen Sperl keine Ruhe "Es hat mich von Anfang an fasziniert, das Leben dieser Frau zu beschreiben", sagt er. Wer das Buch zur Hand nimmt, versteht ihn schnell.


Detektivarbeit

Sperl arbeitet wie ein Detektiv, sucht in Bosten nach Ecksteins, und bekommt eines Tages einen Hinweis - aus Creidlitz. Eine Dame sagte seinem Kollegen Wilfried Beyhl: "Was der Pfarrer von Meeder sucht, ist die verstorbene Tante von meinem verstorbenen Mann." So führt die Spur der geheimnisvollen "Miss Eckstein" nach Coburg. Stück für Stück deckt Sperl das Leben und Wirken einer Frau auf, die zu ihrer Zeit weltweit Beachtung fand.
1866 in Coburg geboren, hat Anna B. Eckstein nicht den optimalen Start, um als Frau in ihrer Zeit etwas zu bewegen. Sie besucht die Lutherschule und wird 1882 in St. Moriz konfirmiert. Dann, 1884 wandert sie aus, reist zu Verwandten nach Brooklyn, wird Kindermädchen, später Lehrerin und Gesellschafterin, wechselt 1894 nach Boston und trifft Martha Griffith Browne, die Sklavenbefreierin. Sie beginnt, sich an Aktionen von Friedensaktivisten zu beteiligen. 1899 besucht sie die erste Haager Friedenskonferenz und schreibt in ihr Tagebuch: Der schönste Tag meines Lebens."


Eine Aktivistin erwächst

Immer stärker wird das Engagement Annas für den Frieden. 1908 startet sie schließlich ihre Kampagne für eine Weltpetition. Ihr Ziel: 300 Millionen Unterschriften weltweit sollen belegen, dass die Menschheit keinen Krieg will. "Das dürfte sie ziemlich erreicht haben", sagt Henning Schuster vom Vorstand des Vereins Friedensmuseum, der das Buch Sperls herausgegeben hat. Er ist fasziniert von Sperls Arbeit und immer neuen Informationen, die bis heute gefunden werden. "Wir haben von einem Mann aus Holland jetzt die Info, dass Anna B. Eckstein für den Friedensnobelpreis nominiert war", sagt er.
Wie es Anna während zweier Weltkriege ging, wie ihre Verwandten in der Nazizeit ihr gegenüber standen und wie ihr Leben schließlich endete, wo es begann, in Coburg, schildert das Buch von Pfarrer im Ruhestand Karl Eberhard Sperl auf sehr eindrucksvolle Weise.

Infos zum aktuellen Umgang mit dem Thema Frieden in Coburg finden Sie hier.