Technisch gesehen sind Instrumente einfach die Arbeitsmittel für Musikerinnen und Musiker. Doch die Beziehung zwischen den Musizierenden und ihren jeweiligen Instrumenten ist viel komplexer - eine intensive Wechselbeziehung, die zum künstlerischen Klang wird. In der Serie "Mein Instrument und ich" stellen wir Instrumentalisten des Philharmonischen Orchesters Landestheater Coburg vor - heute Annemarie Birckner und ihre Bratsche.

Seit wann musizieren Sie auf diesem Instrument?

Annemarie Birckner: Seit etwa sieben Jahren spiele ich auf meiner Bratsche, davor hatte ich ein anderes Instrument.

Was oder wer hat Sie bei Ihrer Instrumentenwahl beeinflusst?

Meine Eltern haben mir zu meinem 6. Geburtstag ein Geige geschenkt, ab da bekam ich regelmäßig Unterricht. Die Entscheidung auf die Bratsche umzusteigen habe ich erst kurz vor dem Studium getroffen. Ich durfte spontan die Bratsche eines Freundes ausprobieren, war sofort begeistert und wollte seitdem kein anderes Instrument mehr spielen.

Wo haben Sie dieses Instrument gekauft?

In Berlin, bei dem Bratschenbauer Jörg Kühne.

Welches Stück haben Sie zuerst auf diesem Instrument gespielt?

Die Bratschensonate von Rebecca Clarke...das ist bis heute eines meiner Lieblingswerke!

Wie pflegen Sie Ihr Instrument?

Ich poliere regelmäßig das Holz mit einer Tinktur und reinige die Saiten.

Welche Macken hat dieses Instrument eventuell?

Es ist sehr wetterfühlig! Ähnlich wie auch einige Menschen muss sich meine Bratsche an stärkere Temperaturwechsel erst einmal gewöhnen, ist dann mühsamer zu spielen und kann tatsächlich auch mal etwas heiser Klingen.

Was lässt sich besonders gut musizieren?

Warme, volle und etwas dunkel eingefärbte Klänge, Melodien und Begleitungen.

Was ist besonders heikel darauf zu spielen?

Bei den hohen Tönen hat es die Bratsche oft schwerer und kann dort schnell etwas schrill klingen...die überlässt sie meistens lieber der Geige!

Was ist die weiteste Reise, die Ihr Instrument bisher unternommen hat?

Eine Konzertreise nach Chile, gemeinsam mit einem Jugendorchester.

Wie stellen Sie sich den Anforderungen des Instrumentes auf Dauer?

Regelmäßiges Üben um auf der Bratsche fit zu bleiben, Yoga als körperlichen Ausgleich und ganz wichtig: möglichst immer locker bleiben!

Gibt es ein bestimmtes Werk, das Sie zu Ihrem Instrument geführt hat?

Nein, die Werke habe ich erst später nach meinem Wechsel auf die Bratsche für mich entdeckt. Es war dieser unverwechselbar warme, weiche und tiefe Klang des Instrumentes, in den ich mich damals sofort verliebt habe.

Welche Materialien sind in Ihrem Instrument verarbeitet?

Meine Bratsche wurde hauptsächlich aus verschieden Hölzern, unter anderen Fichten-,Ahorn- und Ebenholz gefertigt. Die Saiten sind aus Stahl.

Wer ist Ihr Vorbild auf dem Instrument?

Den Bratschist Antoine Tamestit bewundere ihr sehr. Und meinen ehemaligen Professor Erich Krüger - er hat mich immer wieder mit seiner grenzenlosen Begeisterung für die Musik motiviert und inspiriert.

Die Fragen stellten Jochen Berger sowie Musikerinnen und Musiker des Philharmonischen Orchesters.

Serie "Mein Instrument und ich"

Annemarie Birckner wurde in Jena geboren. Im Alter von sechs Jahren begann sie mit dem Violinspiel, das sie auf dem Musikgymnasium Schloss Belvedere Weimar vertiefte. Dort entschied sie sich, auf die Bratsche umzusteigen und begann nach ihrem Abitur im Jahr 2010 ein Studium dieses Instrumentes an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar bei Erich Krüger und Ditte Leser. Erste professionelle Orchestererfahrungen sammelte sie als Akademistin in der Staatskapelle Weimar (2015 bis 2017) Seit 2017 ist sie als Bratschistin am Landestheater Coburg fest engagiert.

Konzert-Tipp 24. Oktober, 11 Uhr, Landestheater - Kammerkonzert, "Beethoven meets Prokofjew"

Sergej Prokofjew: Quintett g-Moll, Ludwig van Beethoven: Septett Es-Dur. - Mitwirkende: Martin Emmerich (Violine), Annemarie Birckner (Viola), Woongwhee Moon (Violoncello), Christian Ernst (Kontrabass), Philipp Grzondziel (Klarinette), Nils Peters (Fagott), Jonathan Baur (Horn),Bernhard Forster (Oboe)

Tickets an der Theaterkasse telefonisch unter 09561/898989 (Mail: theaterkasse@landestheater.coburg.de).