In wohl kein anderes Geschäft gehen die Menschen mit so vielen Hoffnungen hinein, wie in eine Lotto-Annahmestelle. Das war auch bei Anita Moser in ihrem Geschäft an der Coburger Post nicht anders. Aus Altersgründen hat sie ihren Laden nun dennoch geschlossen: "Nach so vielen Jahren bin ich eigentlich ganz froh. Aber es tut mir schon leid, dass ich die Kundschaft nicht mehr so häufig sehe. Manche kamen schon in der dritten Generation, die kannte ich schon als Kinder."

Stichwort Generation: Das Geschäft mit dem Glück ist in Anita Mosers Familie tief verwurzelt: Schon ihr Vater war Leiter einer Lotto-Bezirksstelle. Die Verbindung geht sogar noch weiter zurück: "Mein Großvater hatte eine Reichslotterie."


Leben von der Lotterie

1996 zog Anita Moser mit ihrem Laden, der zuvor bereits 20 Jahre im Steinweg untergebracht war, an den heutigen Standort um. Im Gegensatz zu vielen anderen Annahmestellen, wie in Tankstellen oder Tabakläden, hat sie sich immer auf den Verkauf der Lotterie-Angebote konzentriert: "Wir hatten die Lizenz für die staatliche Lotterie und die Klassenlotterie. Das hat immer ausgereicht."

Teil des Alltags ist die Beratung der Kunden. Dafür gebe es immer wieder Schulungen, sagt Anita Moser. Doch damit ist es nicht getan: "Da hängt noch mehr dran. Der Beruf setzt schon ein bisschen kaufmännische Fähigkeiten voraus."

Der Dauerbrenner sei über all die Jahre das klassische Lotto gewesen. "Als es in letzter Zeit so viel zu gewinnen gab, war es natürlich der Euro-Jackpot", sagt Anita Moser. Der eine oder andere höhere Gewinn für einen Kunden war in der langen Zeit auch dabei: "In der Regel kriegen wir das aber nicht mit. Bei allem, was 2500 Euro übersteigt, wird uns nur ,Zentralgewinn' angezeigt. Das kann aber alles sein." Da müsse sich ein Kunde schon verplappern - oder den Gewinn erst im Laden bemerken: "Wir hatten mal eine ältere Dame, die einen Zentralgewinn hatte. Sie wollte wissen, wie viel sie gewonnen hat. Wir haben es uns dann zusammen angeschaut." 77 000 Euro! "Sie war so perplex, dass sie die Formulare nicht ausfüllen konnte."


Überfall mit Revolver

In ihrem letzten Geschäftsjahr musste Anita Moser aber auch einen Horrormoment überstehen: "Im Januar hatten wir nach all den Jahren den ersten bewaffneten Überfall." Der ist glimpflich abgelaufen: "Ich habe als coole Socke reagiert. Der hat so mit dem Revolver herumgefuchtelt - ich dachte, das macht man nicht mit einer echten Waffe." Von den Forderungen des Mannes ließ sie sich nicht aus der Ruhe bringen: "Ich habe gesagt: ,Ich hole jetzt die Polizei' und bin rückwärts zum Telefon gelaufen. Dann ist er weg." Gefasst werden konnte er nicht. "Ich weiß nicht, ob er dachte, dass ich die Millionen hier im Laden habe", sagt sie und lacht. Tatsächlich waren selbst die Tageseinnahmen kurz vorher zur Bank gebracht worden: "Nur das Wechselgeld war noch da." So ganz kalt hat sie der Vorfall aber doch nicht gelassen: "Hinterher hatte ich schon das Flattern. Das hätte es kurz vor dem Ende nicht mehr gebraucht."


"Teilzeit-Rente"

Ganz zu Ende ist es aber noch nicht: Die Lotto-Lizenz wandert zum Handy-Laden von Holger Kraut in der Mohrenstraße/Ecke Gräfsblock, wo Moser drei Vormittage in der Woche weiter beraten wird. Wie sie sagt, in "Teilzeit-Rente".