Lange hatte das Orchester der Gesellschaft der Musikfreunde auf diesen Moment warten müssen - darauf, endlich wieder in Neustadt auftreten zu können. Wie aber würde das Orchester nach zwei Jahren Corona-Zwangspause klingen - zumal mit einem neuen musikalischen Leiter am Dirigentenpult? Beim Sinfoniekonzert in der nach aktuellem Stand ausverkauften Mehrzweckhalle Heubischer Straße erlebte das Publikum einen rundum gelungenen Neustart in Neustadt.

Mozart im Zentrum

Klassisch-romantisch das Programm, in dessen Zentrum eines der schönsten Instrumentalwerke von Mozart stand - die Sinfonia concertante Es-Dur für Violine, Viola und Orchester, die eigentlich schon vor genau zwei Jahren an gleicher Stelle hätte erklingen sollen. Doch das für den 21. März 2020 geplante Konzerte war damals nach dem Ausbruch der Pandemie abgesagt worden. Als wollte man die Zeit zwei Jahre zurückdrehen, waren die gleichen Solistinnen wie 2020 verpflichtet worden - die Geigerin Gertrud Schilde und die Bratschistin Monika Henschel.

Solisten-Duo beeindruckt

Beide beeindruckten das Publikum mit ihrem bestens harmonierenden Zusammenspiel, ihrer warmen Tongebung und technischen Souveränität. Beeindruckend aber auch, wie aufmerksam das Orchester der Musikfreunde begleitete. Und beeindruckend vor allem, wie konzentriert das Orchester nach langer Pause musizierte, wie aufmerksam es bestrebt war, die gestalterischen Impulse des neuen Dirigenten Manuel Grund umzusetzen. Grund war vor wenigen Wochen offiziell zum Nachfolger seines langjährigen Vorgängers Hans Stählis berufen worden, der im November 2021 verstorben war. Mit dem Konzert am Samstag stellte sich Grund erstmals dem Publikum in Neustadt als künstlerisches Leiter vor.

Anspruchsvolles Programm

Als musikalischer Botschafter der Puppenstadt hatte sich das Orchester weit über Neustadt hinaus Anerkennung erworben. Mit dem Auftritt am Samstag demonstrierte das Orchester, dass es diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht werden will. Schließlich bot das Programm durchweg anspruchsvolle Werke - von Mendelssohns Ouvertüre "Die Hebriden" bis zu Schuberts populärer h-Moll-Sinfonie und abschließend zu Griegs 1. "Peer Gynt"-Suite. In den beiden Konzertstunden erlebte das Publikum, dass Orchester und Dirigent am Beginn einer Zusammenarbeit mit vielversprechenden und klangvollen Perspektiven stehen.

Elgar als Zugabe

Begeisterter Beifall am Ende als unüberhörbares Signal: der Re-Start des Konzertlebens in Neustadt ist gelungen. Als passende Zugabe für den Heimweg: Edward Elgars "Chanson de Nuit".

Rund um die Gesellschaft der Musikfreunde Neustadt

Geschichte Die Gesellschaft der Musikfreunde Neustadt wurde 1925 gegründet. Nach dem schwierigen Wiederbeginn nach Kriegsende begann 1952 die Ära von Rudolf Potyra als Chefdirigent des Orchesters. Bis in die 50er Jahre waren die Musikfreunde ein Orchester aus Neustadtern und für Neustadter. Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze 1989 fanden auch Musikliebhaber aus Sonneberg den Weg in das Orchester. Nachfolger Potyras als Leiter wurde Rolf Otto. Seit April 2013 war Hans Stähli, langjähriger ehemaliger Erster Kapellmeister des Landestheaters, Chefdirigent des Orchesters und profilierte den Klangkörper durch entdeckungsfreudige Programme. Nach Stählis Tod Anfang November 2021 wurde Manuel P. Grund Mitte Februar offiziell zum neuen Dirigenten berufen.

Manuel P. Grund, 1988 in St. Ingbert geboren, studierte Schlagzeug und Dirigieren an der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg sowie Instrumentalpädagogik Schlagwerk, Orchesterdirigieren und Chorleitung an der Hochschule für Musik und Theater Rostock sowie an der Musikhochschule Mannheim. An der Musikhochschule Saarbrücken absolvierte er das Masterstudium Musikpädagogik. Zudem absolvierte er zahlreiche Meisterkurse und Workshops in Schlagwerk, Chor- und Orchesterleitung. Gastverträge führten Manuel Grund an nationale und internationale Opernhäuser, Sinfonieorchester und Festivals. Als Gastdirigent leitete er national und international diverse Chöre und Orchester. Seit September 2021 ist Manuel Grund stellvertretender Leiter der Berufsfachschule für Musik Oberfranken.

red

Alt und Jung, Profis und Laien

Das Orchester der Gesellschaft der Musikfreunde Neustadt ist ein besonderes Orchester. Bemerkenswert groß ist das Einzugsgebiet des von der Besetzung her fränkisch-thüringischen Klangkörpers. Dieses Einzugsgebiet reicht weit über Neustadt hinaus. "Wir haben Mitspieler aus Kronach, Lichtenfels, Sonneberg, Burgkunstadt, Bamberg", sagt Musikfreunde-Vorsitzender Bernd Frittrang.

Aber auch über die geografische Zusammensetzung hinaus ist dieses Orchester bunt. In ihm Musizieren Profis neben versierten Laien und Semi-Profis, Alt neben Jung, ehemalige Profis wie der einstige Solohornist des Landestheaters Sveer Horling neben Schülern der Berufsfachschule für Musik aus Kronach. Mit Blick in die Zukunft kann gerade die Kooperation mit der Kronacher Berufsfachschule optimistisch stimmen. Immerhin ist Manuel Grund, der neue Dirigent der Musikfreunde Neustadt, seit Herbst auch stellvertretender Leiter der Berufsfachschule. Einige junge Musizierende waren jedenfalls schon bei Grunds Antrittskonzert in Neustadt zu erleben - beispielsweise an der Oboe, aber auch am Schlagwerk.jb