Die Coburger Geschäftsstelle des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz macht auf Wasserschildkröten als "fremde Art" in Franken aufmerksam: "Es handelt sich dabei um exotische Haustiere, die ausgesetzt wurden" und "die nicht in unsere Natur gehören". Die Tiere seien bereits an unterschiedlichsten Gewässern entdeckt worden, darunter am Goldbergsee, am Froschgrundsee, an der Tongrube in Dörfles-Esbach, an der Rodach sowie an diversen kleinen Fischteichen im gesamten Landkreis, heißt es in einer Pressemitteilung.
"Dokumentiert sind bislang 16 Wasserschildkröten: drei Rotwangen-Schmuckschildkröten, drei Landkarten-Höckerschildkröten, zwei Hieroglyphen-Schmuckschildkröten, zwei Gelbwangen-Schmuckschildkröten, eine Westliche Zierschildkröte und drei Schildkröten, die man aufgrund der Beobachtungsdistanz nicht bestimmen konnte. Zwei Europäische Sumpfschildkröten wurden ebenfalls gesehen", teilt das LBV-Team weiter mit. Für großes Aufsehen sorgen derzeit auch vom Aussterben bedrohte Fischadler, die in einem fränkischen Strommast nisten.
Wasserschildkröten im Landkreis Coburg - mögliche negative Folgen
Häufig werde der benötigte Platzbedarf von ausgewachsenen Wasserschildkröten bei der Anschaffung von Jungtieren unterschätzt, geht aus der Mitteilung hervor. Wenn den Haltern die Tiere zu groß werden oder der Aufwand zu hoch wird, landen die Wasserschildkröten nach Einschätzung der Experten immer wieder in Teichen, Seen oder öffentlichen Parkgewässern. "Manche Menschen glauben, sie würden der Schildkröte damit etwas Gutes tun und sie aus der 'Enge' des Aquariums befreien", berichten die Naturschützer.
Tatsächlich beginne damit für die Tiere aber ein schwieriger Überlebenskampf, da sie nicht an die Bedingungen der heimischen Gewässer angepasst seien. Besonders die kalten Jahreszeiten würden den Schildkröten zusetzen, was häufig zu schweren Gesundheitsschäden oder zum Tod führe. Bis auf eventuell die Europäische Sumpfschildkröte seien alle gefundenen Schildkrötenarten eingeschleppt worden. "Welche Auswirkungen ausgesetzte Wasserschildkröten auf unsere heimischen Ökosysteme haben, ist bislang nicht untersucht worden. Mögliche negative Auswirkungen wären die Konkurrenz mit heimischen Arten um Nahrung und Sonnenplätze, die Verdrängung aus Teilen ihrer ökologischen Nische sowie das Fressen anderer Tier- und Pflanzenarten", informiert der LBV.
Auch Krankheitserreger und Parasiten könnten sie einschleppen. Bisher gebe es jedoch keine Hinweise darauf, dass sich ausgesetzte Schildkröten im Coburger Land vermehren, erklärt das Team des LBV weiter. Meist seien nur einzelne Tiere beobachtet worden. "Durch die milder werdenden Temperaturen der vergangenen Jahre könnten sich in Deutschland aber die Bedingungen für manche Schildkrötenarten künftig verbessern. Ob daraus stabile Populationen entstehen, bleibt abzuwarten", heißt es abschließend vom LBV-Team.
Der Verein bietet am 11. September einen Ausflug ins Steinachtal zum Thema eingeschleppte Arten in Feuchtgebieten an. Am 22. September gibt Björn Langbein von der Unteren Naturschutzbehörde einen "Überblick über neue und alte Bekannte im Wald". Weitere Informationen gibt es auf coburg.lbv.de.
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