Wie geht es weiter am Landestheater nach dem Abschied von Intendant Bernhard F. Loges im Sommer 2023? Diese Frage hat spätestens seit Juli und der Entscheidung, den Intendanten-Vertrag nach dann fünf Jahren nicht zu verlängern, die Mitarbeiter des Landestheaters ebenso beschäftigt wie viele Theaterfans in der Region.

Nun ist die Entscheidung im Verwaltungsausschuss des Landestheaters gefallen - die Entscheidung, die Intendanz durch ein Direktorenmodell zu ersetzen (Tageblatt vom 21. Oktober). Doch das - dem Vernehmen nach - mit klarer Mehrheit gefasste Votum wirft zwangsläufig viele Fragen auf. Der Beschluss, den bisherigen Spartendirektoren samt Generalmusikdirektor gemeinsam die künstlerische Verantwortung zu übertragen, führt natürlich auch zu der Frage, wer denn am Ende die Entscheidung treffen darf, wenn sich die Direktoren mal nicht einig sein sollten. Klar ist schließlich nur: Fritz Frömming, der als Kaufmännischer Direktor dem Direktorenmodell angehört, ist nur für finanzielle, nicht aber für künstlerische Belange zuständig.

Allen offenen Fragen zum Trotz: Frömming gibt sich nach der Entscheidung des Verwaltungsausschusses betont optimistisch: "Wir sind alle daran interessiert, dass das Theater nach der Corona-Krise wieder gut am Start ist." Konflikte zwischen Noch-Intendant Loges und den Spartendirektoren Matthias Straub (Schauspiel) und Mark McClain (Ballett) sowie Generalmusikdirektor Daniel Carter, die ab 2023 zur Nachfolger-Crew gehören, befürchtet Frömming in den verbleibenden knapp zwei Jahren nicht. Für die Zukunft unter der Verantwortung des Direktorengremiums sieht sich Frömming gut gerüstet: "Das ist lösbar, die Geschäftsordnung lässt sich anpassen." Frömming ist sich aber im Klaren darüber, dass die Situation nicht vergleichbar sind wird mit der erfolgreichen Interimszeit des Direktorengremiums in der Spielzeit 2017/2018 nach dem Abschied von Intendant Bodo Busse Richtung Staatstheater Saarbrücken.

Denn damals habe die Riege der Direktoren einen vollständig ausgearbeiteten Spielplan lediglich umsetzen müssen. Diesmal aber müsse die Direktorenriege jedoch Spielpläne ganz eigenständig erstellen. Gesucht werden muss zudem ein Verantwortlicher für die Leitung des Musiktheaters neben GMD Daniel Carter. Nach den Spekulationen der letzten Monate ist Frömming klar, dass die künftigen Entscheidungen des Direktorengremiums den Mitarbeitern gegenüber "transparent vermittelt werden müssen."

Durchaus ein gewichtiges Argument beim Votum für das Direktorenmodell war der Faktor Zeit. Eine Neuausschreibung der Intendantenstelle hätte reichlich Zeit gekostet - auch mit Blick darauf, dass das Jahr 2022 für das Landestheater ein sehr herausforderndes Jahr werden wird. Schließlich müsse das Landestheater 2022 nicht nur die aktuelle Spielzeit "vernünftig zu Ende bringen", sondern anschließend auch den Umzug ins Globe bewältigen.