Entschlossen schreitet das Führungs-Sextett des Landestheaters Coburg über den Schlossplatz. Fast sieht es schon so aus, als wollte das von Intendant Bernhard F. Loges und Kaufmännischem Direktor Fritz Frömming angeführte Team vom sanierungsbedürftigen Großen Haus direkt Richtung Globe aufbrechen.

Dieses Foto, das ein wenig an eine augenzwinkernd zitierte Western-Szene denken lässt, schmückt die vorsichtig Spielzeitmagazin genannte Vorschau auf die vorerst letzte Saison im Haus am Schlossplatz. Denn diese Saison 2021/2022 markiert zugleich den vorübergehenden Abschied vom historischen Standort gegenüber den Ehrenburg Richtung Übergangsspielstätte namens Globe auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs.

"Fast normal"

Auf der Freilichtbühne vor dem Herzog-Alfred-Brunnen stellten Loges und Frömming sowie die Schauspiel- und Ballettdirektoren Matthias Straub und Mark McClain sowie Generalmusikdirektor Daniel Carter den Spielplan für die dann bereits vierte Spielzeit des Intendanten vor. Ein bisschen Wehmut konstatierte dabei Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig mit Blick auf den anstehenden Auszug aus dem Landestheater zum Herbst 2022 - "weil man nie weiß, wann es wieder zurück geht ins renovierte Haus."

Das vorgestellte Programm umfasste freilich nur die ersten drei Monate dieser Spielzeit. Denn nach den wechselvollen Erfahrungen von mehr als einem Jahr Corona-Krise ist dem Leitungs-Team klar, dass Planung und Wirklichkeit nicht immer zur Deckung zu bringen sind. "Wir haben ein gutes Jahr gewartet. Dass es so lange dauern würde, haben wir nicht gedacht, allenfalls insgeheim befürchtet", sagte Intendant Loges.

Bewusst beziehungsvoll gewählt scheint deshalb schon der Titel der Eröffnungs-Premiere am 2. Oktober: "Next to normal" (Fast normal). Das Musical von Tim Kitt nach einem Text von Brian Yorkey will einen entlarvenden Blick auf die Welt bieten , indem es die Geschichte einer psychisch kranken Vorstadtmutter erzählt.

Bereits einen Tag später soll die Bühnen-Premiere der Mozart-Oper "Cosi fan tutte" folgen, die allerdings als Video-Aufzeichnung noch in der laufenden Saison online gezeigt werden soll. "Die Musik Mozarts ist ganz großartig", sagte dazu Musikdramaturgin Dorthee Harpain. Auch Shakespeare "Hamlet" soll nach der erfolgreichen Video-Premiere Anfang Mai im Oktober ebenfalls live auf der Bühne zu erleben sein.

Überall finden sich im Spielzeitmagazin Hinweise auf die noch immer geltenden Corona-Beschränkungen. Deshalb plant das Musiktheater bewusst auch mit Werken, die sich in kleiner oder reduzierter Besetzung realisieren lassen, wie Generalmusikdirektor Daniel Carter betont. Aktuell bedeutet das: Im Orchestergraben dürfen derzeit maximal 17 Musizierende Platz nehmen, auf der Bühne maximal 28.

Zum Premieren-Feuerwerk, das das Landestheater im Oktober und November plant, zählen auch Produktionen, für die bereits in der laufenden Spielzeit geprobt wurde, die jedoch wegen des mehrfach verlängerten Lockdowns noch nicht auf der Bühne gezeigt werden konnten. Dazu gehört die Strauß-Operette "Wiener Blut" ebenso wie das bereits für diese Saison geplante Weihnachtsmärchen "Der kleine Lord". Eine Reihe von Wiederaufnahmen erfolgreicher Stücke vergangener Spielzeiten rundet das geplante Programm ab - freilich immer mit dem Vorbehalt möglicher Änderungen im Zuge der Corona-Pandemie. Dazu zählt auch der packende Ballettabend "Social Dis-Dancing", der als letzte Live-Premiere Ende Oktober 2020 zu erleben war.

"Orchester des Wandels"

Nicht zuletzt aber soll die Musik ab Herbst wieder eine gewichtige Rolle spielen im Landestheater. Im Zentrum stehen Sinfoniekonzerte. Den Auftakt der Saison bildet ein Konzert am 10. Oktober, bei dem das Philharmonische Orchester als Mitglied des Vereins "Orchester des Wandels" im Namen von Klima- und Umweltschutz musizieren wird. "Unsere Programm sind Corona-tauglich konzipiert", versichert Generalmusikdirektor Daniel Carter.

Was das Landestheater 2021/2022 plant

Premieren Großes Haus

2. Oktober "Next to normal" (fast normal) - Musical von Brian Yorkey, Tom Kitt

3. Oktober "Cosi fan tutte" - Oper von Wolfgang Amadeus Mozart

17. Oktober "Die spanische Stunde"/"Das Kind und der Zauberspuk" - Maurice Ravel

23. Oktober "Hamlet" - William Shakespeare

13. November "Der kleine Lord" - Ulrika Schanko

28. November "Wiener Blut" - Johann Strauß

Premieren Reithalle

1. Oktober "Germania"

8. Oktober "Giraffen können nicht tanzen" - Ballett von Takashi Yamamoto

8. Oktober Exit Österreich - Kabarettabend nach Texten von Helmut Qualtinger

15. Oktober "IchglaubeaneineneinzigenGott.Hass - Stefano Massini

21. Oktober "Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute" - Schauspiel von Jens Raschke

Wiederaufnahmen

30. Oktober "Das Abschiedsdinner" - Schauspiel von Matthieu Delaporte & Alexandre de La Patellière

30. Oktober "Globe Songs" - von Matthias Straub & Rudolf Hild

7. November "Social Dis-Dancing" - Ballettabend von Mark McClain, Tara Yipp und Wubkje Kundersma

2. Dezember "Extrawurst" - Schauspiel von Dietmar Jacobs & Moritz Netenjakob

3. Dezember "Der Nussknacker" - Ballett von Peter Tschaikowsky

Konzerte

10.,11. Oktober "Rückblicke und Ausblicke" - Leitung: Daniel Carter

31.Oktober, 1. November "All'Italiana" - Leitung Daniel Carter

20., 22. November "Antike" - Leitung: Yura Yang

6. November Mitmachkonzert - Leitung Wolfgang Lischke

18. Dezember Chorkonzert "Der Messias" - Leitung Mikko Sidoroff

Hinzu kommen Kammerkonzerte im Großen Haus (24. Oktober) sowie im Rathaussaal (14. November, 5. Dezember)