Nachmittags länger in der Schule bleiben - da verdreht so mancher Schüler genervt die Augen. Den Schülern des Arnold-Gymnasiums dürfte es allerdings anders gehen: Seit zehn Jahren gibt es dort die offene Ganztagsschule, in der die Schüler nicht nur Hilfe bei den Hausaufgaben bekommen, sondern auch an spannenden Projekten teilnehmen können. Und auch um den runden Geburtstag des Angebots gebührend zu feiern, haben sich Schulleitung, das Team der ejott und Anne Naumann, die Leiterin des Projekts, besondere Aktionen einfallen lassen.

Über der Mensa wird geknobelt: In der Tüftlerwerkstatt dürfen verschiedenste Baukästen ausprobiert werden. Dabei werden unter anderem funkelnde Kristalle gezüchtet, urzeitliche Flusskrebse aufgezogen oder Pflänzchen gesät. Der zwölfjährige Andreas ist bei den Aktionen mit Feuereifer dabei. "Alle Projekte machen mir unheimlich viel Spaß", erzählt er. Am meisten habe ihn jedoch das Kristallezüchten überzeugt. "Und auch die Murmelbahn benutze ich gerne", erklärt er.


Kim bastelt gerne

Einen Raum weiter sitzt die 13-jährige Kim. Sie ist gerade damit fertig geworden, ein Döschen Badesalz in Türkis und Pink einzufärben. "Das sind meine Lieblingsfarben", erklärt sie. Ihr gefalle es, dass sie bei der offenen Ganztagsschule öfter mal basteln dürfe. "Aber am meisten mag ich es, dass ich mit meinen Freunden zusammen bin und mit ihnen zusammen tolle Sachen erlebe", erzählt sie.

"Neben diesen Aktionen möchten wir die Schüler aber auch ermutigen, wieder mehr Brettspiele zu spielen", sagt Anne Naumann. Deshalb gebe es jetzt auch Spielepässe für die Schüler. "Nach jedem gemeinsam gespielten Gesellschaftsspiel gibt es einen Stempel in den Pass - ist der Pass voll, bekommt der Schüler eine kleine Belohnung", erklärt sie.


Draußen geht es sportlich zu

Während drinnen getüftelt, gefärbt und gespielt wird, wird es draußen sportlich: Beim neuen Spiel "Spikeball" stehen die Schüler im Kreis um ein auf dem Boden stehendes Netz herum und passen sich den Ball zu - jedes dritte Mal muss der Ball allerdings auch vom Netz abprallen. Und auch auf dem Fußballfeld ist Action angesagt. Alessandro Schaller und Emilio Bayer stehen als Mentoren mit den Schülern auf dem Platz. Beide helfen seit einem Jahr ehrenamtlich dabei mit, die Schüler zu betreuen. "Ich wollte mitmachen, weil ich es schön finde, Kindern zu helfen", erklärt Alessandro Schaller. Ihm gefalle es besonders, dass er selbst aktiv werden könne. "Und wenn die Kinder dann auch mitmachen, dann macht es besonders viel Spaß", erzählt er. Für Emilio Bayer ist es das Beste, nach der Hausaufgabenzeit mit den Schülern Fußball spielen zu können: "Ich gebe mein Wissen gerne weiter und es gefällt mir, junge Schüler in den ersten Jahren ihrer Schullaufbahn zu begleiten." Auch Samuel Schmidt arbeitet als Mentor ehrenamtlich mit. Seit drei Jahren gehört er zum Team. "Es macht mir Spaß, mit Kindern zu arbeiten und ihnen bei Problemen unter die Arme zu greifen", erklärt er. Früher habe sei er auch als Teilnehmer dabei gewesen. An diese Zeit habe er durchweg positive Erinnerungen: "Meine Betreuer waren offen und aufgeschlossen, bei Problemen waren sie immer für mich da und haben mich respektvoll behandelt."


Auch für das G9 wichtig

"Wir sind wirklich sehr glücklich mit unserer offenen Ganztagsschule", betont Schulleiterin Ursula Kick-Bernklau. "Die Kinder kommen gerne und die Zusammenarbeit klappt super", lobt sie. Das Angebot sei zwar ursprünglich für das G8 ins Leben gerufen worden, sei für das neue G9 aber mindestens genauso wichtig: "Die fünften Klassen haben keinen Nachmittagsunterricht, die sechsten und siebten Klassen jeweils nur eine Stunde - da brauchen berufstätige Eltern ein zusätzliches Angebot zur Betreuung der Kinder."