Die Geschichten haben immer etwas mit dem Autor zu tun. Natürlich fließen persönliche Erfahrungen und Erlebnisse mit ein. Nicole Eick bestreitet das nicht - auch, wenn sie ihrer Fantasie freien Lauf lässt, neue Figuren erschafft und auch mal einer guten Idee aus einem anderen Buch Raum gibt.

"Wort verjährt nicht" heißt das vierte Werk der Coburger Autorin, das druckfrisch vorliegt und aus dem sie am Dienstag, 8. September, im Innenhof der Stadtbücherei liest. Ein Lesebuch für Unerschrockene nennt sie es. Tatsächlich sollte sich der Leser der geweckten Neugier mutig stellen. 36 Geschichten auf 190 Seiten, von der Katze, die ihr Leben aufs Spiel setzt, einer Lehrerin, die sich die Sinne vernebelt, einem wackeren Priester, der den Abendmahlkelch leeren muss bis hin zu einer alten Dame, die wunderbare Weihnachten verbringt, fesseln den Leser mit griffigem Ausdruck und ungeahnten Wendungen.

Nicole Eick liebt Wortspielereien - wie der Titel schon verrät. Ihre Sprache ist klar. Die Sätze kurz. Sie schreibt von niederen Beweggründen, von gesellschaftlichen Abgründen, greift Tabuthemen auf. "Manchem ist mein Stil zu heftig", sagt sie im Gespräch. Doch die Realität sei noch schlimmer als das, was man erfinden könnte. Die 63-Jährige spricht aus ihrer langjährigen Erfahrung in der Sozialarbeit.

Seit früher Kindheit gehört das Schreiben für sie dazu. Mit 12 Jahren verfasste sie ihren ersten Roman. "Ich schreibe nicht täglich, aber abends und an den Wochenenden oft - und schnell", sagt sie. Natürlich am Computer, aber im Urlaub auch mal mit der Hand. "Dann hab ich nur mein leeres Notizheft dabei. Was ich schreibe, passt dann meistens. Ich muss weniger nachbessern. Weil ich länger drüber nachgedacht habe."

So ist auch die Geschichte "Egal wann, egal wofür" entstanden. Im Urlaub in Wales. Am Strand. Sie handelt von einem makaberen Auftrag eines Hochschulprofessors. Wer sie gelesen hat, blättert nicht gleich weiter zur nächsten. Da braucht es schon eine kleine Denk-Pause - auch, wenn auf dem Klappentext was von Blau-, Kauf- und Verschnaufpausen zum Durchatmen steht.

Zwei Essays hat Nicole Eick zur Lesung der "Coburger Autoren gegen rechts" geschrieben: "Ein ganzer Kerl" und "Was gesehen?" finden sich auch unter den Kurzgeschichten. Zwei Beispiele dafür, wie engagiert und ohne Zeigefinger die Autorin Standpunkt bezieht und ihren Lesern neue Perspektiven und Blickwinkel eröffnet.

Schreiben ist ihre Leidenschaft Nicole Eick wird 1957 in Karlsruhe geboren und macht dort Abitur. 1978 studiert sie Sozialpädagogik in Bamberg. Nach dem Studium arbeitet sie als Sozialpädagogin jeweils mehrere Jahre in folgenden Arbeitsbereichen: Hebammenschule Bamberg, Frauenhaus Coburg, Sozialpsychiatrischer Dienst Coburg, Schwangerenberatung Bamberg und schließlich Klinischer Sozialdienst des Klinikums Coburg, wo sie seit dem 1. Mai 2008 die Leitung übernommen hat.

Nicole Eick ist verheiratet und hat zwei Söhne. Sie lebt seit 1986 in Coburg,

Daneben ist Nicole Eick journalistisch und literarisch als Mitglied der VHS-Schreibwerkstatt tätig. 2009 gründet sie die Coburger Autorengruppe Schreibsand mit.

Auszeichnungen Eicks Kurzgeschichten und Gedichte werden in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. 2001 ist sie Gewinnerin des Kulturwettbewerbs "Coburg im Jahr 2010", 2002 wird sie zum 14-tägigen Aufenthalt als Stadtschreiberin in Soltau eingeladen.

Veröffentlichungen

2012 Sozialkrimi "Abfall", 2016 Roman "und raus bist du", 2017 "Buchstabensuppe" - ein Lesebuch für Fortgeschrittene, 2019 Roman "Hinter dem Fenster", 2020 Kurzgeschichten "Wort verjährt nicht".

Lesungen aus "Wort verjährt nicht":

Dienstag, 8. September, 18 Uhr im Innenhof der Stadtbücherei Coburg

Dienstag, 6. Oktober, 19 Uhr, Stadtbücherei Coburg

Montag, 26. Oktober, 19 Uhr, Kulturwerkstatt Neustadt.