Reizvolle Begegnungen verspricht die erste neue Ausstellung, die der Kunstverein Coburg inmitten der Corona-Krise zeigt. Von Samstag an gewährt der seit zehn Jahren in Heldritt lebende Künstler Matthias Kroth Einblick in sein umfangreiches und vielgestaltiges Schaffen. "Hauptwege und Nebenwege" lautet der Titel der Schau, die Malerei, Zeichnung und Skulptur kombiniert.

Matthias Kroth ist ein Künstler, der sich mit markantem Stil an der Grenze zwischen Abstraktion und konkreten Details und Figuren bewegt. Das zeigt die umfangreiche Ausstellung mit gut 100 Exponaten im Pavillon am Hofgarten sehr deutlich. Deren Schwerpunkt liegt auf Werken aus den letzten rund sechs Jahren.

Unterschiedliche Materialien

Vor allem in seinen zumeist großformatigen Gemälden ist diese gestalterische Erkundung der Grenzen zwischen abstrakt und konkret besonders spannend. In intensiven, oftmals erdigen, dunklen Farben formt Kroth malerische Szenen, in denen man sehr häufig auch dort menschliche Umrisse zu ahnen meint, wo diese sich ganz bewusst einer vordergründigen Konkretisierung durch markante Linien entziehen.

"Hauptwege und Nebenwege"

Spannungen auszuloten interessiert den Künstler generell. Spannungen zwischen unterschiedlichen Materialien, aber auch Spannungen zwischen unterschiedlichen stilistischen Gestaltungsmitteln, die er in seinen Ölgemälden einsetzt. "Hauptwege und Nebenwege" - dieser Titel erzählt ganz bewusst auch von der unterschiedlichen Akzentuierungen der einzelnen künstlerischen Bereiche, denen sich Kroth widmet.

Große Ausdruckskraft

Der Hauptweg ist dabei ganz unmissverständlich die Malerei, der sich Kroth auch in seinem Studium gewidmet hat. Der Nebenweg, sagt Kroth, ist das Thema Skulptur, mit dem er sich ebenfalls schon seit langer Zeit beschäftigt.

Weit freilich war der Weg, bis Kroth auch mit den Ergebnissen seiner Annäherungen an die Skulptur zufrieden war. Vor etwa 15 Jahren jedoch habe er bei den Skulpturen einen für ihn gangbaren Weg gefunden, seit etwa zehn Jahren zeigt er inzwischen auch Skulpturen in seinen Ausstellungen.

"Ich finde es spannend, weiter lernen zu dürfen", erzählt er. Die Kombination Metall und Ton sei jene Kombination gewesen, die ihn schließlich überzeugt habe.

Bei der Gestaltung der Skulpturen die "verschiedenen Sprachen der verschiedenen Materialien" zu erkunden, reize ihn besonders, sagt Kroth. Die gleichzeitige Arbeit mit verschiedenen Materialien wird dabei natürlich auch zur Herausforderung, wenn es darum geht, Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien in einem Arbeitsgang zu Brennen.

Das Resultat jedenfalls sind Skulpturen, die aus der Spannung der verschiedenen Materialien ihre expressive Ausdruckskraft gewinnen. Im Dialog mit Kroths Zeichnungen und seinen vielschichtigen Gemälden laden sie ein, das Schaffen dieses Künstlers als aufmerksamer Betrachter zu erkunden. Die geschickte Hängung und Platzierung der Werke unterstützt diesen Dialog bestens.

Matthias Kroths "Hauptwege und Nebenwege" - ein künstlerisch gelungener Neustart des Kunstvereins inmitten der Corona-Krise.

Rund um den Coburger Kunstverein

Ausstellungs-Tipp Matthias Kroth - Malerei und Zeichung (5. September bis 4. Oktober) Öffnungszeiten Mittwoch bis Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr

Matthias Kroth 1962 in München geboren, studierte Design an der Fachhochschule Trier sowie Malerei an den Kunstakademien München und Frankfurt. Seit 1990 ist er Dozent an der Europäischen Kunstakademie Trier sowie seit 2011 an der Kunstakademie Bad Reichenhall und seit 2013 an der Kunstakademie Allgäu. Kroth lebt seit 2010 in Bad Rodach. Sein Schaffen wurde bereits mehrfach mit Preisen bedacht. 2014 erhielt er den Kunstpreis "blauorange" im Kunstverein Coburg.

Seine Werke waren schon in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen - von München bis Koblenz, von Friedrichshafen bis Würzburg, von Stuttgart bis Köln.

Entstehung Der Kunstverein Coburg besteht seit 1981 unter seinem jetzigen Namen - entstanden aus der Fusion des Kunst-, Industrie- und Gewerbevereins Coburg und des Coburger Kunstvereins. Vorgängerverein Der Kunst-, Industrie- und Gewerbeverein Coburg wurde am 8. Dezember 1824. 1975 zählte er 165 Mitglieder. Coburger Kunstverein Der Coburger Kunstverein wurde am 5. Juli 1901 aus der Taufe gehoben. 1951 konstituierte sich der Verein neu mit neuen Ausstellungsräumen im Pavillon am Hofgarten. Ausstellungsgebäude Die ehemalige Voliere der Villa des einstigen Zaren Ferdinand von Bulgarien wurde zum ersten eigenen Ausstellungsraum des damaligen Coburger Kunstvereins. Nach der Fusion begannen im Herbst 1984 die Bauarbeiten für den ersten Erweiterungsbau, den der Verein in Eigenleistung erstellte. Ein weiterer Anbau folgte 2001.red/jb