Die Titelverteidigung ist perfekt! Kevin Krawietz und Andreas Mies sind wieder die Doppel-Champions von Paris. Nach dem historischen Sieg von 2019 gewannen der Coburger und sein Kölner Partner erneut das bedeutendste Sandplatz-Turnier der Welt und damit ihren zweiten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere. Beim 6:3, 7:5-Sieg gegen das brasilianisch-kroatische Weltklasse-Doppel Duo Bruno Soares und Mate Pavic zeigte das perfekt harmonierende deutsche Doppel eine fantastische Leistung auf dem Philippe Chatrier.

Neben der begehrten Sieger-Trophäe erhielten die Titelverteidiger ein Preisgeld von knapp 320000 Euro brutto.

Erstmals bei diesem zweiwöchigen Corona-Turnier wurde das deutsche Doppel lautstark unterstützt. War nämlich bis zu diesem Zeitpunkt lediglich Vater Rudolf Krawietz vor Ort und klatschte von der ersten Runde an immer wieder aufmunternd Beifall, supporteten dieses Mal Mutter, Schwester und Kumpels aus der "gelben Box". Alle Freunde waren nämlich mit dem selben neonfarben T-Shirt gekleidet wie die beiden Champions. Und Kevin Krawietz wandte sich bei der Siegerehrung auch gleich an seine Fans: "Wir geben heute Abend richtig Gas, so gut wie es geht. Meine Freunde daheim an den Bildschirmen sollen jetzt auch das eine oder andere Bier trinken."

Der 1. Satz

Perfekter Start: Zu Null gewann Kevin Krawietz sein erstes Aufschlagspiel. Auch der Kroate Pavic gab keinen Punkt ab: 1:1. "KraMies" waren sofort hellwach. Knallharte Aufschläge, perfektes Timing, kompromisslose Volleys und ein fantastisches Auge vom ersten Ballwechsel an. Keiner machte auch nur einen Fehler. Ganz im Gegensatz zu "Oldie" Soares aus Bello Horizonte. Er verlor nämlich gleich sein Service, weil Krawietz und Mies dem 38-jährigen Brasilianer die Returns nur so um die Ohren hauten. 3:1 nach 13 Minuten und Break vor. Da jubelte erstmals auch die kurzfristig angereiste Mama Ingrid Krawietz aus Witzmannberg so laut, dass ihr Ja-Schrei bis in die letzte Ecke des Philippe Chatrier zu hören war.

Weil anschließend auch die Netzkante zweimal die beste Freundin der beiden Deutschen war, stand es nach gerade einmal 23 Minuten 5:2. Schon in diesem Moment strahlten die Titelverteidiger mit der langsam untergehenden Pariser Abendsonne um die Wette. Der Coburger machte gleich den Deckel drauf, denn Hauch bei seinem dritten Aufschlagspiel hatten die US-Open-Sieger nicht den auch einer Chance. Nicht einmal eine halbe Stunde dauerte der aus fränkisch-rheinischer Sicht perfekte Durchgang.

Der 2. Satz

Während der Witzmannsberger weiter unglaublich konstant servierte und sein erstes Service wieder zu Null gewann, wurden Mies Aufschlagspiele jetzt zur Zitterpartie. Doch mit vereinten Kräften - nervenstarken Volleys und einem Ass im richtigen Moment - wehrten sie gleich drei Breakbälle ab und glichen zum 2:2 aus. Jetzt mussten die Deutschen Schwerstarbeit verrichten, denn das kroatisch-brasilianische Doppel steigerte sich und wurde stärker. Es entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe, bis Soares auch wegen zwei Doppelfehlern schwächelte. Die ehemalige Nummer Eins der Doppel-Weltrangliste wackelte zwar im siebten Spiel, fiel aber nicht.

Wie nervenstark Kevin Krawietz in Paris spielte, zeigte das zehnte Spiel. Er servierte gegen den Satzverlust - und wieder gab er keinen Punkt ab. Perfekte Aufschläge des Franken gepaart mit kompromisslosen Volleys der Kölners. Die Folge: 5:5 nach einer Stunde und 13 Minuten. Jetzt stand der Brasilianer enorm unter Druck.

Der Südamerikaner begann das elfte Spiel gut, führte bereits 40:0. Doch die Deutschen blieben dran, kamen zum Einstand. Und bei der zweiten Break-Chance verließen den Brasilianer die Nerven, denn seinen zweiten Aufschlag haute ihn Kevin Krawietz entschlossen longline um die Ohren. Der Lohn: Eine knappe 6:5-Führung und Mies servierte zum Turniersieg.

Und wie! Nach 15:30 folgte sein viertes Ass. Eine rasante Volley-Ralley bei 30:30 nutzten die Gegner für eine Breakchance, doch Krawietz glich mit einem "Donnerschlag über Kopf" aus. Es folgte ein harter erster Aufschlag und deshalb der erste Matchball für die Titelverteidiger. Ausgerechnet jetzt störte ein Fußfehler die Konzentration von Mies, der sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen ließ. Er wehrte cool einen weiteren Breakball ab und erarbeitete nach einer Stunde und 28 Minuten den zweiten Championschip-Ball. Aufschlag durch die Mitte, Rückhand-Volley von Krawietz. Der Sieg war perfekt. Die beiden lagen erneut in ihrem Lieblings-"Sandkasten". Kurze Zeit später streckten sie den Pott in den Pariser Himmel.

Stimmen

Kevin Krawietz: "Ich bedanke mich vor allem bei Klaus Langenbach meinem Trainer in München. Und bei meinem Dad, der uns schon seit zwei Wochen hier in Paris aushalten musste und uns supportete. Aber ich habe natürlich auch Euch da oben nicht vergessen und ich will mich bei den Leuten in der Box bedanken. Wir geben heute Abend richtig Gas, so gut wie es geht. Meine Freunde daheim an den Bildschirmen sollen auch jetzt das eine oder andere Bier trinken." Andreas Mies: "Es ist ein magischer Moment, wir haben tatsächlich hier wieder gewonnen. Das muss man alles erst einmal realisieren".