Für Kevin Krawietz' kongenialen Doppelpartner Andreas Mies war es ein "Finale dahoam". Doch das derzeit beste deutsche Tennis-Doppel verlor am Sonntag überraschend das ATP-Turnier in Mies' Heimatstadt Köln. Damit ist der Siegeszug der beiden zweifachen French-Open-Gewinner vorerst gestoppt.

Mies (30) und Krawietz (28) waren 15 Matches ungeschlagen. Nachdem sie am Samstagnachmittag das Halbfinale in der Lanxess-Arena gegen Marcus Daniell/Philipp Oswald (Neuseeland/Österreich) mit 6:4 und 6:3 gewannen, blieben sie am Sonntagabend gegen die beiden Außenseiter Raven Klaasen und Ben McLachlan (Südafrika/Japan) einiges schuldig. Kramies unterlagen in zwei Sätzen mit 2:6 uns 4:6. Krawietz/Mies warfen im Viertelfinale US-Open-Finalist Alexander Zverev und dessen älteren Bruder Mischa mit 6:4, 7:5 aus dem Wettbewerb.

Lokalmatador Mies war zwar enttäuscht, insgesamt aber trotzdem nicht unzufrieden: "Ich habe mich extrem auf das Turnier gefreut. Ich war als Kind schon in der Halle. Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Nur schade, dass keine Zuschauer da sind", sagte er der Bild.

Doch ganz mussten die beiden Deutschen auf Unterstützung auch dieses Mal nicht verzichten. Die Eltern, die Schwester, die Nichte und die Freundin von Mies saßen im weiten Rund. Und auch der 1,91 Meter große Witzmannsberger hatte jemanden mitgebracht, nämlich seine Freundin Judit. "Das pusht uns natürlich zusätzlich", freute sich Krawietz, der die Final-Niederlage mit Fassung trug. Am Sonntag fehlte in beiden Sätzen die letzte Entschlossenheit bei den Volleys, auch die Aufschläge kamen nicht wie gewohnt. Da die Returns nicht die Genauigkeit der letzten Wochen hatten, verloren Kramies dieses Spiel gegen die über sich hinauswachsenden Gegner zu Recht.

Vorfreude auf das nächste Turnier

Die Niederlage gegen Klaasen und McLachlan kostete den beiden 1000 Euro, denn während die Turniersieger 6000 Euro Preisgeld kassierten, mussten sich die Paris-Champions mit bescheidenen 5000 Euro zufriedengeben - zusammen! Für ihren Grand-Slam-Triumph bei den French-Open-Sieg hatte das fränkisch-rheinische Duo noch stolze 320 000 Euro bekommen und für den Titel im Vorjahr sogar 580 000 Euro. Doch das erfolgreiche Tennisjahr ist für die beiden Doppel-Spezialisten noch lange nicht zu Ende. Die Vorfreude auf London ist bereits groß. Mitte November dürfen die beiden zum zweiten Mal nach 2019 bei den ATP-Finals starten. In der englische Hauptstadt kämpfen die acht besten Doppelpaarungen um den Titel.

Und selbst die Pläne für Weihnachten sind bereits geschmiedet. Um nämlich an den Australian Open, dem ersten Grand-Slam-Turnier 2021 teilnehmen zu dürfen, müssen sich Mies/Krawietz Down Under wohl in Quarantäne begeben.

Ganz so weit werden die beiden Deutschen am heutigen Montag nicht reisen. Nächster Stopp ist die österreichische Hauptstadt, wo in dieser Woche die Wiener Open stattfinden. Am Dienstag treffen Kramies im Achtelfinale auf den Neuseeländer Michael Venus und den Australier John Peers.