Zumindest beim ersten Fenster geht es noch zu wie bei einem Fußballspiel der E-Jugend: Alle rennen zum Ball beziehungsweise in diesem Fall zum Fenster und konkurrieren heftig um die zu reinigenden Quadratzentimeter. Aber es sind ja keine Profis, die sich da aufgemacht haben, um die Schaufenster in der Ketschengasse zu putzen. Der Symbolcharakter der Aktion ist mindestens so groß wie der Sauberkeitseffekt.

Citymanagerin Andrea Kerby-Schindler hatte sich das "Schaufensterputzen" ausgedacht: Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der städtischen Betriebe, des Stadtrats und der Wohnbau wollen so ein bisschen Wiedergutmachung leisten für den Staub, Lärm und die Verluste, die die Bautätigkeiten in der Ketschengasse in diesem Jahr mit sich bringen. Denn der Bereich außerhalb des Ketschentors wird umgestaltet, deshalb war das Ketschentor wochenlang gesperrt. "Wir merken das schon", sagt Alexandra Probst-Schnellhardt, Geschäftsführerin von Blooms & Rooms. Denn viele Kunden, die schnell nur einen Blumenstrauß holen wollen, kommen eben mit dem Auto. Auch kämen deutlich weniger Fußgänger die Ketschengasse vom Anger herauf, sagt Alexandra Probst-Schnellhardt. Somit sei die Fensterputzerei nicht nur eine "sympathische und positive Aktion", sondern auch ein Zeichen der Solidarität der Stadt mit dem Einzelhandel.

Vom Stadtrat sind Franziska Bartl (SPD), Maximilian Forkel (CSU/JC) und Christian Müller (CSB) angetreten. Petra Schneider (SPD) entschuldigt sich wegen verletzter Schulter, ist aber bereit, Hilfsdienste zu erledigen. Barbara Kammerscheid (SBC) und Hans-Herbert Hartan (CSU) waren laut Andrea Kerby-Schindler angemeldet, tauchen aber zumindest in der ersten halben Stunde nicht auf. Wohnbau-Geschäftsführer Christian Meyer und der neue Markthallen-Manager Sebastian Hofmann treten zum Dienst in Anzug und Krawatte an. Arbeitstauglich sei der Zwirn, betont Sebastian Hofmann. Karin Hinterleitner von Radio Eins, Mandy Gräsing-Lang und Frank Briesemeister vom Tourismusbetrieb machen die Putztruppe komplett.

"Die Frauen können das eindeutig besser", kommentiert eine Verkäuferin, durch die gerade geputzte Scheibe blickend. Eine Passantin gibt Maximilian Forkel den Rat, mit dem Wischer quer über die Scheibe zu ziehen, was aber wegen der Fensterrahmen und der Wischgeräte nicht so recht machbar ist. "Eigentlich sollte man nicht putzen, wenn die Sonne drauf scheint", gibt Petra Schneider zu bedenken. Der gleich darauf einsetzende kurze Nieselregen ist aber auch nicht besser. Janis Franz tritt mit einem Tablett gefüllter Sektgläser vor die Tür, "für die fleißigen Bienchen". Die Aktion sei "eine tolle Sache und etwas ganz Neues", sagt die Modehändlerin, die auch Vorsitzende von Zentrum Coburg ist. Wettmachen könne das die Einbußen freilich nicht.

Christian Müller beweist daraufhin, dass er in der kurzen Zeit sogar schon einhändig putzen gelernt hat, mit dem Wischer in der einen und dem Sektglas in der anderen Hand. Inzwischen hat sich auch so etwas wie eine Arbeitsteilung entwickelt. Die einen putzen allein oder zu zweit ein Fenster, Karin Hinterleitner und Mandy Gräsing-Lang übernehmen das Nachpolieren. Christian Meyer, der inzwischen auch mit Eimer und Wischer ausgestattet ist, blickt optimistisch Richtung Ketschentor. "Mit der einen Seite sind wir nun schon fast durch."