Obwohl sich der Schneybach von Großgarnstadt bis zum Main über eine Länge von fast 14 Kilometern erstreckt, war bisher selbst vielen Einheimischen sein genauer Ursprung nicht bekannt. Dies hat sich nun geändert, denn Reiner Brückner kam auf die Idee, die Schneybachquelle angemessen und würdig zu gestalten und sie damit kenntlicher zu machen. "Dies ist in Zusammenarbeit vieler Mitwirkender gelungen", freut sich der Initiator.


Keine Krebse, aber ein Frosch

Überlegungen, die Quelle zu fassen, gab es schon seit vielen Jahren. Bei verschiedenen Wettbewerben wie "Wasser im Dorf" oder "Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft" wurde dieser Umstand ebenfalls deutlich. Ebenso im Buch "Der Schneybach" von Christina Fichtner. Sie beschreibt die Quelle als bescheidenen Bachursprung, dessen klares Wasser aus der Erde dringt, dass nichts darauf hinweist, dass dieses Wässerlein einmal zum stattlichen Schneybach wird. Während andere Quellen gut sichtbar gefasst sind oder sogar in Goldschrift den Namen des Baches oder Flusses tragen, den sie speisen, startet der Schneybach winzig und zierlich seinen Weg. "Kaum
dass er ein paar hundert Meter geflossen ist, muss er sich schon in Rohren verstecken. Doch nicht genug damit, er muss auf seinem Lauf auch noch mehrmals seinen Namen ändern", führt Christina Fichtner in ihrem Buch weiter aus. Bis er zum Main gelangt, ist er nämlich auch als Eichgraben, Röderbach oder Krebsbach bekannt. Letzterer wurde von einer Pilzerkrankung, die 1876 in Frankreich auftrat, befallen und machte so den dort lebenden Flusskrebsen den Garaus. Auch wenn es derzeit keine Krebse im weiteren Verlauf des Schneybachs mehr gibt, tauchte, kaum war die Quelle gefasst, ein Frosch auf.


Kenntlichmachung und Quellfassung

Um die Idee der Kenntlichmachung und Quellfassung umzusetzen, stand die Frage der Finanzierbarkeit im Raum. "Mit der Förderung von Kleinprojekten in Höhe von 1000 Euro über Leader zeichnete sich eine Lösung ab", erklärt Reiner Brückner weiter und ist überzeugt, dass der Restbetrag etwa durch weitere Spenden finanziert werden kann. Er stellte deshalb Mitte 2017 einen Antrag, der auch genehmigt wurde. Allerdings konnten aufgrund des nassen Wetters im vergangenen Herbst die Arbeiten nicht wie geplant durchgeführt werden. Deshalb wurde das Vorhaben heuer realisiert.

Planerisch stand als Fachmann Professor Johannes Körner zur Seite. Frank und Bernd Liewald führten mit ihren Maschinen die schweren Arbeiten aus, ohne deren Einsatz dies nicht so einfach möglich gewesen wäre. Sie holten auch alte Sandsteine, die von der Familie Konopka für die Einfassung zur Verfügung gestellt wurden. Ohne die Vorarbeiten wie Planung und Materialbeschaffung hätte die Quellfassung nicht an einem Tag bewältigt werden können. Dieser sei allerdings recht lang gewesen", sagt Reiner Brückner. Weil das Umfeld der Quelle landwirtschaftlich genutzt wird, wurde darauf geachtet, dass keine "Hindernisse" entstehen. Nachdem die ersten Sandsteine gesetzt waren, "drückte" überall das Wasser. Deshalb wurde der Staubereichs mit Lehm abgedichtet und darauf geachtet, dass Gefälle und Überlaufhöhe passen. An die neue Einfassung wird noch ein Schild angebracht und, wenn sich ein Sponsor findet, eine Bank aufgestellt. Die Abflachung des Ufers wurde mit Mutterboden aufgefüllt. Dort werden die Mitglieder des Obst- und
Gartenbauvereins zur Begrünung Sträucher pflanzen.


Aus der Historie

Die eigentliche Bezeichnung des Bachs geht wahrscheinlich auf die ehemalige Wustung "Schnei" zurück. In einer alten Urkunde des Klosters Fulda wird nämlich diese südöstlich von Großgarnstadt gelegene Wustung erwähnt, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts unbewohnt und verlassen war. Klar ist, dass der Schneybach rund 385 Meter über NN im Bereich Schneileite/Wolfsgraben, nördlich von Großgarnstadt entspringt. Nach 13,8 Kilometern und 124 Metern Höhenunterschied mündet er in die Altung, die mit dem Main verbunden ist. Er passiert auch den Teich der Einöde Dürrmühle. Dort wurde bis 1968 eine Getreidemühle betrieben, die zeitweise auch als Schneidmühle diente. Der Dürrmühlenteich ist eigentlich ein Stausee, der durch das Aufstauen des Röderbachs entstanden ist. Weiter schlängelt sich der Bach durch den Neuensorger und Bucher Forst vorbei an Seehof und Stöcken und passiert damit die Landkreisgrenze zwischen Coburg und Lichtenfels. Früher trennte er die Länder Sachsen-Coburg-Gotha und das Reichsritterschaftliche Schney. Damals mussten alle Güter, die über diese Grenze transportiert wurden, verzollt werden. Die Zollschranke befand sich in Seehof, dem Weiler an der damaligen "Länder-Grenze". Deshalb schmuggelten die Einwohner der Grenzdörfer Frohnlach und Schney zollpflichtige Waren heimlich über die Grenze. Im Stadtarchiv von Lichtenfels belegt eine Urkunde, dass am 14. April 1919 deshalb sogar fünf Hilfspolizisten zur Bekämpfung des Schmuggels eingestellt wurden. Zwischen 1782 bis 1928 gab es in Schney eine Porzellanfabrik, die das Wasser für ihre Produktion vom Schneybach als Mühlbach ableitete.