Weitramsdorf — Ronald Friedrich, langjähriger Kassierer und Vorsitzender des Nordbayerischen Musikrates, sollte sich künftig um die Geschicke des Vereins kümmern.
"Er ist ein äußerst guter Mann", begründete Schindler seine Entscheidung, den ehemaligen Vorsitzenden des Kammerchors und Ansprechpartner für die innerstädtischen Chöre, Jens-Uwe Peter, für die Nachfolge vorzuschlagen. Mit 19 zu 13 Stimmen entschieden sich die Mitglieder klar für Schindlers Favoriten. Vielleicht trug dazu auch die fehlende Kassenprüfung bei, die Ronald Friedrich aus verschiedenen Gründen am Montagabend nicht vorlegen konnte oder wollte. Einer davon war ein persönlicher. Der zweite: Die neu zu wählende Kassiererin würde ohnehin prüfen, argumentierte er. Das sahen weder die Vereinsführung noch Schindler so: Ohne Entlastung könne nicht mit der Tagesordnung fortgefahren werden. Und so wurden die 17 Buchungen, die über das Jahr anfielen, schnell noch während der Versammlung gesichtet und für in Ordnung befunden.

"Zu wenig Musik an Schulen"

In seiner letzten Rede als Vorsitzender beklagte Heinz Stelzner, der seit fast 20 Jahren an der Spitze der Sängergruppe stand, die Geringschätzung des Singens in den Schulen. Beim musikalischen Angebot für die 6- bis 16-Jährigen herrsche "musikalische Wüste", beklagte er und kritisierte, dass es kein Pflicht-Wahlfach Musik mehr gebe und "fast keine daran interessierten Rektoren und Lehrer". Der demografische Wandel habe auch die Sänger erreicht: Gab es 1993 noch 930 Aktive, seien es nur noch knapp 600. "Wo Senioren ausscheiden, steht nicht genug Nachwuchs bereit." An der Basis dürfe allerdings nicht gerüttelt werden. Sie sei das A und O der Vereine, auch wenn er Projektchöre und musikalische Projekte für zukunftsträchtig halte. "Es gibt keinen Supermarkt, in dem ich mir gute Sänger aus den Regalen hole, wenn ich einmal ein tolles Projekt vorhabe."
Leopold Schindler pflichtete ihm bei. Destruktiv und vernichtend sei die Arbeit des Kultusministeriums gewesen. Mit der Einführung des G 8 kämen die Kinder schlicht nicht mehr zum Üben. "Da setzt ein Verfall ein. Das Musikabitur gibt es nicht mehr." Auch die musikalische Bildung in der Grundschule fehle vollkommen. Was einmal kaputt sei, brauche doppelt so lange, um sich wieder aufzubauen. "Was müssen die jungen Leute in ihrer wenigen Freizeit nicht alles unterbringen", sagte er. Und: "Auch nach dem Studium und nach der Gründung einer Familie sind sie erst einmal weg vom Fenster." Er prognostizierte: "Die Vereine, so wie wir sie kennen, werden sich so nicht mehr halten können." Genau wie Stelzner will er allerdings nicht nur kritisieren und alles negativ sehen. Beide blicken auf einen "Silberstreif" am Horizont. Es sei Zeit für einen Neuanfang.
Zum ersten Stellvertreter Peters wurde Horst-Dieter Büchner gewählt. Ronald Friedrich ist künftig zweiter Stellvertreter und erklärte sich zudem bereit, das Amt des Schriftführers zu übernehmen. Heidi Schunk fungiert als Kassierer. Aus dem Vorstand schieden Heinz Stelzer und seine Stellvertreter Erich Kalb und Günter Korn aus.