Das leuchtet ein: "Wenn jemand Kalinka hört, denkt er gleich an Russland oder Osteuropa", sagt Alexander Ditte. So kam es zum Namen für seinen Laden. "Ich habe hier vor zwölf Jahren aufgemacht, damals mit fast nur Souvenirs und Video", erzählt er. Vor sieben Jahren sei er dann auf Lebensmittel umgestiegen. Russische Lebensmittel, die gab es damals fast nicht zu kaufen in der Region und schon gar nicht in Oeslau. Dabei stellte er fest, dass immer mehr Russlanddeutsche kamen. Sie suchten nach Lebensmitteln, die sie aus der Heimat kannten, die irgendwie auch nie ihre Heimat war. Aber es gibt da beispielsweise diesen Schmand, den es hier in den Supermärten und Discountern einfach nicht gibt. Und Wodka. "Guten Wodka", betont Alexander Ditte. Im Gegensatz zu dem, den es in deutschen Läden gibt. Massenprodukte "das kannst du nicht trinken", sagt er und schüttelt den Kopf. Bei ihm gibt es Wodka in den abgefahrensten Flaschen. Als Weihnachtsstiefel oder Auto aber auch als Handgranate oder Kalaschnikow. Drin ist aber immer "sehr guter Wodka zu günstigen Preisen", wie Alexander Ditte verspricht.
In der Kühltruhe stapeln sich Pelmeni und andere russische Spezialitäten. Doch das Sortiment ist mit den Jahren viel bunter geworden. "Ich habe jetzt Waren aus ganz Osteuropa", sagt Alexander Ditte und zählt auf, Polen, Ungarn, Rumänien... "Es kommen jetzt viele Leute aus Rumänien, die können gar kein Deutsch. Ich muss noch rumänisch lernen", schimpft er. Früher seien vor allem Deutsche aus Rumänien gekommen, aus dem Banat zum Beispiel. Die konnten alle Deutsch. "Es war ein altes Deutsch, wie es ihre Großeltern in Rumänien gesprochen haben. Die mussten auch dazu lernen, aber sie konnten deutsch", erzählt er. Jetzt kämen "echte Rumänen" und warum die kein Deutsch lernen, weiß er auch. Sie arbeiten zusammen und sprechen miteinander nur Rumänisch.
Dass sie die Sprache nicht lernen mögen, kann der Deutschrusse nachvollziehen. "Deutsch ist eine sehr schwere Sprache", weiß er aus Erfahrung. Seine Großeltern und teilweise auch noch die Eltern in Kasachstan sprachen zu Hause nur Deutsch. Er verstand es zwar schon einigermaßen, aber sprechen konnte er es nicht. Nach inzwischen 23 Jahren in Deutschland ist nur ein Akzent übrig geblieben.
Und Deutsch ist für ihn immer wichtiger geworden. "Mit der Zeit kommen immer mehr Leute aus der früheren DDR, die haben Nostalgie", sagt er. Sie suchen nach osteuropäischen Produkten, die vor der Wende in Ostdeutschland vielfach angeboten wurden. Als westdeutsche Supermarktketten sich ausbreiteten sind die Angebote weniger geworden oder verschwunden. Umgekehrt finden sich jetzt auch in Supermarktregalen osteuropäische Produkte. Aber von denen hält Alexander Ditte natürlich nicht viel. Deutsche Händler wüssten nicht, was sie einkaufen sollen. Daher könnten sie in Sachen Qualität nicht mit ihm mithalten. "Allein die Pralinen! So lange ich in Deutschland bin gibt es überall die gleichen Pralinen. Bei mir bekommst du russische Pralinen in 1000 Sorten. Immer wieder andere!" Und eben Wodka aus der gläsernen Kalaschnikow. Den gibt es im deutschen Supermarkt wohl wirklich nicht.