Heute würde man Event dazu sagen. Und das war es auch, es lockte Hunderte an. Bis in die 2000er Jahre war es eine liebgewonnene Tradition: das Rodelfest auf dem Grüntalhügel.

Sobald die erste feste Schneedecke lag, machten sich die "Glockenberger" an die Arbeit und bereiteten ihr Rodelfest vor. Die "Glockenberger", das war eine Vereinigung, die sich "Frohsinn und Gemütlichkeit", gute Nachbarschaft und Nachbarschaftshilfe auf die Fahnen geschrieben hatte. Und ihre Rodeltreffen waren bis Mitte des vorigen Jahrhunderts stadtbekannt. Damals hatten die Winter noch regelmäßig eine gute Schneelage und viele Straßen waren noch nicht geteert. Es gab auch noch keinen Winterdienst wie heute, bei dem die Hangstrecken gleich gestreut wurden. Daher konnte ohne weiteres den Grüntalhügel hinunter gerodelt werden.

Am Sonntagmorgen wurde die Bahn präpariert, damit das Rodelfest um 13 Uhr losgehen konnte. Jung und Alt half bei den Vorbereitungen mit - das war Ehrensache. Vom Gesellschaftshaus Grüntal an der Krieger-Gedächtnis-Siedlung ging es dann den Hügel hinunter. "Preisgeld" inklusive.

Denn damit das Schneevergnügen eine runde Sache wurde, waren über die Rodelbahn Seile gespannt, an denen kleine Spielsachen, Süßigkeiten und Würste befestigt waren. Jeder Rodler hatte es in der Hand, während der Fahrt etwas davon zu erhaschen. Viele der Rodler waren maskiert oder kostümiert, mitunter spielten sogar Musikkapellen. Ein Volksfest im Schnee, bei dem Hunderte von Menschen den Grüntalhügel säumten, wenn die tollkühnen Rodler die Bahn hinunter sausten.

Die Bahn wurde gewechselt

Die Tradition der Glockenberger Rodelfeste reicht bis in die 1920er Jahre zurück. Es war eine besondere Zeit, denn als der Grüntalhügel geteert war und das Verkehrsaufkommen größer wurde, konnten keine Rodelfeste mehr durchgeführt werden. 1963 fand das letzte auf der alten Bahn statt. Eine Ausweichmöglichkeit war später die Rodelbahn am Hermann-Löns-Weg. Da konnte die Glockenberger-Vereinigung nach 17-jähriger Pause im Januar 1981 die alte Tradition wieder aufleben lassen. Viele Helfer präparierten wieder am Sonntagvormittag die Bahn und schmückten sie mit bunten Girlanden. Kurz vor dem Auslauf gab es auch wieder das über die Bahn gespannte Seil mit den "Preisen". Eröffnet wurde das Rodelfest mit einem "Kanonenschuss".

Zwei Jahre später, im Februar 1983, kamen zum Glockenberger-Rodelfest über 400 Besucher. Höhepunkt war die Eröffnungsfahrt des damaligen Oberbürgermeisters Ernst Bergmann mit "Steuerfrau" Ursula Kiesewetter von der Glockenberger-Vereinigung. Die letzten Rodelfeste fanden sporadisch nach dem Jahr 2000 statt.