Ein Schlitzohr mit Mitgrationshintergrund nennt Martina Benzel-Weyh, die kommissarische Schulleiterin der Heiligkreuz-Mittelschule einen ehemaligen Schüler. Er hatte zunächst seinen Quali in der Schule am Schleifanger 1 gemacht, dann eine Lehre zum Kfz-Mechatroniker absolviert und schließlich seinen Meister gemacht. Jetzt studiert er Lehramt für die Mittelschule.
Natürlich sei das ein Paradebeispiel, aber es zeige auch die Chancen und Möglichkeiten, die ein Mittelschüler hat. Martina Benzel-Weyh nennt noch eine ganze Reihe von Schülern, die Karriere gemacht haben. Die Liste ist lang, offensichtlich geht das Modell durchlässiges Schulsystem auch im bereich der Mittelschule auf.
Was früher herablassend als Hauptschule bezeichnet wurde, trägt mittlerweile schon im Namen die Möglichkeit hier auch seine Mittlere Reife machen zu können. "Wer bei uns einen erfolgreichen Abschluss, den Quali oder die Mittlere Reife macht, weiß, was er kann, was er will, wo seine Stärken und seine Schwächen liegen", sagt Martina Benzel-Weyh stolz.
An keiner anderen Schule werden die Kinder schon ab der 5. Klasse auf ihren beruflichen Weg vorbereitet. Im Fach Wirtschaft und Beruf lernen die Schüler verschiedene Arbeitsplätze vor Ort kennen, im Berufsbildungszentrum wird eine Potenzialanalyse gemacht, um in der 8. Klasse zu wissen, ob der Weg später eher in die soziale, technische oder betriebswirtschaftliche Richtung geht. mehrere Wochen Berufspraktika, Berufsorientierungstage in Neukirchen, Bewerbungstrainings - all das gehört zum Unterricht. "Am Ende der 8. Klasse hat jeder Schüler eine individuelle erarbeitete Bewerbung aus seinem Stick, um loslegen zu können."
Die Berufsorientierung ist eines der Standbeine von der Heiligkreuz-Mittelschule. Durch das Klassenleiterprinzip erleben die Schüler die Schule als behüteten Raum, in dem sie sich gut aufgehoben fühlen. "Wir müssen die Kinder da abholen, wo sie sind. Dazu gehört heute mehr Erziehungsarbeit als früher", gibt Martina Benzel-Weyh zu. Aber: "Es sind ja unsere Kinder. Zu sagen, wir können das nicht leisten, hilft nicht. Natürlich sind die Belastungen in den vergangenen Jahren größer geworden, aber wir legen großen Wert auf Pädagogik, auch im förderpädagogischen Bereich." Selbst Einzelfallhilfe sind manchmal nötig." Dafür stehen zwei Sozialpädagogen der Jugendsozialarbeit an Schule (JAS) zur Verfügung. Die verstehen sich als der verlängerte Arm des Jugendamtes. "Denn eins ist klar: Die Schule könne viel machen, aber eben nicht alles. "Auch uns sind die Hände gebunden."
Grundsätzlich wären die Schüler aber viel besser als ihr Ruf, sagt die Schulleiterin. Einzelne Problemkinder gebe es immer, aber das sei ja auch ganz normal.
Schüler, die etwas länger brauchen und gerade in der Pubertät ihre "Auszeiten" nehmen, hätten aber an der Mittelschule gute Chancen, dennoch ihren Weg zu gehen. Mit den9 V-Klassen oder auch den eCn-Klassen hat jeder zu einem erfolgreichen Schulabschluss kommen - und letztendlich auch zu einem Ausbildungsplatz. Am Donnerstag, 12. Juli finden dazu zwei Info-Veranstaltungen statt, bei denen die Wege und Möglichkeiten erläutert werden.
Neben der Berufsorientierung hat sich die Heiligkreuz-Mittelschule auch die kulturelle Bildung auf die Fahne geschrieben. So besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Landestheater Coburg. Regelmäßige Probenbesuche und Diskussionen mit dem Ensemble, Tanzprojekte und die Teilnahme an der Stadtkultur stehen auf dem Stundenplan. So tanzen die Heiligkreuzschüler am 21. Juni in der Melchior-Franck-Schule und Musiker vom Orchester des Landestheaters spielen die Musik dazu.
Ein anderes, einzigartiges Projekt hat Martina Benzel-Weyh zusammen mit ihren Kollegen für den 10. Juli angeleihert. Die Heiligkreuz-Mittelschule wird die Spider-Murphy-Story exclusiv im Landestheater sehen. "Die komplette Schulfamilie ist eingeladen. Vom Hausmeister bis hin zu den Eltern können alle kostenlos an der Vorstellung teilnehmen", freut sich die Schulleiterin. Um das zu ermöglichen, wurden Sponsoren gesucht - und gefunden. Große Coburger Unternehmen und Banken machen dieses Projekt möglich. "Wir wollen jetzt noch ein paar Auszubildende der Unternehmen dazu einladen."
Die enge Zusammenarbeit mit Coburger Unternehmen, Handwerksbetrieben und der IHK ermöglicht den Heiligkreuzschülern immer Praktika und Ausbildungsstätten zu finden. "Unsere Absolventen werden gern genommen, weil die Unternehmen wissen, dass die Jugendlichen ihre Nasen bereits in verschiedene Bereiche gesteckt haben und Praxiserfahrung mitbringen.

Der Weg zur Mittleren Reife
M-Klassen Wer seinen Quali in der 9. Klasse mit einem Notendurchschnitt von 2,3 oder besser schafft, kann in die M 10 besuchen und inerhalb eines jahres seine Mittlere Reife machen.

9 V Klassen Schüler, die keinen M-Zug der Mittelschule besuchen, deren Notendurchsnitt beim Quali aber zwischen 2,5 und 3,3 liegt, können in die 9 V-Klasse wechseln. Dadurch wird es möglich, den mittleren Schulabsc
hluss an der Mittelschule zu erlangen. In diesen sogenannten Vorbereitungsklassen haben die Schüler in den beiden Jahren
je zehn Wochenstunden Deutsch, Mathematik und Englisch. Hinzu kommen wöchentliche Intensivierungsstunden.
Zur Berufsorientierung wählen die Schüler ein Praxisfach (Technik oder Wirtschaft), in dem dreistündig unterrichtet wird. Ziel ist dabei eine intensive Heranführung an die Arbeitswelt in dem jeweiligen Bereich (z.B. durch
Praktika). In den beiden Jahren werden in der Schule und an Praxistagen in Betrieben Inhalte aus Lehrberufen angesprochen und teilweise direkt erfahren.

eCn-Klassen Wer weder seinen erfolgreichen Abschluss noch den Quali geschafft hat, kann seine "extra Chancen nutzen" (eCn). Die Heiligkreuz-Mittelschule und die Mittelschule in neustadt bieten im schuljahr 2018/19 erneut eCn-Klassen an. Wer erfolgreich daran teilnimmt, erwirbt seinen Quali. Geprägt ist der Unterricht durch die Kombination aus Schule und Praktikum.

Infoveranstaltung Am Donnerstag, 12. Juli, findet um 18 Uhr der Infoabend zu den 9 V-Klassen statt, im Anschluss um 19 Uhr zu den eCn-Klassen. Jeweils in der Heiligkreuz-Mittelschule.