Hausärztin in Coburg? Das hatte Marilena Höfer während des Studiums eigentlich nicht auf dem Schirm - und das, obwohl die 38-Jährige in Coburg geboren und aufgewachsen ist. Doch Familie und Freunde sind hier und so kam sie nach dem Studium der Humanmedizin in Erlangen doch wieder zurück, war am Klinikum und in der Praxis Ritter in Wüstenahorn tätig.

Sich mit einer eigenen Praxis selbstständig zu machen, das ging ihr schon länger im Kopf herum, doch erst Ende letzten Jahres, "sehr kurzfristig", wie sie selbst sagt, entschloss sie sich, die Pläne in die Tat umzusetzen.

Hausärztemangel in Coburg: "Die Not ist so groß"

Am 1. Juli wird Marilena Höfer also vermutlich eine der begehrtesten Coburgerinnen sein, denn an diesem Tag eröffnet sie in der Mohrenstraße ihre Hausarztpraxis - ein Lichtblick in der vom Hausärztemangel schwer gebeutelten Region Coburg. Höfer kennt die Lage nur zu gut: "Die Not ist so groß, ich kenne das von der Praxis, wo ich bisher war, wir bekommen jeden Tag fünf bis zehn Anrufe von Patienten, die dringend einen Hausarzt suchen."

Aktuell ist Marilena Höfer noch mit der Einrichtung der Altbau-Räume beschäftigt. Auf 150 Quadratmetern stehen der Allgemeinärztin zwei Behandlungsräume, EKG-Raum, Labor und ein Sonografie-Raum zur Verfügung. Die barrierefreie Praxis verfügt über einen ausreichend großen Aufzug, sodass Patienten auch liegend transportiert werden können.

Das Hinweisschild für den Eingang ist schon fertig, allerdings wird es erst angebracht, wenn das Telefon freigeschaltet ist - voraussichtlich Mitte Juni. So können Interessenten schon vor der Eröffnung Kontakt zur neuen Praxis aufnehmen. Marilena Höfer hofft, so vermeiden zu können, dass es am 1. Juli einen ähnlichen Tumult gibt, wie 2019 bei einer Kollegin. Dort standen die Patienten schon am frühen Morgen Schlange bis weit hinaus auf den Gehsteig. Gerade in Corona-Zeiten sei ein solcher Auflauf nicht zu verantworten.

Coburgs OB: "Könnten noch 20 mehr Hausärzte sein"

Bis September letzten Jahres war in Höfers künftiger Praxis Dr. Brigitte Bauer tätig. Als sie sich aus gesundheitlichen Gründen zur Ruhe setzen musste, herrschte Entsetzen in Coburg - wieder ein Hausarzt weniger. In Coburg Stadt und Landkreis sind aktuell 75 Hausärzte tätig. Doch es könnten auch noch 20 mehr sein, wie Oberbürgermeister Dominik Sauerteig bei einem Presserundgang in der künftigen Praxis vorrechnete. Er sei zwar erst ein Jahr im Amt, aber die frustrierten Anrufe von Bürgern, die keinen Hausarzt fänden, hätten stetig zugenommen. Dass es so nicht weitergehen konnte, war klar, aber was tun? Der Freistaat fördert zwar die Ansiedlung von Hausärzten, aber nur in Kommunen mit bis zu 20000 Einwohnern. Schlechte Karten für Coburg - der OB will bei der Staatsregierung aber "weiter bohren".

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) sei für eine ausgewogene Verteilung der Ärzte in Bayern zuständig, man kenne dort die angespannte Lage in Coburg, nenne das sogar "drohend unterversorgt", sagt der OB. Dennoch war erst noch ein harter Kampf, unter anderem mit "sehr bösen Briefen" nötig, bis die KVB einlenkte und Fördergelder für Coburg freigab.

60.000 Euro erhalten Ärzte, die hier eine neue Praxis eröffnen. Auch Marilena Höfer hat das Geld bekommen - und, so betont sie, das habe für sie tatsächlich den Ausschlag gegeben, ihre Stelle in der Wüstenahorner Arztpraxis aufzugeben und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen - das, und auch die Hilfe der Wifög bei der Suche nach geeigneten Praxisräumen.

Förderung von 60.000 Euro gibt den Ausschlag für Marilena Höfer

"Es hat uns überrascht, dass diese Förderung tatsächlich am Ende der ausschlaggebende Punkt ist", sagt OB Sauerteig und spricht damit auch für seine Mitstreiter von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög) der Stadt Coburg. Aber offensichtlich bringe "diese Anschubfinanzierung" Interessenten dazu, sich Gedanken über eine eigene Praxis in Coburg zu machen.

Der Erfolg gibt Sauerteig und der Wifög recht: Schon am 1. Oktober wird die nächste neue Hausarztpraxis eröffnet. Es handle sich um einen männlichen Arzt und die Praxis befinde sich ebenfalls in der Innenstadt. Mehr will Wirtschaftsförderin Diana Schmitt allerdings noch nicht verraten. Nur so viel: Es hätten sich noch zwei, drei weitere Interessenten gemeldet. Hier sei allerdings noch nichts spruchreif.

Das Projekt Hausarztpraxis hat Diana Schmitt und Wifög-Geschäftsführer Stephan Horn ganz neue Aufgaben beschert. Nachdem sich die Wifög die einstige Praxis Bauer gesichert hatte, musste zunächst die Einrichtung sortiert werden. Einiges hat die Wifög übernommen und an Marilena Höfer weiter vermietet. Was technisch nicht mehr auf dem aktuellen Stand war, wurde aber nicht weggeworfen, wie Stephan Horn betont. Er habe nicht geahnt, wie begehrt technische Gerätschaften sind, die modernen Ansprüchen eigentlich nicht mehr genügen. Bis nach Afrika habe die Wifög ausrangierte Medizintechnik verkauft.

Das ist die Coburger Ärztin Marilena Höfer 

Marilena Höfer (38) ist in Coburg geboren und aufgewachsen. Nach ihrem Abschluss am Casimirianum studierte sie zunächst zwei Jahre in Gießen, schwenkte dann aber auf Humanmedizin in Erlangen um. Nach ihrer Approbation 2010 trat sie im Januar 2011 ihre Stelle am Klinikum Coburg an. Sie durchlief diverse internistische Abteilungen und arbeitete dann noch ein Jahr in der Neurologie. Am Klinikum begann Marilena Höfer auch ihre Facharztausbildung. 2014 wechselte sie nach Wüstenahorn in die Praxis von Dr. Maro Ritter. Dort schloss sie ihre Facharzt-Ausbildung für Allgemeinmedizin ab und legte vor drei Jahren die Facharztprüfung ab, die es ihr erlaubte, sich selbstständig als Allgemeinärztin niederzulassen. Marilena Höfer ist verheiratet und hat zwei Kinder.