Gemessen an den Vorwarnungen erwies sich "Friederike" am Donnerstag eher als eine steife Brise, denn als Orkan. Das Sturmtief streifte Franken mit mäßiger Stärke. Das war wohl ein gutes Stück Glück, angesichts der doch beachtlichen Schäden, die schon durch den eher schwachen Sturm angerichtet wurden. Hätten die angekündigten Orkanböen das Coburger Land getroffen, wären die Bäume wohl Reihenweise gefallen.
Auch so waren die Einsatzkräfte der Feuerwehr vielerorts gut beschäftigt, um umgestürzte Bäume von den Straßen zu schaffen. Von Heldritt in Richtung Hetschbach stürzte ein Baum auf die Fahrbahn der Ortsverbindungsstraße. Kaum war er beseitigt, fiel der nächste - diesmal auf die Straße zwischen Heldritt und Grattstadt. Wenige Kilometer weiter sägten Feuerwehrleute da schon eine Fichte in Stücke, die in der Nähe von Rottenbach auf die Fahrbahn gestürzt war.


Auf alles vorbereitet

Die integrierte Leitstelle des Bayerischen Roten Kreuzes Coburg hatte bereits seit 12 Uhr das Personal aufgestockt, um vorbereitet zu sein, sollten sich die Einsätze wegen Schäden durch Sturm Friederike häufen.
Die ersten Meldungen von umgestürzten Bäumen trafen gegen 15.30 Uhr ein. Coburgs Kreisbrandrat Manfred Lorenz bestätigte, dass aufgrund des Sturms ein Baum bei Neuensorg in Richtung Neuensee und ein weiterer Baum bei Heldritt in Richtung Hetschbach umgestürzt sind.


Büros teilweise geschlossen

Im Coburger Landratsamt wurde allen Mitarbeitern frei gestellt, nach Hause zu gehen, wenn sie das als Vorbeugung wegen des Sturms wollten. Die dann verwaisten Büros blieben zu, es gab dort auch keine Notbesetzung. "Landrat Michael Busch hat aus Fürsorgeerwägungen heraus diese Maßnahme ermöglicht", hieß es in der um 12.13 Uhr veröffentlichten Pressemitteilung.Die Regelung betraf auch die Zulassungs- und Führerscheinstelle sowie das Jobcenter Coburg Land.
Um 14.12 Uhr teilte die Coburger Stadtverwaltung die sofortige Schließung mit. Auch hier war der Grund den Oberbürgermeister Norbert Tessmer nannte die Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern.


Kitas informiert

Per Mail informierte das Landratsamt auch alle Kindertagesstätten im Coburger Land über die drohenden Wetterkapriolen und empfahl, sämtliche Eltern telefonisch zu kontaktieren. Geschlossen wurden die meisten Kitas zwar nicht, aber es sollte allen Eltern selbst überlassen werden, ihre Kinder eventuell schon früher nach Hause zu holen.


Schüler nach Hause geschickt

Kurios: Als die Nachricht eintrudelte, dass ab spätestens 12 Uhr alle Schüler nach Hause geschickt werden sollen, saßen die Leiter aller fünf (Coburger und Neustadter) Gymnasien gerade zusammen bei einer Veranstaltung mit dem Coach Martin Winterheller im Coburger Kongresshaus (siehe dazu auch Seite 11). Sie verließen daraufhin kurz den Saal und besprachen sich. Die Veranstaltung vor knapp tausend Schülern, die eigentlich bis 13 Uhr angesetzt war, wurde daraufhin abgekürzt.
Am frühen Nachmittag wurde am Gymnasium Casimirianum auch beschlossen, die für den Abend zusammen mit vielen Vereinen geplante Sport-Gala abzusagen. Schulleiter Burkhard Spachmann teilte mit, dies sehr zu bedauern - aber: "Die Sicherheit der Schüler und Teilnehmer der Vereine sowie der Eltern und Besucher geht vor." Am Freitagabend solle die Gala allerdings - wie geplant - stattfinden.
Die für den Donnerstagabend angesetzte Bürgerversammlung im Neustadter Stadtteil Bergdorf Höhn für alle Bergdörfer wurde ebenfalls abgesagt. "Die Wege zu den Bergdörfern führen alle durch den Wald. An anderer Stelle hätte ich wohl nicht abgesagt, aber in diesem Fall halte ich es für angebracht", begründete Oberbürgermeister Frank Rebhan seine Entscheidung. os/rlu