Hans-Dietrich Genscher, Udo Lindenberg und Sängerin Shakira staunten bestimmt nicht schlecht: Als sie 2010 die Einladung zur Bambi-Verleihung öffneten, präsentierte sich inmitten der Karte ein kleiner Bildschirm. Auf Fingerdruck spielte sich dort dann ein 30-sekündiger Film ab - untermalt mit Musik und gespickt mit Ausschnitten und Höhepunkten vergangener Bambi-Verleihungen. Emotionen pur - transportiert von einer einzigen kleinen Karte. Und wo wird so etwas entwickelt? Bei der Firma Audio Logo in Ummerstadt im Rodachtal - und das erfolgreich seit mittlerweile 17 Jahren.



"Unser Spezialgebiet ist ,Video in Print', Soundkarten sowie andere Werbemittel mit Licht-, Sound- und Videoeffekten", erklärt Geschäftsinhaber Chris Bardin, gebürtiger Amerikaner und Ehemann der Ummerstadter Bürgermeisterin Christine Bardin. Und er lächelt ein wenig verschmitzt: "Kurz gesagt, es ist eine Art Spielzeug für Erwachsene!"

Chris Bardin kann mit Stolz auf eine große Auswahl dieser "verspielten" Produkte schauen, die er in den letzten Jahren geschaffen hat. Angefangen hat es mit Einladungen und Broschüren mit Sound und Lichteffekten, beispielsweise für Escada, Porsche oder Mercedes. "2009 haben wir dann die erste Video-in-Print-Broschüre in Deutschland entwickelt", erzählt Bardin. Das war für den Versandhandel Otto, der zu diesem Zeitpunkt begann, mit der Sängerin Nena als Werbeikone ein neues Image aufzubauen. Die Ummerstädter durften den neuen Weg begleiten, sie haben eine Mappe im Magazinformat entworfen und darin einen Bildschirm mit Filmsequenz eingebaut. Die aufmerksamkeitserregende Broschüre lag viele Wochen lang bundesweit als Werbematerial für Abonnentinnen der Gala aus Düsseldorf und Hamburg bei."

Und heute? Audio Logo "bastelt" unter anderem multimediale Geschäftsberichte und Imagebücher. "Gerade führen wir einen Auftrag für Siemens HealthCare in Erlangen durch", sagt Bardin und deutet auf einen langen Tisch, auf dem gerade Bücher elektronisch aufgeladen werden. Es sind sogenannte Imagebücher mit eingebautem Bildschirm. 10   000 Stück haben die Erlanger in Auftrag gegeben, ein echter Großauftrag für die kleine Firma in Ummerstadt.

Es beginnt mit der Entwicklung der Stanzkontur, die teilweise so aufwändig und durchdacht ist, dass Chris Bardin es mit dem Bau eines Hauses vergleicht. Die Eckdaten hierfür hat Kundenberaterin Carolin Scholz zuvor mit dem Kunden in allen Details abgesprochen. Wenn ihm dann der "Rohbau" von Audio Logo zusagt, geht der Auftrag weiter an die Druckerei. Bedruckt und zurück in den Hallen im Ummerstädter Gewerbegebiet werden schließlich die Module eingebaut, die technische Finesse beginnt. Dann ist das Geschick und Know-how von Tim Sedlatschek gefragt. Der Produktionsleiter programmiert die filigranen Module ganz individuell und prüft den Speicherplatz. Ein Kollege baut sie ein, das Produkt kommt an die besagte Ladestation. Die Bücher werden eingeschweißt und für den Versand vorbereitet.

Texas, Hongkong, Ummerstadt

Chris Bardin und sein Team legen großen Wert auf Qualität - von der kompetenten Kundenberatung über die Abläufe, die Ausgestaltung bis hin zur Funktion. So wollen sie sich von anderen Anbietern in Deutschland abheben. "Zwar werden unsere Module auch in Fernost hergestellt, aber wir haben selbst ein Modul entwickelt", sagt Chris Bardin, "dafür war ich vor einigen Jahren extra in Hongkong."

Der gebürtige Texaner ist ein Macher-Typ, weltoffen und davon überzeugt, dass eine Firma nur gut läuft, wenn alle im Team zusammenhalten und wenn mit Kopf und Herz im Einklang gearbeitet wird. Sein Herz war es ja einst auch, das ihn nach Ummerstadt führte, wo seine Frau seit vielen Jahren die Geschicke der Stadt lenkt. Chris Bardin fühlt sich mit ihr und den beiden Söhnen wohl in der thüringischen "Provinz", im Rodachtal an der Grenze zum Coburger Land.

Nach dem Studium der Politikwissenschaften und der Anthropologie an der University of Texas at Austin war er zunächst "Künstleragent", wie er es selbst schmunzelnd nennt. Als Restaurantführer organisierte er damals für Künstler Ausstellungen in seinen Räumlichkeiten. Später ist er für drei Jahre in die Filmbranche gewechselt, war bei einer amerikanischen Kinoproduktionsfirma beschäftigt. Er hat viele Menschen aus dem Filmbusiness kennenlernen dürfen - aber damals natürlich noch nicht geahnt, dass er eines Tages die Einladungen für eine Bambi-Verleihung entwickeln würde. Text: Christina Hauptmann