Norbert Köhler und seine Herrether hat das Corona-Virus zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt erwischt. "Wir waren mit 17 Mann aus dem gesamten Itzgrund kurz vor dem Abschluss der Truppmannausbildung", erzählt der Kommandant. Und dann kam der Lockdown. Seitdem hat es in Herreth keine Übung mehr gegeben. Einmal hat Norbert Köhler mit zwei Kameraden mal die Pumpe laufen lassen, das war's. Aber bald geht's wieder los mit den Feuerwehrdiensten im Landkreis.

"Es muss ein Feuerwehrleben mit Corona geben", sagt Kreisbrandrat Manfred Lorenz. Um diesem Leben Regeln zu geben, hat die Kreisbrandinspektion eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit den Vorgaben für die Rückkehr zum aktiven Feuerwehrgeschehen auseinandersetzen sollte. Jetzt liegt der Schlachtplan vor, es kann also wieder losgehen.

Alles nicht so einfach im Ernstfall

Eine Sache war dem Kreisbrandrat bei der dreiseitigen Zusammenfassung (an der noch etliche Seiten Infos des Landesfeuerwehrverbandes hängen) wichtig: "Wir wollten die Sache nicht von oben diskutieren." Deshalb trafen sich in der Arbeitsgruppe Vertreter der verschiedensten Feuerwehr-Größenordnungen - von Norbert Köhler aus dem vermeintlich kleinen Herreth bis hin zum Neustadter Kommandanten, Florian Höfner.

Dass es mit den Hygienevorgaben gerade im Ernstfall nicht ganz einfach ist, wissen alle. Manfred Lorenz berichtet von den zwei großen Einsätzen in der Corona-Hochphase, als bei Wohnhausbränden eine Armada an Einsatzkräften vor Ort war. Da immer den Überblick und die Maske aufzubehalten, ist selbst dem Kreisbrandrat nicht immer gelungen. "Aber mittlerweile fällt es leichter, wie im Alltag halt auch", sagt Manfred Lorenz.

Wichtig ist, dass inzwischen allen Feuerwehraktiven im Landkreis die entsprechende Schutzausrüstung zur Verfügung steht. "Unser Ziel war, dass alle gleich ausgestattet sind. Also mit FFP-2-Schutzmaske und Einmalhandschuhen", berichtet Kreisbrandinspektor Reinhard Hartung, der die Corona-Arbeitsgruppe geleitet hat. Weil dies nun der Fall ist, drückt der Kreisbrandrat aufs Tempo: "Es ist wichtig, dass jetzt alle Feuerwehr langsam wieder anfangen."

Auch, betont Lorenz, damit die Bevölkerung draußen bemerkt, dass ihre Feuerwehr wieder aus der Corona-Zwangspause zurückgekehrt ist. Gerade bei kleineren Feuerwehr wird es auch Zeit. "Da haben bei vielen die letzten Übungen im Herbst vergangenen Jahres stattgefunden", weiß Manfred Lorenz. Danach kam erst die Winter-, dann die Viruspause. "Noch mal so eine lange Pause können wir uns als Feuerwehren nicht leisten", sagt der Kreisbrandrat.

Norbert Köhler steht daneben und nickt. "Naja", räumt er dann ein, "wir als kleine Feuerwehr tun uns da nicht ganz so schwer." Schließlich besteht die Hauptarbeit der Mannschaften mit Tragkraftspritzenanhänger im Ernstfall zumeist in der Sicherung der Löschwasserversorgung. Die beherrschen Köhler und seine Mannen eh aus dem Effeff. Aber nach den Schulferien wird Köhler die Herrether mal wieder zur Übung rufen, auf dem Dienstplan steht dann die Einweisung für die neuen Hygienevorschriften. Und danach noch ein bisschen gesellig zusammenbleiben dürfen sie selbstverständlich. Auch das ist Manfred Lorenz wichtig: "Die Kameradschaft zu fördern, dass gehört bei der Feuerwehr dazu. Und das haben auch viele vermisst."

Die Verantwortung ist riesig

Aber Manfred Lorenz wäre falsch auf seinem Posten, wenn er jetzt nicht warnend den Zeigefinger heben würde. Nachdem die erfahrenen Mitglieder der Corona-Arbeitsgruppe im Untersiemauer Feuerwehrhof mal gezeigt haben, wie Saugschlauchkuppeln mit Atemschutz bei stechender Sonne funktioniert, ruft der Kreisbrand seine Kommandanten zur Sorgfalt auf: "Wir müssen unseren Leuten gegenüber pingelig sein." Das Corona-Virus mit seinen gefährlichen Folgen sei eine große Herausforderung für die Aktiven beim Umgang miteinander.

Die Vorgehensweise des Coburger Kreisbrandinspektors beschreibt Manfred Lorenz als "etwas abwartend". Gleich wieder mit Vollgas in den Ausbildungsbetrieb gehen, davon hält der Chef der 99 Feuerwehren im Landkreis nichts. Geht es nach der Feuerwehrführung, könnten allerdings ab Herbst wieder Leistungsprüfungen abgenommen werden. Aber Druck in dieser Richtung wird es von Manfred Lorenz nicht geben: "Ob es wirklich Feuerwehren gibt, die eine Prüfung ablegen wollen, wird die Zeit zeigen." Erst einmal gehe es darum, wieder in den Feuerwehralltag zurückzukehren.

Die fünf wichtigsten Regeln für die Feuerwehren

1 Ohne Grundausstattung mit FFP-2-Maske, Einweghandschuhen sowie Hand- und Flächendesinfektion geht gar nichts.

2 Jedes Feuerwehrgerätehaus braucht ein Hygienekonzept sowie Anwesenheitslisten für jede Veranstaltung.

3 Übungen finden möglichst im Freien und nur in festen Gruppen mit der Maximalstärke von acht Personen statt. Sollte dabei der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden können, herrscht Maskenpflicht.

4 Die Einhaltung der Hygieneregeln (regelmäßiges Händewaschen, Körperkontakt vermeiden, Niesetikette beachten) ist unerlässlich.

5 Der Besuch von Personen, die keinen Feuerwehrdienst leisten, ist in den Gerätehäusern auf ein absolutes Minimum zu beschränken.