Konzentriert bearbeitet Maximilian Wall mit einer kleinen Säge einen groben Holzklotz und hobelt, bis die Späne fliegen. Renate Luthardt blickt dem Jungen dabei über die Schulter. "Wir wollen heute den Kindern die Schnitzerei von früher weiter geben", sagt Luthardt. Inmitten des bunten Markttreibens im Museum der "Alten Schäferei" war Renate Luthardt am Samstag beim ersten "Schlenkermarkt" mit dabei, um Produkte zu verkaufen und um altes Handwerk wieder aufleben zu lassen.


Im Museum und in der Scheune fühlten sich kleine und große Besucher wohl, kauften ein, bastelten oder ließen von "Narretau", einem Zauberer und Gaukler, unterhalten. Mit Einbruch der Dämmerung erleuchtete eine fulminante Feuershow die Nacht.


Museumsleiterin Chris Loos, die seit einem Jahr im Amt ist, zeigte sich hellauf begeistert angesichts der Resonanz auf den ersten Versuch die uralte Tradition des "Schlenkelns" oder "Schlenkerns" wieder aufleben zu lassen. Loos: "Klar wünscht man sich, dass das Anklang findet. Heute freuen sich die ganze Mannschaft und alle Ehrenamtlichen."


Die Weihnachtszeit ist vorbei

Die Museumsleiterin erläuterte den Besuchern die Hintergründe des Brauches: Mit dem Fest der "Mariä Lichtmess" am 2.Februar endete demnach im kirchlichen Jahr die Weihnachtszeit. Mit der Lichtmess, sagte Loos, ging das bäuerliche Jahr zu Ende. Mägde und Knechte erhielten ihren Lohn, der neue Dienstvertrag wurde verhandelt. Bis zum Antritt des neuen Dienstes hatte das Gesinde demnach oft mehrere Tage frei und schlenderte oder "schlenkerte" herum. "Man besuchte den Schlenkermarkt, um sich allerlei Schönes zu kaufen", erzählte Chris Loos.


Genau dies taten die Besucher auch am Samstag. Sie stöberten im Sortiment an schönen Dingen, wie Strickwaren, Gefilztes, Schmuck und Töpferwaren. Gertrud Schneider, Töpferin aus Straufhain, kommt mit ihren Gebrauchskeramiken immer gerne nach Ahorn: "Viele schauen, aber es kommen auch Stammkunden, die ich vom Töpfermarkt kenne und die bei mir einkaufen. Es ist eine rundum schöne Veranstaltung. "


Von alten Lichtmess-Märkten, erklärte Chris Loos, habe sich kaum einer in die heutige Zeit gerettet. Um so wichtiger sei es, diese in Erinnerung zu rufen. Im Museum waren 19 Händler dabei, auch Selbstvermarkter boten regionale Produkte an. Die Besucher schauten einer Glasbläserin oder der Spinngruppe der eifrigen Landfrauen zu, die aus Wolle Garn herstellten. Sie lauschten Gustav Luthardt, der in der Scheune Mundartgeschichten vorlas.


Ahorns Bürgermeister Martin Finzel (parteilos) freute sich, dass in der "Alten Schäferei" nun ein neues Format angeboten und vor allem angenommen werde: "Die Sache ist ausbaufähig." Beim "Schlenkermarkt" handele es sich um ein neues Konzept, das das Museum weiterentwickeln und auf Leinen-Produkte ausdehnen könne.