Coburg
Wirtschaft

Entscheidung gefallen: Brose verlegt wichtige "Zentralfunktionen" nach Bamberg

Weitere wichtige Zentralfunktionen des Automobilzulieferers werden sich künftig in der Domstadt befinden - in Coburg hingegen sind keine Kapazitätserweiterungen mehr geplant. Ausschlaggebend für diese Strategie waren nicht nur rein logistische Gründe.
Brose hat derzeit 25000 Mitarbeiter an 65 Standorten in 24 Ländern - die Zentrale ist am Stammsitz in Coburg. Matthias Hoch

Die Gesellschafterversammlung der Brose-Gruppe hat am Montag unter Vorsitz von Michael Stoschek getagt und entschieden - und bei der Begründung des "pro Bamberg"-Votums kein Blatt vor den Mund genommen.

So wird die "mangelnde Unterstützung durch Stadtverwaltung und Stadtrat" als ein Grund genannt, warum sich weitere wichtige Zentralfunktionen künftig nicht mehr in Coburg befinden werden, sondern knapp 50 Kilometer südlich. Gleichzeitig wird in einer Pressemitteilung die "konstruktive Zusammenarbeit" mit der Stadtverwaltung von Bamberg gelobt.

Logistikzentrum soll trotzdem kommen

Doch selbst, wenn zwei große Investitionen (Neubau eines Entwicklungszentrums und Neubau eines Verwaltungsgebäudes) jetzt am Berliner Ring in Bamberg statt in Coburg getätigt werden: Die Vestestadt muss nicht völlig in die Röhre schauen. So ist nach wie vor geplant, an der Dieselstraße ein Logistikzentrum zu errichten. Bereits begonnen haben die Bauarbeiten für ein Parkhaus auf dem Areal zwischen Bamberger Straße und Max-Brose-Straße. Noch "diskutiert" wird laut Brose-Pressemitteilung der Bau einer neuen Halle für die Kunststofffertigung an der Ecke Uferstraße/Ernst-Faber-Straße.

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Grundsätzlich aber, so wird betont, verschieben sich die fränkischen Aktivitäten der Brose-Gruppe "weiter in den Raum Bamberg". In Coburg hingegen seien keine "Kapazitätserweiterungen" mehr vorgesehen.

Es war allerdings nicht nur die von Brose offenbar unterschiedlich bewertete Qualität der Zusammenarbeit mit den jeweiligen Stadtverwaltungen und Stadträten, die den Ausschlag zugunsten von Bamberg gaben. So wird in der Brose-Pressemitteilung sehr wohl auch darauf hingewiesen, dass der Standort Bamberg viele logistische Vorteile hat: eine bessere Verkehrsanbindung, eine "höhere Attraktivität zur Gewinnung neuer Mitarbeiter" sowie die vom Bamberger Stadtrat beschlossenen Vorleistungen für den Ausbau des Geländes und des Flugplatzes.

Welche Altlasten schlummern in Coburg?

Gegen Coburg wiederum spricht außer der schlechteren Verkehrsanbindung auch die ungeklärte Frage, welche Altlasten noch im Untergrund des anvisierten Baugeländes schlummern - und vor allem, wer die Kosten einer notwendigen Altlasten-Sanierung übernimmt. Brose sieht hier die Stadt als vormaligen Eigentümer in der Pflicht.

Doch auch "über der Erde" ist das Baugelände, das sowohl für ein neues Entwicklungs- als auch ein neues Verwaltungsgebäude infrage gekommen wäre, nicht unproblematisch - denn dort stehen einige Bäume! In der Brose-Pressemitteilung vom Montag ist die Rede von "Problemen der Bauabwicklung im Stadtgebiet mit altem Baumbestand". Heißt im Klartext: Zwei neue Gebäude lassen sich auf einer "grünen Wiese" wie in Bamberg nun einmal deutlich einfacher errichten als auf im wahrsten Sinne des Wortes bereits "gewachsenen" Grundstücken wie in Coburg etwa zwischen der Bamberger Straße und der Max-Brose-Straße.

Das Problem mit den Bäumen

Erst in der jüngsten Sitzung des Coburger Stadtrats war bekannt geworden, dass Brose die Fällung von zunächst 33 Bäumen beantragt hatte; es gab zwar daraufhin nur 28 Genehmigungen, doch "irrtümlich", wie die Baustadträtin Mechthild Neumann sagte, habe Brose dann doch alle 33 Bäume entfernt. Und diese Fällungen sollten nicht die letzten sein.