Drei bis fünf Minuten, länger braucht ein Profi-Einbrecher in der Regel nicht, um in ein Haus oder eine Wohnung einzusteigen. Länger darf es aber auch nicht dauern, denn mit jeder Minute mehr, wächst die Gefahr, erwischt zu werden. Deshalb sollte man sich bei der Sicherung seines Eigenheims darauf achten, es Einbrechern so schwer wie möglich zu machen, sagt Christian Wollinger. Der 41-jährige Bad Rodacher ist der neue Fachberater bei der Coburger Kriminalpolizei. Ein gutes Jahr hat er seinen Vorgänger Eugen Hügle unterstützt, der die Beratungsstelle im Schlösschen am Rittersteich (Allee 3) bis Ende Januar leitete. Im Interview erzählt Christian Wollinger, wie die Beratung abläuft und gibt Tipps, wie man schon mit einfachen Mitteln Einbrechern das Leben schwer machen kann.

Sie sind seit einem Jahr dabei. Wie häufig wird die Beratungsstelle in Anspruch genommen?
Anfragen habe ich viele, aber dass jemand persönlich vorbei kommt, ist selten. Es ist zwar möglich, der würde aber meistens auf verschlossene Türen treffen, weil ich sehr viel unterwegs bin. Deswegen ist eine Terminvereinbarung immer am besten. Dann komme ich zu den Leuten und berate sie vor Ort. Das ist besser, als wenn mich jemand anruft und mir am Telefon seine Kellertür beschreibt. Meistens sind es ja mehrere Sachen, die zusammenkommen. Ich erstelle eine Sicherheitsanalyse vom Haus.

Dabei entdecken Sie sicher auch viele Schwachstellen, die man als Wohnungs- oder Hauseigentümer gar nicht sieht.
Richtig. Manchmal ist dann die Kellertür besser als der Rest (lacht). Die Beratung dauert ungefähr eine Stunde. Ich habe auch eine Liste mit Fachfirmen dabei, die mechanische Nachrüstungen durchführen. Die Firmen sind beim Landeskriminalamt gelistet. Sie sind geprüft und qualifiziert und wissen, was Einbruchschutz bedeutet. Da hängt schon einiges dran. Die Firmen müssen sich beim LKA vorstellen, müssen Führungszeugnisse vorlegen, müssen in der Handwerksrolle eingetragen sein. In Oberfranken haben wir circa 80 dieser Firmen, bayernweit rund 350.

Wer lässt sich von Ihnen beraten?
Das ist ganz unterschiedlich. Vom Besitzer einer kleinen Eigentumswohnung bis zum Einfamilien- oder Mehrfamilienhaus, auch große Wohnanlagen sind dabei. Wir beraten natürlich auch Firmen, etwa mittelständische Industriebetriebe im Rahmen des Einbruchschutzes. Das ist bunt gemischt.

Finden Sie bei Ihren Kunden schon einen gewissen Schutz vor, an dem man merkt, dass sich da jemand Gedanken gemacht hat?
Viele machen sich zwar Gedanken oder glauben, dass ein Schutz da ist, aber in über 80 oder sogar über 90 Prozent der Fälle ist selbst bei neueren Fenstern keine Einbruchhemmung vorhanden.

Woran liegt das? Beraten denn die Firmen ihre Kunden nicht richtig, die bei ihnen neue Fenster kaufen?
Schlecht! Wobei jetzt schon mehr Augenmerk auf Einbruchschutz gelegt wird. Die zertifizierten Firmen, die auf unserer Liste stehen, die schauen schon eher drauf. Wir kriegen immer wieder mit, es wird auf Schallschutz, Wärmeschutz, allen möglichen Schutz Wert gelegt, aber der Einbruchschutz kommt zu kurz. Dann ist es schade, wenn ich jemandem, der sich eben erst neue Fenster gekauft hat, sagen muss: Die Fenster sind alle toll und schön, aber Einbruchhemmung ist nicht vorhanden. Man müsste nachrüsten und das ist teurer als wenn man gleich von Anfang an das richtige kauft. Deswegen haben wir bei den Landratsämtern Bauherren-Infoblätter ausgelegt und per E-Mail verschickt. Wenn jemand einen Bauantrag stellt, bekommt er das gleich mit dazu. Wenn ich mir in der Planungsphase gleich Gedanken über einbruchhemmende Fenster und Türen mache, spare ich mir im Nachhinein einen Haufen Geld und habe gleich Schutz. Das wertet auch die Immobilie auf.

Woher kommen die meisten Anfragen?
Mein Einzugsbereich sind die Landkreise Coburg, Kronach und Lichtenfels. Kronach und Lichtenfels sind recht stark vertreten, dann das Coburger Stadtgebiet, im Landkreis mehr die Richtung Rödental, Lautertal, Dörfles. Ich halte auch Vorträge zum Einbruchschutz und zur Seniorensicherheit, Trickbetrüger, Trickdiebstahl. Bei der IHK Coburg ging es auch um Ladendiebstahl. Die IHK hat die Werbetrommel gerührt, aber trotzdem nur drei Anmeldungen bekommen. Die Einzelhändler haben offenbar kein Interesse dran, dabei liegt der Schaden in Deutschland jährlich bei mehreren Milliarden Euro.

Woher kommt diese Haltung im Einzelhandel?
Die meisten Einzelhändler sagen, das ist eben so, da kann man sowieso nichts dagegen tun. Und es kostet ja Geld, wenn man etwas machen will. Dabei reichen manchmal schon Kleinigkeiten, die man ändern kann. Zum Beispiel, für die Bürotür außen einen Knauf anzuschaffen, damit nicht jeder hinein marschieren kann. Das sind Sachen, die kosten nicht viel Geld, bringen aber trotzdem etwas.

Wie viele Kunden lassen sich im Jahr beraten?
In den drei Landkreisen waren es 2017 insgesamt 170 Beratungen und 30 Vorträge vor rund 900 Personen.

Warum ist die Beratungsstelle von der Polizeiinspektion in der Neustadter Straße eigentlich ins Rittersteichschlösschen gezogen?
Die Beratungsstelle ist seit 2013 hier im Schlösschen, vorher standen die Anschauungsobjekte in der Neustadter Straße im Treppenhaus. Das war nicht so schön. Das Landbauamt hatte damals Räumlichkeiten frei. So kam man drauf, dass hier die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle einziehen könnte. Zunächst mal sind wir nicht direkt die Polizei, weil viele Menschen auch Skrupel haben und denken, jetzt muss ich zur Polizei. Das hat man hier gar nicht. Wir sind hier auch ein bisschen mehr in der Stadt. Die Örtlichkeit ist prima.

Seit wann arbeiten Sie in der Beratungsstelle und wo waren Sie vorher?
Ich bin seit gut einem Jahr in der Beratungsstelle. Da bin ich mit dem Kollegen Eugen Hügle mitgelaufen. Er ist seit Februar im Ruhestand. Ich selbst bin seit 1993 bei der Polizei, war unter anderem bei der Rauschgiftfahndung in Nürnberg und dann bei der Bereitschaftspolizei in Bamberg, in den unterschiedlichsten Bereichen. Seit Februar 2017 bin ich bei der Kriminalpolizei in Coburg.

Wie sieht denn die Einbruchsstatistik in Coburg aus?
Die Statistik sagt, dass die Fallzahlen bayernweit fast um 20 Prozent gesunken sind. In Oberfranken hatten wir dagegen einen Zuwachs von 30 Straftaten, das waren 7,8 Prozent mehr. Im Großen und Ganzen leben wir in Oberfranken aber recht ruhig. Die Aufklärungsquote liegt bei Wohnungseinbruchsdiebstahl bei rund 20 Prozent. Im Gegensatz zur Allgemeinkriminalität, wo sie bei 50 bis 60 Prozent liegt, ist diese Quote aber recht gering.

Was macht die Aufklärung so schwierig?
Die Einbrecher sind nach der Tat wieder weg. Man hat den Täter nicht vor Ort. Meistens sind das überregional agierende Banden. Die zu ermitteln, ist ganz schwierig. Diesen Gelegenheitsdieb, so wie früher, von dem man wusste, wo er wohnt, zu dem man hinfährt und sagt: "Du warst es!", den gibt es gar nicht mehr.

Mit der zunehmenden Digitalisierung ändert sich sicher auch der Einbruchschutz, oder?
Ja! Wir empfehlen zum Beispiel für die Haustür eine Chiplösung, einen elektromechanischen Knauf. Man kann relativ einfach den Zylinder wechseln und den Knauf einbauen. Dann hat man fünf Chips, mit denen man öffnen kann. Den Chip könnte man auch dem Nachbarn geben, und den Chip so programmieren, dass er die Tür nur öffnet, während die Hausbesitzer im Urlaub sind. Das geht relativ einfach - ohne Computer. Heute kann man sogar jemand anderem eine Berechtigung aufs Handy schicken. Der hält sein Handy dann an den Türleser und kann aufmachen.

Klingt gut, aber nutzen nicht auch Einbrecher moderne Technik?
Gerade mit Technik wird eigentlich das wenigste gemacht. Einbrecher nutzen immer noch die klassischen Hebelwerkzeuge: Schraubenzieher, kleiner Kuhfuß, Brecheisen... dann wird am Fenster oder an der Terrassentür gehebelt, um ins Haus zu kommen. Ein abschließbarer Griff nützt zum Beispiel gar nichts, wenn das Fenster gekippt ist. Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster, deshalb nie gekippt lassen, wenn man weggeht.

Aber auch die Zeit, die ein Einbrecher braucht, um ins Haus zu gelangen, spielt eine Rolle, oder?
Ja! Man muss den Einbrecher möglichst lange vor der Tür halten, damit er nicht hereinkommt, die Lust verliert und unverrichteter Dinge wieder abzieht. Drei bis fünf Minuten soll es für den Täter höchstens dauern, bis er drin ist, und nach zehn Minuten ist er wieder verschwunden. Bei einbruchhemmenden Fenstern mit der Widerstandsklasse RC2, da spricht man von mindestens drei Minuten, die es Stand halten muss.

Viele Haus- oder Wohnungsbesitzer sagen, "bei uns ist doch sowieso nichts zu holen"...
Ja, das sagen viele. Aber selbst ein Handy, ein Geldbeutel, ein Ring, irgendetwas, was man schnell mitnehmen kann, ist für einen Einbrecher schon viel wert. Der finanzielle Schaden ist meistens gar nicht das Problem, sondern das Gefühl, im eigenen Haus nicht mehr sicher zu sein. Diesen psychologischen Aspekt darf man nicht unterschätzen, zu wissen, da war ein Einbrecher in der Wohnung, in der man sich eigentlich sicher gefühlt hat, und man weiß nicht, ob der wieder kommt.

Kontakt - Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle

Christian Wollinger
Dienststelle: Allee 3
Coburg
Telefon: 09561/645-424 (bitte gegebenenfalls Nachricht auf den Anrufbeantworter sprechen - Christian Wollinger ruft zurück!)
E-Mail: kripo-beratungsstelle-coburg@polizei.bayern.de