Ist es möglich und sinnvoll, Grund- und Mauritiusschule sowie Mehrfachturnhalle in Ahorn mit einer gemeinsamen Heizungsanlage in einem Nahwärmenetz zu verbinden, mit dem gleichzeitig das geplante Lehrschwimmbecken versorgt wird? "Ja, unter den derzeitigen Rahmenbedingungen", sagt Marco Höhn, Energieberater bei den KBN (Kommunalbetrieben Neustadt), der im Auftrag der Gemeinde Ahorn eine Machbarkeitsstudie erstellt hat.

"Das untersuchte Nahwärmenetz wird in Verbindung mit einer KWK-Anlage zur Strom- und Wärmeerzeugung die Energiekosten für die Gemeinde erheblich reduzieren", erläuterte Höhn. Das Schwimmbecken, das der Grundschule angegliedert werden soll, erhöhe mit seinem Bedarf an Wärme und Strom die Auslastung eines Blockheizkraftwerkes (BHKW) wesentlich. "Durch einen solchen Verbund könnten die beiden ineffizienten, mit Heizöl betriebenen Heizungsanlagen in der Mehrzweckhalle und der Mauritiusschule entfallen", fügte Bürgermeister Martin Finzel (parteilos) bei einem Pressegespräch im Ahorner Rathaus am Dienstag hinzu. Entstehende Wärmeverluste könnten durch die effiziente Anlagentechnik und Stromvergütungen kompensiert werden.


Die Idee dazu gibt es schon länger

Schon bei der Erstellung des Energiekonzeptes für die bayerischen Kommunen der Initiative Rodachtal (Ahorn, Bad Rodach, Itzgrund, Weitramsdorf und Untermerzbach) entstand die Idee, eine "Nahwärmeinsel" im Bereich des derzeit leerstehenden Lehrschwimmbeckens in der Freizeitanlage Witzmannsberg einzurichten. Nachdem der Gemeinderat es befürwortete, anstatt das alte Becken zu sanieren ein neues Schwimmbad an die Grundschule anzubauen, kam der Nahwärmeverbund als konkretes Projekt ins Spiel. "Angesichts der Grundlast des Bades und der räumlichen Nähe macht es Sinn, die drei Objekte miteinander zu verbinden", so Finzel, der auch Vorsitzender der IR ist. Neben einem verringerten Energiebedarf und der Nutzung erneuerbarer Energien erfüllt der Ahorner Nahwärmeverbund auch das im Energiekonzept festgelegte Ziel, die klimaschädigenden Emissionen zu senken: "Der CO2 -Ausstoß für die Beheizung und Stromversorgung in den Objekten wird um 35 Prozent sinken, das entspricht 127 Tonnen", prognostizierte Höhn.

Bei der Prüfung unterschiedlicher Betriebsformen und Nutzungsmöglichkeiten kamen dem KBN eigene Erfahrungen zugute, denn die Neustädter Stadtwerke betreiben selber ein Schwimmbad. Höhn berichtete: "Wir konnten in detaillierten Messungen durchspielen, wie sich veränderte Rahmenbedingungen auswirken." Am wirtschaftlichsten sieht der Energieexperte die Versorgung über ein BHKW an, bei der entweder der erzeugte Strom selbst verbraucht oder verkauft wird. Wegen der dichten Bebauung und der bereits auf dem Schulgrundstück vorhandenen Leitung soll es mit Gas betrieben werden. Der Rathauschef hofft das erwartete Defizit des Lehrschwimmbeckens deutlich senken zu können. "Ein Bad ist nie wirtschaftlich", so sein Kommentar. Die geplante Einsparung an Energiekosten sei auch ein wichtiger Bestandteil zur Finanzierung der Gesamtmaßnahme. Konkrete Angaben über die von der Gemeinde aufzubringenden Eigenmittel wollte Finzel am Dienstag nicht machen.
Das BHKW soll auf dem Grünstreifen neben dem leerstehenden "Schusterbau" errichtet werden, in dem früher die Hauptschule untergebracht war. Ein Teil dieses Baus wird für die Umkleidekabinen genutzt, das Becken selbst wird "angedockt". Der rechte Teil des Gebäudes soll nach erfolgter Sanierung der VHS und der Wasserwacht zur Verfügung stehen. Dazu wird die Grundschule generalsaniert.


Ausschreibungen gingen online heraus

Nachdem die Ausschreibungen bereits am Dienstag online gingen, die Gemeinde Eigentümer der meisten Gebäude ist und die Anträge auf Fördermittel laufen, hofft der Bürgermeister "auf eine rasche Umsetzung des spannenden Projekts". Höhn hält einen Beginn um die Jahreswende für realistisch. Auch private Haushalte könnten sich später anschließen. "Je mehr Abnehmer da sind, umso wirtschaftlicher wird der Nahwärmeverbund", sagte der Energieberater. Wie schon bei der Erstellung des Energiekonzepts begleitet das Amt für Ländliche Entwicklung die Umsetzung der Maßnahme, die mit 75 Prozent bezuschusst wird. "Wir freuen uns, dass wir die Verantwortlichen motivieren konnten, auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien weiter tätig zu werden", sagte Abteilungsleiter Wolfgang Kießling.

Wegen der Wechselwirkung von Wärme und Energie mache es Sinn, das Bad nach Ahorn zu verlegen, "doch das haben die Witzmannsberger leider noch nicht verstanden", zeigte sich der Bürgermeister enttäuscht über die Reaktion der Bürger. Was den geplanten Umbau der Freizeitanlage Witzmannsberg mit dem ehemaligen Schwimmbecken zum "Kulturbad" angeht, so erwartet Finzel in Kürze eine Entscheidung über eine mögliche Förderung durch das Eler-Programm (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums), wie er am Rande des Pressegesprächs mitteilte.