Die Gewänder haben die Schauspieler bereits übergestreift. Ludwig Öttl tauscht die Straßenschuhe gegen alte, abgetragene Lederstiefel. In die Runde ruft es: "Nehmt die Brillen, Armbanduhren und den Schmuck ab." Regieassistentin Elfriede Mohrenberger passt genau auf, denn derlei Accessoires gab es im 12. Jahrhundert nicht. In das Hochmittelalter werden die Zuschauer des Heimatspiels in der Christuskirche am Sonntag (3. Juni) entführt. Anlass ist das Gemeindefest "100 Jahre Kirchengemeinde Mönchröden".

Ungefähr 80 Leute, Mitglieder des Heimatvereins, des Gesangvereins, des Männer- und Frauenchores bereiten sich in diesen Tagen auf das Festspiel vor und proben fleißig. Harald Tischer, der Zweite Vorsitzende des Heimatvereins, erklärt: "Wir spielen die Gründung des Klosters vor 400 Jahren." Bernhard Maxara ist Opernsänger und Dramaturg und bekannt durch sein Mitwirken bei der Coburger Sommeroperette. Ihm obliegt in diesem Jahr die künstlerische Leitung des Heimatspiels. Die literarische Grundlage, sagt Maxara, liefere ein über 60 Jahre altes Drehbuch, das Gisela Aßheuer nach sehr sorgfältiger Recherche im Jahr 1949 verfasst habe. Den ersten Teil des Dreiakters bekommen die Zuschauer heuer zu sehen. Dass dies spannend wird, lassen die Proben erahnen.


Tipps vom Profi



"So sieht es aus, wenn man erschrickt", erklärt Maxara, der Bühnenprofi und springt zwischen den Akteuren hin und her. Er unterstreicht seine Worte durch Mimik und Gestik ausdrucksstark. Die Laiendarsteller wiederholen geduldig, immer und immer wieder die einzelnen Szenen, so lange, bis Maxara zufrieden nickt.

Das Spiel, sagt der Regisseur, sei keine leichte Aufgabe, da es als Versepos verfasst ist. Helene Bartholmeß leitet als Historica Poetica in das Spiel ein, Ludwig Öttl spielt Hermann von Winzenberg, den Burggraf von Meißen.


Riesiger Aufwand



So viel sei verraten: Nach dem Mord am Grafen von Luckenheim quälen den Burggraf von Meißen Wahnvorstellungen, er sieht den Geist des Ermordeten. Um ihn von seinem selbstquälerischen Gedanken abzubringen, soll er ein Kloster errichten. Ludwig Öttl hat schon 1983 den Burggraf von Meißen gespielt, damals wurden alle drei Akte aufgeführt. "Ein riesen Aufwand mit über 20 Pferden und 130 Mitwirkenden", erinnert er sich. Das Spiel hatte nach der Aufführung im Jahr 1950 viele Jahre geruht und wurde 1983 groß aufgeführt und seitdem wird ein Teil alle paar Jahre gespielt. "Weil es ein großer Aufwand ist ", erklärt Maxara, während Elfriede Mohrenberger einen fachkundigen Blick auf die Kleider wirft. "Das Gewand muss noch gekürzt werden", sagt sie und schaut zu Öttl. Der müht sich mit den Stiefeln ab.

Termine

Das Heimatspiel wird am Sonntag um 14 Uhr in der Christuskirche gezeigt. Damit feiert die Kirchengemeinde Mönchröden ihr 100-jähriges Bestehen.
Der Jubiläumsgottesdienst beginnt um 10 Uhr.
Das Kinderprogramm gibt es ab 15.30 Uhr.

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