Während der Mann sein Land verteidigt, flieht seine Frau mit den Kindern nach Deutschland. Sie müssen fast alles zurücklassen, nehmen nur das Allerwichtigste mit, das sie tragen können: Kleidung, ein paar Spielsachen... und ihre Haustiere.

Nach einer nervenaufreibenden Flucht steht die Frau mit vier Katzen und einem Hund bei Peter Neu im Behandlungszimmer. "Was die Menschen aus der Ukraine gerade erleben, kann sich niemand vorstellen." Und auch für die Tiere, vor allem für die Katzen, sei die Flucht traumatisch gewesen. " Ich habe die Tiere auf eigene Kosten gegen Tollwut geimpft, damit die Familie ohne Schwierigkeiten weiterziehen kann", sagt der Coburger Tierarzt. Die Familie sei auf dem Weg in die Notunterkunft in Bamberg gewesen.

Damit Tiere nach Deutschland einreisen dürfen, braucht es im Normalfall eine Genehmigung von den Behörden. Doch weil in diesen Wochen nichts normal ist, hat das Bayerische Umweltministerium die Pflicht ausgesetzt. Auch in Quarantäne müssen die Tiere nicht. Lediglich auf eine tierärztliche Untersuchung und die Tollwutimpfung bestehen die Veterinärämter. 35 Euro pro Haustier, die das Ministerium übernimmt.

Doch was, wenn sich ein Tier auf der Flucht die Pfote gebrochen hat oder anderweitig behandelt werden muss? 24 Tierärzte aus den Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels haben sich für diesen Fall etwas überlegt: Über die Notdienstgemeinschaft stellen die Veterinäre sicher, dass auch bei Notfällen in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen immer ein Tierarzt helfen kann. Die Einnahmen aus diesen kostenpflichtigen Notfall-Einsätzen wollen die Tierärzte jetzt dafür nutzen, um die Haustiere der ukrainischen Flüchtlinge kostenlos zu behandeln. "Wir wollen diesen armen Leuten, die bei ihrer Flucht noch an ihre Tiere gedacht haben, nicht noch Geld abknöpfen", sagt Peter Neu stellvertretend für seine Kollegen. Hätten die Menschen ihre Haustiere zurückgelassen, hätte das wahrscheinlich den Tod der Tiere bedeutet.

Auch das Tierheim bereitet sich vor

Damit sich Tiere und Besitzer, endlich in Sicherheit, in Deutschland nicht trennen müssen, sind in vielen Notunterkünften Haustiere erlaubt, doch nicht in allen. Bislang musste das Coburger Tierheim noch keine Kriegstiere aufnehmen. Sollten Flüchtlinge ihr Haustier aber dort abgeben müssen, wäre das theoretisch eine kostenpflichtige Pensionsleistung. Um ukrainische Flüchtlinge zu entlasten, will das Tierheim in solchen Fällen Aufrufe auf der Homepage, seiner Facebook-Seite und dem Coburger Tageblatt machen. "Menschen, die helfen möchten, können dann eine zweckgebundene Spende machen, um die Kosten für die Unterbringung abzudecken", erklärt Vorsitzende Angelika Sporniak, die aber hofft, dass möglichst viele Haustiere bei ihren Besitzern bleiben dürfen.