Überwältigt, ja ein wenig überrumpelt von dem Besucheransturm zeigten sich die Verantwortlichen nach dem Festsonntag zum 750. Jubiläum von Bischwind. "Mit rund 500 Besucher hätten wir niemals gerechnet", gestand Ortssprecher Udo Jahn am späten Abend, "das werden wir Bischwinder nicht vergessen." Begonnen hatten die Feierlichkeiten mit einem Gottesdienst in der evangelischen Dorfkirche. Sie seien auf der einen Seite "fleißig, anständig und fromm", andererseits aber auch stur, direkt und durchaus diskussionsfreudig", charakterisierte dabei Pfarrer Tobias Knötig die zu seiner Gemeinde zählenden Dorfbewohner.

Dass die Bischwinder schon früher durchaus ihren Willen durchzusetzen wussten, wenn andere sie vereinnahmen oder über sie bestimmen wollten, erläuterte Knötig anhand einer Anekdote aus dem 18. Jahrhundert. Damals gehörte das Dorf zwar der Herrschaft in Lichtenstein, kirchlich aber zur Gemeinde Memmelsdorf. Ein neuer, junger Pfarrer wollte seinem beliebten, alten Kollegen Bischwind "abluchsen", um in den Genuss der Versorgung mit wertvollen Naturalien durch die Einwohnern zu kommen. "Doch die Bischwinder wollten ihn nicht", schilderte Knötig, "so holten sie stets den bisherigen Pfarrer zum Gottesdienst." Der Jüngere begehrte auf und störte einen Festgottesdienst dermaßen, dass dieser abgebrochen werden musste. Kurzerhand verlegten die Bischwinder listig die nächste Beerdigung nach vorn und gaben nur dem angestammten Pfarrer Bescheid.

Für den Gesang sollten die in Heilgersdorf zur Schule gehenden Kinder sorgen. Als der junge Pfarrer nebst den Chorsängern aus Memmelsdorf eintraf und drohte, die Trauerfeier zu sprengen, sperrten die Bischwinder die Ankömmlinge kurzerhand in ein Haus, dessen Eingänge sie mit Zaunlatten verriegelten. Zwar konnten sich die ungebetenen Gäste befreien, doch wurden sie von den stärksten Männern des Dorfes in die Flucht geschlagen.


Gute Wünsche für Bischwind

"Ich wurde hier bisher weder ein- noch ausgesperrt", sagte Knötig zum Gelächter der zahlreichen Gottesdienstbesucher, also scheine seine Arbeit noch zu passen. Wer sich für seine Gemeinde einmische, könne gestalten und das Beste herausholen, schlussfolgerte er. Statt nach dieser Devise zu handeln, liefen die Bischwinder von heute immer wieder Gefahr, ihre Kraft nicht für die Gemeinde, sondern gegeneinander einzusetzen und zu viel Kraft im Streit und Kampf untereinander zu verbrauchen. Wenn sie sich dagegen zusammentun und als Gemeinde füreinander stritten, "dann gibt es wunderbare Ergebnisse", sagte der Pfarrer, "wie wir heute nicht nur am großen Fest, sondern auch auf dem Friedhof sehen können." Dieser wird derzeit von Bürgern in Eigeninitiative neu gestaltet und barrierefrei ausgebaut. Damit die Dorfgemeinschaft weiterhin funktioniert und der Ort noch mehr aufblüht, konnten Besucher nach dem Gottesdienst Ballons steigen lassen, denen sie auf einem Zettel gute Wünsche für Bischwind anhefteten.

Schon während der anschließenden Matinee reihten sich die Besucher geduldig in die Schlange vor der Essensausgabe ein. Die Heilgersdorfer "Dorfbäcker" holten bei ihrem Gastspiel im Nachbarort Rollbraten, Bauch sowie 24 Bleche mit diversen Kuchen aus dem Backofen. Unterdessen lieferte der imposante Kartoffeldämpfer der Familie Lehnert aus Brünn (Stadt Ebern), der noch aus Vorkriegszeiten stammt, eine Portion Pellkartoffeln nach der anderen, die unter anderem mit Matjes serviert wurden. Gleich daneben zeigten Vertreter der Braugemeinschaft aus Lindenau die alte Tradition des Fasspichens.

Auf den Nachwuchs wartete ein interessantes Kinderprogramm: Um Sebastian Fiedler hatten sich viele interessierte Jungen versammelt, um unter seiner Anleitung konzentriert Nistkästen zu basteln. Nebenan konnten große Holzblumen bemalt werden. Außerdem stand eine große Spielstraße mit massiven Holzspielzeugen wie Flipper, Minigolf oder einem Labyrinth zur Verfügung. Dann wurde es laut: Der Heilgersdorfer Schützenverein ließ es sich nicht nehmen, zum Dorfjubiläum einige Böller loszulassen. "Schließlich werden wir derzeit von Bischwind aus regiert", kommentierte 1. Schützenmeister Klaus Engelmann, auf den aktuellen Schützenkönig Oskar Mönch und Jugendschützenkönig Jonas Grämer deutend.


Chronik zum Jubiläum

Alexander Stich, langjähriger Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins, der neben der Feuerwehr und der Dorfjugend das Leben im Dorf prägt, hatte eigens zum Jubiläum eine neue Dorfchronik erstellt. Von dieser überreichte Jahn jeweils ein Exemplar an den Schirmherrn, Bürgermeister Martin Mittag, sowie Landrat Michael Busch. Der Ortssprecher sah in der Aufarbeitung der Vergangenheit auch eine "Pflichtaufgabe für die nachfolgenden Generationen". Alle hätten obendrein die Aufgabe, ihr Dorf weiterhin "lebens- und liebenswert zu gestalten", so Jahn. "Klein, aber oho", urteilte das Stadtoberhaupt. Mittag attestierte den Bischwindern ebenfalls eine "recht spezielle Art" sowie "einen eigenen Kopf", betonte aber auch, dass die Bürger viel auf die Beine stellten, auch ohne große Hilfe durch die Stadt. Und Busch betonte, er verspüre in Bischwind - ebenso wie bei zwölf vorangegangenen 750-Jahr-Feiern im Landkreis in den letzten 15 Monaten - einen großen Gemeinschaftsgeist. Neben großer Eigenleistung der "Bschwinner" habe der Landkreis seinen Beitrag geleistet, dass "das Dorf immer schöner wurde", hob der Landrat hervor. Für Staunen sorgte beim anschließenden Rundgang nicht nur bei den Ehrengästen die benachbarte Scheune von Rudi Höhn: Hier hatte der Eigentümer viele historische Bulldogs aufgereiht, neben weiteren Fahrzeugen wie alten Porsches.

"Für einen Festtag haben wir viel Arbeit gehabt", gestand Jahn. Sein Lob galt vor allem Petra Grell und Günther Schramm als Vorsitzenden des Festausschusses. Alle drei Bschwinner waren sich einig, dass sich der Aufwand gelohnt hatte. Vom Heilgersdorfer Wilfried Schramm erhielten die Cheforganisatoren zur Belohnung eine neue Dorfansicht fürs Gemeindehaus.


Querschnitt durch die Seßlacher Musiklandschaft

Zum 750. Jubiläum des Ortsteiles Bischwind gratulierten die musizierenden Gruppen auf ihre Weise.
Dass Musik ein Aushängeschild Seßlachs darstellt, bewiesen am Sonntag die musizierenden Gruppen der Stadt bei der diesjährigen Matinee erneut. Zehn Chöre, Kapellen und Bläser boten auf der Festwiese hinter dem Bischwinder Backhaus überzeugende Proben ihren Könnens. Vom Walzer "An der Schönen Blauen Donau", der "Blues Brothers Revue", "Der Herr segne und behüte Dich", die Polka "Egerländer Feiertag", den Gospel "Let justice roll down" über "Oh Herr, welch ein Morgen" bis hin zu "Sonntag ist"s", den Treibermarsch und "Walking von Sunshine" reichte die Bandbreite der Darbietungen.

Eröffnet und beschlossen wurde das musikalische Grußwort gemeinsam von den Jagdhornbläsern Seßlach (Leitung Harald Plietsch) und den Jagdhornfreunden Rodachtal (Ferenc Bátyi). Es spielten auf die Posaunenchöre Gemünda (Barbara Hämmelmann) und Heilgersdorf (Peter Öckler), die Stadtkapelle Seßlach (Michael Bauer), ferner die Autenhaus'ner Musikanten (Harry Kaiser) und deren Jungmusiker (Stefan Nietzsche) sowie die Blaskapelle Oberelldorf (Christian Brückner). Auszüge ihres stimmlichen Repertoires präsentierten die Gesangvereine Liederkranz Seßlach (Karl-Jürgen Schmölzing), Liederkranz Heilgersdorf (Stefanie Fischer-Liebl), Frankonia Gemünda (Andreas Lorenz) sowie erstmals der Chor "Il canto" aus Autenhausen (Simone Trinkerl).

"Einmalig" und "überaus gelungen" fand nicht nur Bürgermeister Martin Mittag das musikalische Stelldichein. Und weil Wiederhören Freude macht, schloss das Stadtoberhaupt mit den Worten: "Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr!" Traditionell versammelten sich zum Abschied alle Kapellen, um gemeinsam mit den vielen Sängern sowie zahlreichen Zuhörern die Bayern-Hymne und das Deutschland-Lied anzustimmen. Nach dem knappen Sieg der deutschen Mannschaft am Vorabend klang gerade die Nationalhymne besonders inbrünstig.