Die Stadt fühlt sich verpflichtet, dem innerstädtischen Einzelhandel gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Für Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) und Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Ein attraktiver Einzelhandel lockt Leute in die Stadt, und viele Kunden, Flaneure und Passanten wiederum machen die Stadt für weitere Händler attraktiv. Sonst drohen noch mehr "graue Vorhänge in nicht so begehrten Lagen", wie Tessmer am Montag bei einem Pressegespräch sagte. Das Thema dort: Was die Stadt Coburg tut, um dem Coburger Einzelhandel den Schritt ins Internet zu erleichtern.


Chance statt Konkurrenz

Lange Zeit habe der sogenannte stationäre Einzelhandel den Online-Versandhandel und damit das Internet als Konkurrenz betrachtet und nicht als Chance, sagte Andreas Kückert, Inhaber der Agentur Klickfeuer und Betreiber der Seite gocoburg.de. Die soll nun zum offiziellen Schaufenster der Stadt ausgebaut werden: 350 Geschäfte sind auf dieser Seite zu finden, viele von ihnen zunächst nur mit Name, Lage im Stadtplan, Öffnungszeiten, dem Angebot und Verlinkungen zur geschäftseigenen Homepage oder dem zugehörigen Onlineshop.

Denn es ist ja nicht so, dass alle Coburger Einzelhändler Hilfestellung brauchen beim Weg ins Netz. Rund 170 haben ihre eigene Homepage, etwa 60 ihren eigenen Onlineshop, berichtete Karin Engelhardt von der städtischen Stabsstelle E-Government. Sie betreut das Projekt "Digitale Einkaufsstadt", bei dem die Stadt vom bayerischen Wirtschaftsministerium unterstützt wird. Drei Städte in ganz Bayern kommen in den Genuss dieser Beratung, neben Coburg sind das Pfaffenhofen an der Ilm und Günzburg.

Die Modellstädte sollen nun überlegen und erproben, was denn die passende Strategie ist, um Internet und stationären Einzelhandel zu verzahnen. Dieser Entwicklungsteil beginnt erst - am 8. März findet die erste große Strategierunde der Modellstädte im Wirtschaftsministerium statt. Bis zum Oktober 2017 sollen die Strategien umgesetzt und auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Die Stadt Coburg wird dabei von der Cima Beratung + Management unterstützt. Dieses Coaching wird durchs Wirtschaftsministerium finanziert, den Rest übernimmt die Stadt selbst.

Immerhin: Viele Coburger Einzelhändler sind offenbar interessiert daran, mit Hilfe der Stadt neue Kommunikationswege zu den Kunden zu finden. Die Informationsveranstaltung für den Einzelhandel am vergangenen Donnerstag sei auf große Resonanz gestoßen, berichteten Karin Engelhardt und Citymanager Jörg Hormann: 48 Geschäftsinhaber seien zu der Präsentation im Rathaus gekommen, viele hätten bedauernd abgesagt, sagte Hormann. Auch diese Absagen seien als grundsätzliches Interesse am Thema zu werten.


Kein neuer Online-Shop

Vorerst bleibt es bei der Eröffnung neuer Kommunikationskanäle. Um Verkaufskanäle geht es - noch - nicht. "Wenn es schon 60 Onlineshops gibt, ist es die Frage, ob der 61. die richtige Strategie ist", erläuterte Karin Engelhardt. Erstes Ziel sei es, Menschen über das Internet auf die Innenstadt und ihr Angebot neugierig zu machen. "Wir wollen, dass alle wissen, was es in Coburg gibt."

Allerdings gibt es "das Internet" längst nicht mehr: Die einen setzen auf Suchmaschinen, um herauszufinden, ob es eine Jeans einer bestimmten Marke in der Innenstadt gibt, die anderen blättern durch Bilder-Pinnwände wie Instagram oder Pinterest, die nächsten verfolgen über Facebook,Twitter oder Whatsapp, was sich in Coburg tut, erläuterte Karin Engelhardt. Andreas Kücker versorgt über die Website gocoburg.de all diese Kanäle mit Material - wobei Händler, die dort mit Text und Foto über ihr Geschäft erscheinen wollen, für diesen Service bezahlen müssen.