Große Zahlen konnte Klaus-Jürgen Heitmann am Dienstag verkünden. Einen Tag vor der offiziellen Bilanzpressekonferenz informierte das Coburger Unternehmen die heimischen Medien über den Geschäftsverlauf des Vorjahres. Doch bei einer Zahl hatte auch Heitmann, Sprecher der HUK-Vorstände, keinen so rechten Begriff, was sie bedeutet: Es ging um 126 Terabyte.
So groß ist die Datenmenge, die aus den über 60 000 Telematik-Geräten an das Tochterunternehmen zurückfloss. Bei den Telematik-Versicherten wird das Fahrverhalten im Auto direkt überwacht. Wenn die normale Datenmenge, die bei der Kalkulation der Versicherungstarife zugrunde gelegt werde, einen Meter hoch sei, "dann sind diese 126 Terabyte der Mount Everest", sagte Heitmann.
Erfasst wurden 300 Millionen gefahrene Kilometer, 7,7 Millionen Fahrstunden bei 27 Millionen Fahrten. Die übermittelte Höchstgeschwindigkeit lag bei 259 Stundenkilometern, der Durchschnitt bei 39 Stundenkilometern. Elf Kilometer ist die durchschnittliche Fahrt lang, erfasst wurden 136 Milliarden Beschleunigungspunkte.
Inzwischen haben die Mathematik-Spezialisten der HUK-Coburg aus den Daten auch Zusammenhänge zwischen Schadensverläufen und Fahrverhalten herstellen können: "Unfallfahrer rasen nachts häufiger", ist die entsprechende Mitteilung überschrieben. Die Auswertung der Daten ergab, dass Fahrer, die einen Unfall gehabt haben, auch häufiger gegen Geschwindigkeitsbeschränkungen verstoßen als unfallfreie Fahrer.
Allerdings lässt sich daraus nicht schließen, dass die überhöhte Geschwindigkeit Ursache für den Unfall war, betont der Fachvorstand Kfz-Versicherung, Jörg Rheinländer. Insgesamt scheinen die Telematik-Daten aber Belege dafür zu liefern, dass Unfallfahrer tendenziell riskanter fahren: Sie sind nicht nur schneller, sondern beschleunigen auch schneller, bremsen abrupter und weisen eine erhöhte Querbeschleunigung in Kurven auf.
Die Daten werden anonym an eine Tochtergesellschaft der HUK-Coburg übermittelt. Die Sachbearbeiter der Versicherung erhalten aus diesen Daten nur einen zusammenfassenden Score-Wert, der besagt, ob der Versicherte einen Rabatt bekommt oder nicht, betonte Klaus-Jürgen Heitmann. Die Kunden hätten auch keine datenschutzrechtlichen Bedenken. Heitmann geht aber davon aus, dass ohnehin diejenigen eher einen solchen Versicherungsvertrag abschließen, die sich für ihr korrektes Fahren belohnt sehen wollen.
Ohnehin wird dieser Tarif nur Fahranfängern angeboten, die weniger als sieben Jahre einen Führerschein haben. "Da langen alle Versicherer kräftig hin", erläuterte Heitmann. Die Aussicht auf einen Rabatt sei da ein Argument. Und: "Eltern finden den erzieherischen Wert ganz angenehm", sagte Heitmann mit einem Schmunzeln.
Hinzu kommt, dass die Telematik-Box auch Leben retten kann. So alarmierte sie Anfang März nach einem Unfall bei Roßlach (Landkreis Kronach) die Rettungskräfte - ein Kontakt zu der Fahrerin war in diesem Moment nicht möglich. Sie hatte ihr demoliertes Fahrzeug ohne Verletzungen verlassen können.


38,5 Millionen Verträge

Mit rund 60 000 Verträgen sind die Telematik-Versicherten aber nur eine winzige Gruppe unter den Versicherten der HUK-Coburg. Insgesamt rund 11,9 Millionen Kunden haben bei der Coburger Versicherungsgruppe rund 38,5 Millionen Verträge abgeschlossen. Über 11,6 Millionen Fahrzeuge sind bei der HUK-Coburg versichert. Allein bei den Kfz-Versicherungen verbuchte die HUK-Coburg im abgelaufenen Geschäftsjahr 3,9 Milliarden Euro an Beiträgen; insgesamt waren es knapp 7,4 Milliarden Euro.