Der Begriff der "Ausnahmesituation" fällt oft, wenn man mit den Beteiligten den Unfall des mit acht Personen besetzten Feuerwehrfahrzeugs am Samstagabend im Nachgang bespricht. Aber gerade Ausnahmesituationen sind es, aus denen Einsatzkräfte viele Lehren mit nach Hause bringen, weil man Ausnahmesituationen eben auch nicht üben kann. Deshalb sagt Kreisbrandrat Stefan Püls: "Wir werden unsere Maschinisten für die zur Sicherheit bei Blaulichtfahrten sensibilisieren."

Ursache noch ungeklärt

Warum sich das LF 16/12 der Ebersdorfer aufgeschaukelt hat und gegen einen Baum gefahren ist, muss eh erst noch genau geklärt werden. Wobei dem Kreisbrandrat eine Sache ganz, ganz wichtig ist: Der Fahrer, der nach dem Unfall aus dem Fahrzeug befreit werden musste und mit einer Fußverletzung ins Krankenhaus kam, wird sich keine Vorwürfe anhören müssen. "Ganz sicher nicht!" Die Einsatz- und Informationslage sei so gewesen, dass schnelle Hilfe gebraucht wurde.

Schon vor dem Unfall war man sich in der Kreisbrandinspektion einig, dass man spätestens im kommenden Jahr wieder den Fahrsimulator für Feuerwehrfahrzeuge ins Coburger Land holen will. Da will Stefan Püls nun schauen, vielleicht doch einen früheren Termin zu bekommen. Denn nicht erst seit dem Samstagabend sei klar: "Blaulichtfahrten haben immer gewisse Risiken." Und die könne man nicht oft genug simulieren.

Vielleicht ist auch alles zu viel

Gestern Abend hat die Ebersdorfer Feuerwehr wieder ihre ersten Fahrzeuge als "einsatzbereit" bei der Integrierten Leitstelle angemeldet. Ein Zurück zum Normalniveau wird es in Ebersdorf aber erst einmal nicht geben - alleine schon deshalb, weil das 2003 in Dienst gestellte LF 16/12 nicht mehr zur Verfügung steht. Sollte, wovon man derzeit ausgehen muss, das Fahrzeug beim Crash Totalschaden erlitten haben, wird die Lücke einige Zeit Bestand haben. "Ein bis zwei Jahre", vermutet Bürgermeister Bernd Reisenweber, Lieferzeit stehen derzeit für Feuerwehrfahrzeuge im Raum.

Brauchen die Ebersdorfer ein neues Auto, wird das zwangsläufig mittelfristig die Einsatzbereitschaft einschränken. Das weiß auch der Kreisbrandrat, der deshalb bereits mit den benachbarten Feuerwehren gesprochen hat. "Sie wissen Bescheid, dass sie Teil einer derzeit veränderten Einsatzmittelkette sind", sagt Stefan Püls. Neu oder gar dramatisch ist diese Umschichtung bei Alarmierungen nicht. Sie gibt es auch, wenn Fahrzeuge zur Wartung oder in der Werkstatt sind. Insofern: Es gibt größere Probleme. Für Bernd Reisenweber ist der Ausfall des LF 16/12 Anlass, mal grundsätzlich über die Belastung der örtlichen Feuerwehr nachzudenken. Bis zu 130 Einsätze pro Jahr - "da ist die gesamte Mannschaft am Limit", sagt der Bürgermeister. Da sei es vielleicht gar nicht so verkehrt, dass es mal ein bisschen ruhiger werde.

Das sagt der Notfallseelsorger

Viel mit den Ebersdorfer Aktiven gesprochen hat nach dem Unfall Michael Reubel von der Psychosozialen Notfallversorgung. Reubel, selbst erfahrener Feuerwehrmann, zuckte am Samstagabend erst mal zusammen, als er das Stichwort "Einsatzkräftebetreuung" für seinen Einsatz übermittelt bekam. Denn der Notfallseelsorger weiß: "Wenn diese Meldung kommt, dann ist das immer eine ganz eigene Geschichte." Selbst bei ihm sei da auf der Fahrt zur Unglücksstelle "das Adrenalin ganz schön hochgegangen". Gemeinsam mit drei weiteren Mitgliedern des Teams der Notfallseelsorge kümmerte sich Reubel um die Einsatzkräfte. Wichtig sei es gewesen, dass noch im Laufe des Abends die Nachricht gekommen sei, dass sich der Fahrer keine bedrohlichen Verletzungen zugezogen habe. Nichtsdestotrotz: Viel zu bereden auf aufzuarbeiten habe es in der Unfallnacht schon gegeben, sagt Reubel. Aber es sei ja gut ausgegangen: "Wir hatten schon den Eindruck, dass alle Betroffen in einem stabilen Zustand nach Hause gegangen sind." Nichtsdestotrotz will der Notfallseelsorger noch diese Woche Kontakt mit den Ebersdorfern aufnehmen und fragen, ob noch Fragen oder Probleme aufgetaucht sind.

Und wie war das mit dem Brand in Weidhausen?

Derzeit laufen noch standardmäßig die polizeilichen Ermittlungen - einerseits zur Brandursache, andererseits zur Frage, warum es zu Beginn des Einsatzes Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung für die Atemschutztrupps gab. Bei Bürgermeister Markus Mönch hinterließ der Einsatz eine zwiespältige Gefühlslage. Einerseits sei er froh über die gute Zusammenarbeit aller Hilfskräfte. Aber eine Sache hat Mönch tierisch geärgert: die vielen Schaulustigen, die das Geschehen mit ihren Smartphones filmten. "Das war schon krass, wie viele Menschen unbedingt ihr Filmchen aufnehmen müssen, während andere um ihr Hab und Gut fürchten."