Eigentlich müsste der Stadtrat tagen. Wegen der Corona-Zahlen in Coburg wurde jedoch der Krisensenat einberufen. Eins der Themen.: Die Erweiterung der Hochschule Coburg über den ehemaligen Schlachthof hinaus ins Güterbahnhofsgelände hinein. Denn die Hochschule braucht Platz. 23000 Quadratmeter, wie sie auf Anfrage mitteilt - und dafür sei aus Sicht der Hochschule das noch verfügbare gesamte Schlachthof- und Güterbahnhofsareal ohne Globe, Parkhaus und Pakethalle gut geeignet.

Voraussetzung für einen dritten Hochschulcampus am Güterbahnhofsgelände ist jedoch die Zustimmung der Stadt. Sie muss nicht nur eine entsprechende Bebauung genehmigen. Sie muss auch die Grundstücke dafür verkaufen.

Derzeit wird die alte Kühlhalle für die Hochschule und das Digitale Gründerzentrum hergerichtet. Doch das wird nicht reichen: "Die Hochschule Coburg stößt auf ihrem Campus Friedich-Streib im wörtlichen Sinn an ihre Entwicklungsgrenzen", sagt deren Pressesprecherin Margareta Bögelein. Ein Grund: Im Zuge der High-Tech-Agenda des Freistaats erhält die Hochschule 16 Professuren zur Stärkung der angewandten Forschung sowie zwei Professuren für Künstliche Intelligenz im Rahmen des KI-Wettbewerbs. "Inklusive wissenschaftlichem und nicht-wissenschaftlichem Personal wird die Hochschule circa 50 neue Stellen besetzen können", erklärt Bögelein.

Der zweite Grund: Am Campus Friedrich Streib laufen seit Jahren umfangreiche Bau- und Sanierungsmaßnahmen. Auch die Gebäude 2 und 3, in denen die technischen Studiengänge untergebracht sind, stehen zur Sanierung an. Bislang gab es offenbar die Überlegung, während der Zeit der Sanierung Interimsgebäude im Bereich Schlachthof zu errichten. Aber Margareta Bögelein zufolge sollen diese "Interimskosten" nun vermieden werden. Stattdessen sollen die technischen Studiengänge dauerhaft ins Tal umsiedeln. Die Gebäude 2 und 3 auf dem Berg sollen dann für andere Zwecke saniert werden. Die Hochschule brauche weitere Seminar- und Gruppenräume sowie Büros, da sie ja auch die Studiengänge der neuen Fakultät Ganzheitliche Gesundheitswissenschaften unterbringen müsse, erklärt Margareta Bögelein. Geplant seien ein Bachelor-Studiengang Hebammenkunde und weitere Gesundheits-Studiengänge.

Freistaat signalsiert Unterstützung

"Darüber hinaus benötigt die Hochschule Erweiterungsflächen für künftige Entwicklungen", sagt Bögelein - ein Thema, das schon vor einem Jahr angeklungen war. Damals hatte die Hochschule die Kandidaten für die Stadtrats- und Oberbürgermeisterwahl zu einem Rundgang über den Campus Friedrich Streib eingeladen und unter anderem auf den Platzmangel aufmerksam gemacht.

"Mit ihren Flächenbedarfen und dem Wunsch nach Entwicklungsflächen ist die Hochschule Coburg beim Freistaat Bayern auf offene Ohren gestoßen. Der Freistaat Bayern will seinen Hochschulstandort Coburg stärken", fasst Margareta Bögelein den aktuellen Stand der Dinge aus Hochschulsicht zusammen.

Konkreter wird es nicht. Auch Hochschul-Präsidentin Christiane Fritze wird lediglich mit dem Satz zitiert, dass das Thema Flächenerwerb "landespolitisch diskutiert" worden sei und dass dabei Unterstützung signalisiert wurde. Die Umsetzung der Hightech-Agenda habe für den Freistaat eine hohe Prioriät, erklärt Fritze. "Dazu gehören neben der Besetzung der Professuren auch die Schaffung der notwendigen Büros und Labore."