Es soll ein Höhepunkt des Erlebnis-Wanderwegs werden. Deswegen hat der Gemeinderat im Juni beschlossen, eines Bausatz für das Häuschen vom "Hexen-Hährle" zu kaufen. In den Wintermonaten wird in der großen Bauhofhalle an diesem windschiefen Häuschen gewerkelt. Dabei ist allerdings keine Hexerei, sondern solide Handwerksarbeit gefragt. Jedes Detail muss passen, auch wenn es nur ein kleiner Fenstergiebel ist. Peter Mönch und Dieter Weigelt macht es sichtlich Spaß, das Haus fürs Hährle herzurichten. Wenn's wieder "nauswärts" geht, wird es dann am Sonnenwendfeuerplatz aufgestellt - oberhalb von Weißenbrunn am Forst. Darin ist Platz für etwa sechs bis acht Wanderer für eine Rast. Damit Vereine bei Festivitäten das Haus für den Ausschank nutzen können, wird eine Klappe als Theke eingebaut.

Aber das Aufstellen dieses besonderen Bauwerks in Mahagoni-Cerus soll auch einem ernsten Zweck dienen: als Mahnmal für die Hexenverbrennungen und - verfolgungen gelten. "Es soll auf die dunklen Seiten der damaligen Zeit hinweisen", erklärt Bürgermeister Rolf Rosenbauer.

Elf Stationen, zwölf Kilometer

An den elf Stationen dieses zwölf Kilometer langen Wegs sind Sagen auf Tafeln an den Orten der Handlung beschrieben. Dabei steht erlebbare Heimatgeschichte im Mittelpunkt, die die Wanderer in längst vergangene Zeiten entführt. Der Rundweg startet an der Firma Debbus & Dinkel und endet am Abenteuer-Spielplatz "Piratenbucht". Dabei werden 97 Höhenmeter überwunden. Die Strecke führt über gut befestigte Flurwege und hält auch Möglichkeiten zum Abkürzen bereit. Spiel-, Sitz- und Unterstellmöglichkeiten machen die einzelnen Stationen zu einem abwechslungsreichen Erlebnis. Zu dem Untersiemauer Sagenweg gehören auch zeitgenössische Kunst und Skulpturen der Sagengestalten.

Neben dem Erlebnispfad mit einem Begleitspiel für Kinder wurde gleichzeitig eine Geocaching-Route installiert (Rätselcache). Ziel ist es, ein Erlebnis für Einheimische jedes Alters sowie wanderlustige Touristen zu schaffen. In naher Zukunft soll noch ein zweiter "sagenhafter" Weg erstellt werden. Dieser wird im westlichen Gemeindeteil unter dem Namen "Querkelsteig" zu finden sein.

Das schlimme Ende des Weibleins

Wer war eigentlich das "Hexen-Hährle"? Außerhalb von Obersiemau, in der Schlucht, die sich vom Stramberg herunterzieht, wohnte vor langer Zeit mutterseelenallein in einem kleinen, halb zerfallenen Haus ein uraltes Weiblein. Dieses konnte hexen. Aus der Fremde gekommen, lebte es vom Betteln, Stehlen und Wahrsagen. Man nannte es das "Hährle". Mal flog es als Rabe über die Felder oder ein anderes Mal schlich es als Katze durch die Dörfer. Von dem, was es erbeutete, lebte es.

Der Schuster Georg Horn aus Birkach züchtete weiße Täubchen. Die waren so zahm, dass sie das Futter aus seinen Händen pickten. Eines Tages sprang eine schwarze Katze zwischen die hübschen Tiere, packte sich eines und lief davon. Als die Katze auch am dritten Tag wieder erschien, zerschlug der Schuster ihr mit einem Prügel ein Hinterbein. Als er sie greifen wollte, war sie weg. Am Abend sah man eine schwarze Katze hinkend über die Wiesen schleichen. An der Grenzeiche ruhte sie aus - und verschwand im Haus des "Hährle". Bald wussten die Leute, wer die Katze ist.

Der Hornschuster wandte sich daraufhin an den "Hexenriecher" Balthasar Gernreich aus Coburg. Dieser sorgte dafür, dass das "Hährle" gefoltert und schließlich auf dem Richtplatz am Kreuzweg beim Hohwartshölzchen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Der Platz heißt seitdem "Hexenacker".

Diese Ereignisse, die auf dem "Schatzsucherweg" thematisiert werden, sollen sich in der Zeit vom 15. bis 18. Jahrhundert zugetragen haben. Auszüge wurden aus dem Buch "Von Banz bis Coburg - Heimatliche Sagen und Geschichten aus dem Itzgrund" entnommen, zusammengestellt vom Obersiemauer Hauptlehrer Karl Mönch, 1927 erschienen im Coburger Veste-Verlag Roßteutscher.

Siemauer Sagenwelten

Broschüre Alles Wissenswerte ist in der über 80-seitigen Broschüre "Siemauer Sagenwelten" unter dem Titel "Teil 1 - Der Schatzsucherweg" zu erfahren. Diese ist im Rathaus der Gemeinde käuflich zu erwerben. ka